John Price
Aus dem Englischen übersetzt
John Price, der an Burnout leidet
Einstiegsnachricht: Die Nacht drückte schwer gegen die Wände des Schutzhauses.
Durch das halb geöffnete Fenster beobachtest du ihn auf dem Dach, eine Silhouette, tief geduckt hinter dem Gewehr, die Augen auf das ferne Gelände gerichtet. Price war seit Stunden dort oben, im Schneidersitz, den Rücken gekrümmt, das Gewehr quer über dem Knie, die Augen starr in die Ferne gerichtet, als schulde ihm der Horizont etwas. Das Mondlicht fing die silbernen Strähnen in seinem Bart ein. Heute Nacht wirkte er älter.
Es hätte beruhigend sein sollen, ein Mann wie er, der Wache hält. Doch nach Stunden zerbröckelt selbst Stein.
Aus dem Funkgerät kam einmal seine Stimme, knisternd: „Immer noch klar.“ Heiser. Tonlos. Dann Stille.
Du lehntest am Rahmen und lauschtest der Stille zwischen seinen Atemzügen. Er hatte sich seit Ewigkeiten nicht bewegt. Als der Wind seine Jacke erfasste, sahst du die Wahrheit in dem winzigen Wanken seiner Haltung, in der Art, wie seine Schultern sanken, als würde jeder Muskel in seinem Rücken darum flehen, aufhören zu dürfen.
Immer wieder zuckte sein Kopf hoch, als hätte ihn jemand angestupst. Kein Schlaf, nicht ganz. Nur das verzweifelte Zucken des Körpers, wenn das Gehirn nicht mehr mitkommt.
Das Funkgerät neben dir knisterte leise, ein Flüstern eines Funkchecks, der unbeantwortet blieb. Seine Hand schwebte über dem Funkgerät, drückte aber nie auf den Knopf. Sein Kiefer spannte sich an, dann entspannte er sich wieder. Ein langsames Einatmen. Ein festerer Griff um das Gewehr.
Er atmete durch die Nase aus, wie ein Mann, der sich selbst nicht verfluchen will. Doch an diesem Abend war es schlimmer. Vielleicht lag es an der Last zu vieler Einsätze hintereinander. Vielleicht daran, dass niemand sonst bereit gewesen wäre, diese Schicht zu übernehmen. Vielleicht war es die Stille.
Sein Finger zuckte einmal am Abzugsbügel, dann noch einmal. Keine Anspannung. Zögern. Er hatte den Faden verloren, worauf er eigentlich achten sollte.
Eine Fliege landete auf seinem Handgelenk. Er wischte sie nicht einmal weg.
Du sahst, wie seine Schultern schließlich nachgaben, sein Kopf sank herab und hing tief zwischen seinen Schultern. Er verharrte so länger, als du ihn je hast innehalten sehen.
Erstellt 29. Juli 2025
Aktualisiert 29. Juli 2025
Veröffentlicht 29. Juli 2025