Geto Suguru
Aus dem Englischen übersetzt
JUJUTSU KAISEN
Das Mädchen, das erwählt werden wollte
Takaya Zenin × Suguru Geto
Kapitel — Bitte, nur ein einziges Date
Das Zenin-Anwesen war an diesem Morgen besonders unangenehm.
Das war es meistens.
Doch heute hatte Takaya den Fehler gemacht, fünf Minuten zu spät den großen Speisesaal zu betreten.
Ihr Vater saß bereits am Kopfende des Tisches und sprach mit zwei männlichen Verwandten. Ihr älterer Cousin Naoya lehnte mit einer Tasse Tee in der Hand am Fensterbrett.
Takaya trat leise ein.
Ihr schwarzes Haar war locker im Nacken zusammengebunden, und sie trug ein schlichtes, cremefarbenes Kleid mit langen Ärmeln. Ihr Gehstock klopfte auf den Holzboden.
„Du bist spät dran.“
Sie blieb sofort stehen.
„Es tut mir leid, Vater. Meine Beine haben heute Morgen wehgetan, und ich—“
„Habe ich nach einer Erklärung gefragt?“
Takaya senkte den Kopf.
„Nein.“
„Dann gib mir auch keine.“
Sie nickte und ging vorsichtig auf ihren Stuhl zu.
Naoya beobachtete sie mit einem leichten Lächeln.
„Ehrlich, das ist peinlich. Wie alt bist du inzwischen? Und brauchst immer noch dieses Ding zum Gehen?“
Takaya antwortete nicht.
„Sieh mich an, wenn ich mit dir rede.“
Langsam hob sie den Blick.
Naoya lachte.
„So ein erbärmliches kleines Ding.“
Ihr Vater aß weiter, als wäre nichts geschehen.
„Deine Tante hat für nächste Woche ein weiteres Treffen arrangiert. Du wirst hingehen und dich angemessen benehmen. Mehrere Familien sind an möglichen Verbindungen interessiert.“
Takayas Finger schlossen sich fester um ihren Gehstock.
„Vater ... ich wollte fragen, ob ich vielleicht—“
Er blickte auf.
„Was?“
Sie schluckte.
„Ich wollte fragen, ob ich Samstag nach draußen gehen darf.“
„Nach draußen?“
„Zur Schule.“
Naoya lachte.
„Warum? Hast du dort Freunde?“
Takayas Wangen wurden warm.
„Ich ...“
Ihr Vater legte die Essstäbchen hin.
„Deine Pflichten sind hier. Du wirst deine Zeit nicht damit verschwenden, Jungs nachzulaufen.“
Bei diesen Worten zog sich ihr Magen zusammen.
Er wusste es.
Natürlich wusste er es.
Jemand hatte erwähnt, sie fast jeden Nachmittag vor der Schule warten gesehen zu haben.
„Du bist eine Zenin“, fuhr er fort. „Du kannst nicht wie irgendein verzweifeltes Mädchen aus dem gemeinen Volk herumrennen.“
„Es tut mir leid.“
„Geh auf dein Zimmer.“
Takaya nickte sofort.
Als sie sich umdrehte, sprach ihr Vater erneut.
„Und bring diese Familie nicht mit deinem lächerlichen Verhalten in Verruf.“
Sie antwortete nicht.
Sie ging einfach fort, einen schmerzhaften Schritt nach dem anderen.
Um 15:45 Uhr war Takaya bereits an der Jujutsu-Oberschule.
Sie hatte kaum zu Mittag gegessen.
Ihr linkes Bein schmerzte, und die Muskeln um ihr Knie fühlten sich ungewöhnlich schwach an. Unterwegs hatte sie zweimal anhalten müssen.
Aber heute war wichtig.
Sie hatte eine Entscheidung getroffen.
Sie würde Suguru um ein Date bitten.
Ein richtiges Date.
Nicht einfach nach dem Unterricht zusammen spazieren gehen.
Ihm Süßigkeiten mitbringen und hoffen, dass er sie beachtete.
Ein Date.
Sie hatte die Frage ungefähr siebenunddreißigmal geübt.
Hättest du Lust, am Samstag mit mir irgendwohin zu gehen?
Zu direkt.
Hast du dieses Wochenende vielleicht Zeit?
Zu vage.
Ich wollte fragen, ob du vielleicht etwas Zeit mit mir verbringen möchtest ...
Sie bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen.
„Oh je ...“
Sie wurde jetzt schon rot.
In ihrer Handtasche lag ein kleines, gefaltetes Zettelchen.
Sie hatte es auf drei verschiedenen Blättern geschrieben, bevor sie sich für die schönste Handschrift entschieden hatte.
Sie wollte ihn in ein kleines Café in der Nähe des Bahnhofs mitnehmen.
Sie wusste, dass es ihm wahrscheinlich nicht gefallen würde.
Aber sie wollte ihm gegenübersitzen.
Nur ein einziges Mal.
Sie wollte, dass er sie fragte, was sie bestellen wollte.
Sie wollte ihn lachen hören, ohne dass Gojo im Hintergrund Witze machte.
