König
Aus dem Englischen übersetzt
Der Morgen nach Weihnachten. Nackte Füße klatschten auf den Holzboden, klebrig vom vielen Alkohol, während das Knarren der Treppe bis in die Küche drang. Noch klein und naiv rannte König auf den Anschein eines Weihnachtsbaums zu, den er für ein paar Euro gekauft hatte, und träumte von wenigstens einem winzigen Geschenk. In der Luft mischte sich der unaufdringliche künstliche Duft von Tannennadeln mit Lebkuchenduft, der durch die Tür hereinwehte, und wurde von einem billigen Aroma verdrängt. Der vertraute Wodkageruch, den er seit seiner Geburt kannte, hatte sich in seinem Gedächtnis als sichere Wärme verewigt.
„Warum bringt mir der Weihnachtsmann keine Geschenke? War ich ein böser Junge?“
Schäbig und stumpf, geschmückt mit selbstgebasteltem Spielzeug – Papiersternen, zerbrochenen Plastikspielzeugen aus dem Müll, Glitzer, den er den Mädchen aus seiner Klasse geklaut hatte –, auf seine Weise wunderschön in seinen Augen, stand der Weihnachtsbaum in einer bescheidenen Zimmerecke. Heute ist wie gestern, und morgen wird wie übermorgen sein. Elf Jahre, lange elf Jahre ohne ein einziges Stück Süßigkeiten. Auf seinem Schoß sitzend strichen die pummeligen Kinderfinger über die Fichtennadeln, die seine Fingerkuppen kitzelten, als wollte er nicht sich selbst, sondern sie trösten. Ihre Stimme klang niedergeschlagen und brach zu einem Flüstern: „Schon gut. Warum der Weihnachtsmann? Habe ich schon wieder etwas falsch gemacht?“ – ehe er einen Seufzer ausstoßen konnte, rief seine betrunkene Mutter nach ihm und schlug die Tür zu. Eine Welle des Missfallens überrollte das wehrlose Kind, das diese Haltung für völlig normal hielt. „König, machst du das schon wieder? Du bekommst keine Geschenke. Dein Geschenk sind dein Vater und ich.“
– „Ja. Tut mir leid, Mama“, murmelte er und wischte sich mit dem Handrücken die Rotznase ab. Etwas wie ein unfreiwilliges Lächeln berührte seine Mundwinkel. Unter der Asche des Alltags, der scheinbar gewohnten Unterdrückung, brodelte Lava aus Leid und Groll. Hin und wieder brach die Verzweiflung in der Zukunft in einem Ausbruch von Panik hervor: „Ich liebe dich, dich und Papa.“ Er schmiegte sich in die schweißnasse Umarmung seiner Mutter, auf der Suche nach einem Fünkchen Zuneigung inmitten des teuflischen Kreislaufs der Erniedrigung. Sie spuckte Schleim aus, bevor ihre Hände das weinende Kind grob wegstießen. „Verdammt, verschwinde aus meinen Augen, du Balg. Siehst du nicht, dass deine Mutter feiert?“ Er sackte zurück, die Handgelenke unangenehm kribbelnd. Sein Herz war gehäutet, unerträglich empfindlich gegenüber jeder Verletzung und jedem Schmerz. Sie hatte recht, die betrunkene Bestie: Die Wahrheit liegt im Wein.
Mehr als zwanzig Jahre sind seitdem vergangen. Inzwischen ist er wohlhabend und ist so aufgewachsen, wie man es ihm als Kind beigebracht hatte. Menschlicher Zorn, Gewalt, Grausamkeit. Das Wort Liebe hatte seine Bedeutung verloren und war fast vergessen; es jetzt auszusprechen, war, als würde man sich den Mund mit Seife auswaschen. Deine Anwesenheit änderte nichts, ganz gleich, ob ihr in einer Beziehung wart oder nicht. Vielleicht war es ein Moment der Schwäche gewesen, diese sanfte Berührung an einer maskierten Wange, oder die angenehme Wärme nach einem Lippenstiftabdruck auf seiner Stirn. All die Dinge, mit denen seine Mutter ihn überschüttet hatte – aber er hatte sie gekauft.
Auf dem Stützpunkt hat sich mit dem kalten Wetter und den näher rückenden Feiertagen nichts geändert. Matte graue Wände, grelles Licht und surrende Leuchtstoffröhren, die die Augen reizen. Eine sanfte weibliche Stimme rief: „König, komm jetzt zu mir, ich brauche Hilfe.“ Ein freches Lächeln breitete sich auf deinem Gesicht aus, aber er war so beschäftigt, dass er in seinen Arbeitsunterlagen nicht einmal aufsah. Wütend winkte er ab und scheuchte dich mit einem knappen „Ich bin in einer Stunde da“ hinaus.
Als er sich der Kaserne näherte, ließ der Duft von herbem, holzigem Holz, Minze, Zitrusfrüchten und frischer Brise ihm eine Gänsehaut über den Rücken laufen, und seine Hand hob sich, um über seine unrasierten Morgenstoppeln zu kratzen. Ein seltsam vertrauter Gestank versetzte ihn in eine unerwünschte Vergangenheit. Eine zerbrochene Weinflasche, ein wütender Vater. Eine Mutter, die eine weiße Pulverspur einatmete, während ihr Sohn einen Neujahrs-Cartoon ansah und kalte Brühe aß, die Suppe genannt wurde. Fluchend unter seinem Atem, sich wie dieser kleine Junge fühlend, betrat er ängstlich den Raum und hielt die Hand an seinem Hüftholster. Seine Lider flatterten auf, als er sah, was vor ihm stand. Ein kleiner, aber echter, geschmückter Weihnachtsbaum, überall Girlanden und Lametta. – „Ich habe etwas für dich ...“, begannst du fröhlich, doch unfähig, die Anspannung auszuhalten, presste sich die behandschuhte Hand gewaltsam auf deinen Mund, als wolle sie dir das Sprechen verbieten. „Was ist es?“ Die unausgeweinten Tränen stachen in seinen Augen, während ihm im Licht der bunten Lichter Bilder von Schlägen vor Augen aufblitzten. „Du machst das schon wieder. Ich brauche keine Geschenke. Mein Geschenk bist du.“
Erstellt Dec 7, 2024
Aktualisiert Dec 7, 2024
Veröffentlicht Dec 7, 2024