Und, vielleicht am peinlichsten von allem, wollte sie, dass er neben ihr herging, ohne genervt auszusehen.
„NA, WEN HABEN WIR DENN DA.“
Takaya zuckte beinahe zusammen.
Satoru Gojo stand mit Shoko und Suguru am Eingang.
Ihr Herz begann sofort schneller zu schlagen.
„Suguru!“
Geto sah zu ihr hinüber.
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich augenblicklich.
„Oh, das darf doch nicht wahr sein.“
Gojo fing an zu lachen.
„Dein Lieblingsmädchen!“
„Sie ist nichts von alledem, was ich am liebsten mag.“
Takaya ging auf sie zu.
Es dauerte länger als sonst, weil ihre Beine besonders schwach waren.
Trotzdem lächelte sie.
„Hallo zusammen.“
„Hallo, Takaya!“, begrüßte Gojo sie fröhlich. „Wartest du wieder auf deinen Mann?“
„Gojo-san ...“
Shoko lächelte.
„Du bist früh hier.“
Takaya nickte.
„Ich wollte Suguru sehen.“
Geto sah sie an.
„Warum?“
Sie blinzelte.
„Weil ...“
„Weil was?“
„Weil ich dich gerne sehe.“
Gojo gab einen übertriebenen Laut von sich.
„OOOOOH.“
Shoko lachte.
Suguru sah zutiefst angewidert aus.
„Kannst du solche Sachen nicht sagen?“
Takayas Lächeln verblasste.
„Oh. Entschuldigung.“
„Ernsthaft, was stimmt nicht mit dir?“
Sie sah ihn an.
Er fuhr fort.
„Du tust, als wären wir uns nah. Sind wir nicht.“
„Ich weiß ...“
„Dann hör auf, dich wie so ein dummes kleines Ding zu benehmen, das mir überallhin folgt.“
Die Worte kamen beiläufig.
Fast gelangweilt.
Als würde er das Wetter kommentieren.
Takayas Gesicht wurde warm.
Sie sah auf ihre Schuhe hinunter.
Gojo grinste.
„Jesus, Suguru. Du bist brutal.“
„Sie ist nervig.“
Sie gingen in Richtung Innenhof.
Takaya folgte ihnen und hielt ihre Handtasche dicht an die Brust gedrückt.
Sie spürte das gefaltete Zettelchen darin.
Sie musste ihn fragen.
Sie musste es einfach.
„Suguru?“
Er drehte sich nicht um.
„Was?“
„Kann ich dich etwas fragen?“
„Nein.“
Sie blinzelte.
„Aber—“
„Nein, Takaya.“
Gojo lachte.
„Lass sie wenigstens ausreden, Suguru.“
Geto blieb stehen und sah sie an.
„Na gut. Was ist?“
Takaya schluckte.
Ihre Finger ertasteten das gefaltete Zettelchen.
„Würdest du ...“
Sie zögerte.
Ihre Stimme war sehr leise.
„Würdest du mit mir auf ein Date gehen?“
Stille.
Ungefähr zwei Sekunden lang sagte niemand etwas.
Dann brach Gojo in Gelächter aus.
„NEIN, ODER?“
Shoko hielt sich den Mund zu.
Takayas Wangen brannten.
Sie sah Suguru an.
Er starrte sie an.
Er lächelte nicht.
Er fühlte sich nicht geschmeichelt.
Er starrte sie einfach nur an.
„Ein Date?“
Sie nickte.
„Ja ...“
Er stieß ein kurzes Lachen aus.
„Mit dir?“
Ihr Lächeln wurde unsicher.
„Ja.“
„Warum sollte ich das tun?“
Sie sah sofort nach unten.
„Ich dachte, wir könnten etwas essen oder vielleicht ...“
„Takaya, ich interessiere mich nicht für dich.“
Ihre Finger erstarrten.
„Ich weiß, aber ich dachte—“
„Warum fragst du dann?“
Sie konnte nicht antworten.
Suguru schüttelte den Kopf.
„Du bist unglaublich.“
Gojo lachte immer noch.
„Sie meint es wirklich ernst!“
„Offensichtlich“, erwiderte Suguru. „Das ist ja das Problem.“
Er sah Takaya wieder an.
„Hör gut zu, dummes kleines Ding. Ich will nicht mit dir auf ein Date gehen. Ich will nicht mit dir herumspazieren. Ich will deine Geschenke nicht. Und ich will ganz sicher nicht, dass du jeden Nachmittag auf mich wartest.“
Ihre Augen begannen zu brennen.
Sie versuchte zu lächeln.
Es gelang ihr schrecklich.
„Oh.“
„Verstanden?“
Ein kleines Nicken.
„Ja.“
„Gut.“
Er drehte sich um.
„Komm, Satoru.“
Gojo folgte ihm und grinste immer noch.
„Eines Tages wirst du dem Mädchen noch einen Herzinfarkt verpassen.“
„Nicht mein Problem.“
Shoko blieb für einen Moment zurück.
Sie sah Takaya an.
„Vielleicht solltest du heute nach Hause gehen.“
Takaya nickte.
„Okay, Shoko-san.“
Eine Weile bewegte sich Takaya nicht.
Sie stand im Innenhof und hielt ihren Gehstock mit beiden Händen fest.
Das kleine Zettelchen lag noch immer in ihrer Handtasche.
Langsam nahm sie es heraus.
Das Papier war leicht zerknittert, weil sie es so fest gehalten hatte.
Sie faltete es auseinander.
Lieber Suguru,
hättest du vielleicht Lust, diesen Samstag mit mir irgendwohin zu gehen? Ich würde wirklich gerne etwas Zeit mit dir verbringen.
Takaya.
Sie las es zweimal.
Dann faltete sie es wieder zusammen.
Ganz sorgfältig.
Sie warf es nicht weg.
Das konnte sie nicht.
Um 18:20 Uhr kam Takaya endlich zu Hause an.
Sie war erschöpft.
Ihre Beine zitterten so sehr, dass sie sich an der Flurwand festhalten musste.
Ein Diener kam an ihr vorbei.
„Miss Takaya, Ihr Vater hat nach Ihnen gefragt.“
Ihr Magen sackte ab.
„Ist er wütend?“
Der Diener sah unbehaglich aus.
„Ich würde Ihnen empfehlen, sofort in sein Arbeitszimmer zu gehen.“
Takaya schluckte.
„Danke.“
Sie klopfte leise.
„Herein.“
Ihr Vater saß hinter seinem Schreibtisch.
Auf dem Tisch lag ein kleines Foto.
Takaya erkannte es sofort.
Es zeigte sie vor der Jujutsu-Oberschule.
Beim Warten.
Ihr Vater sah sie an.
„Möchtest du das erklären?“
Takayas Kehle schnürte sich zu.
„Ich ...“
„Hältst du dieses Verhalten für angemessen?“
„Nein, Vater.“
„Seit Monaten machst du dich lächerlich.“
„Es tut mir leid.“
„Du bist eine Zenin. Du läufst keinen Männern nach.“
Er stand auf.
„Vor allem keinen Männern, die sich nicht für dich interessieren.“
Takaya starrte auf den Boden.
Ihr Vater packte sie am Oberarm.
„Du wirst dieses lächerliche Verhalten einstellen.“
Es tat weh.
Sie wich nicht zurück.
„Verstehst du?“
„Ja, Vater.“
„Sieh mich an.“
Sie tat es.
„Verstehst du?“
„Ja.“
Er ließ sie mit einem abweisenden Schubs los.
„Geh nach oben. Und ich will nie wieder davon hören.“
Takaya taumelte leicht, als sie rückwärts trat.
Sie fing sich mit ihrem Gehstock ab.
„Gute Nacht, Vater.“
Er antwortete nicht.
An diesem Abend saß Takaya auf der Bettkante.
Ihr Zimmer war klein im Vergleich zu den Zimmern der männlichen Familienmitglieder.
Es gab ein schmales Bett, einen Kleiderschrank aus Holz, einen kleinen Schreibtisch und ein Fenster mit Blick auf die Gärten des Anwesens.
Sie stellte ihre Handtasche auf den Schreibtisch.
Dann nahm sie das gefaltete Zettelchen heraus.
Sie starrte es an.
Lange Zeit.
Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
Sie verstand nicht, warum sie nicht einfach aufhören konnte, ihn zu mögen.
Suguru war gemein.
Er war ungeduldig.
Er gab ihr das Gefühl, dumm zu sein.
Manchmal sah er sie an, als wäre ihre bloße Existenz körperlich anstrengend.
Doch wenn sie an ihn dachte, erinnerte sie sich an sein langes schwarzes Haar, seine Stimme und die wenigen seltenen Augenblicke, in denen er mit ihr gesprochen hatte, ohne ihr sofort zu sagen, sie solle verschwinden.
Sie wollte jemand sein, auf den er sich freute.
Sie wollte jemand sein, für den er sich entschied.
Nur ein einziges Mal.
Takaya legte das Zettelchen sorgfältig in die Schublade ihres Nachttischs.
Dann legte sie sich hin.
Ihre Beine pochten.
Ihr Arm schmerzte dort, wo ihr Vater sie gepackt hatte.
Und morgen würde sie wahrscheinlich wieder zu einem Familientreffen gehen müssen.
Aber sie dachte bereits wieder an Suguru.
Vielleicht sollte sie ihm etwas anderes mitbringen.
Vielleicht mochte er keine süßen Sachen.
Vielleicht sollte sie es mit Kaffee versuchen.
Vielleicht—
Sie schloss die Augen.
Eine Träne rann ihr über die Wange.
„... Ich wollte doch nur ein einziges Date.“
Und am Morgen würde das Zenin-Anwesen wie immer erwachen.
Die Männer würden Befehle erteilen.
Die Frauen würden gehorchen.
Und Takaya würde erneut daran erinnert werden, dass es als lästig galt, etwas für sich selbst zu wollen.
Erstellt vor 3 Tagen
Aktualisiert vor 3 Tagen
Veröffentlicht vor 3 Tagen