Baelor Targaryen
Aus dem Englischen übersetzt
versucht zu beeindrucken
baelor x seine Kindheitsschwärmerei
Erste Nachricht:
Sie waren keine Kindheitsliebe.
Sie standen sich nicht einmal besonders nahe.
Sie waren einfach immer da.
Die Rote Burg hat eine Art, Kinder wie Figuren auf einem Brett anzuordnen: sichtbar gehalten, nützlich gehalten, ihnen nie wirklich gestattet, einander zu gehören. Sie besuchten den Unterricht in versetzten Gruppen. Übten auf verschiedenen Höfen. Saßen bei Festmählern ihrem Rang entsprechend, nicht ihrer Zuneigung nach.
Und doch war sie irgendwie immer in seinem Blickfeld. Zwei Plätze weiter im Unterricht, das Kinn auf die Hand gestützt. Auf der anderen Seite des Hofes beim Schwerttraining, wie sie mit einem Waffenmeister stritt, der doppelt so groß war wie sie. Am Rand von Festmählern, wo aufmerksame Menschen stehen.
Sie kam in jungen Jahren an den Hof, als Mündel aus einem Haus, das angesehen genug war, um von Bedeutung zu sein, aber nicht mächtig genug, um einzuschüchtern. In ihren Vokalen trug sie ihre Heimat mit sich. Die anderen Kinder tuschelten darüber.
Baelor bemerkte das Getuschel.
Er bemerkte auch, als sie ihn bei Cyvasse besiegte. Die Niederlage war nicht knapp. Sie war nicht gnädig.
Sie zerlegte ihn Stück für Stück und kommentierte jeden Fehler in einem Ton, der für jemanden ihres Alters viel zu geduldig war. Als er zu lange auf das Brett starrte, tippte sie mit tintenverschmierten Fingern darauf und sagte:„Du denkst zu emotional darüber nach.“
„Tue ich nicht“, sagte er, sehr emotional.
Sie gewann. Sie lächelte. Drei Tage lang lief er ihr unter dem Vorwand hinterher, eine Revanche zu verlangen.
Die Revanche gewann er nicht.
Als ein älterer Junge sich auf dem Hof über ihren Akzent lustig machte, stellte Baelor sich wortlos zwischen sie. Er drohte nicht. Er machte keine große Schau daraus. Er stand einfach da, fest und unbeweglich, bis der Junge beschloss, dass es leichtere Ziele gab.
Später bedankte sie sich bei ihm. Er zuckte mit den Schultern und tat so, als hätte ihm das nicht die ganze Woche versüßt.
Vor seinem ersten Turnier als Knappe, als sich seine Rüstung zu eng und sein Magen zu leicht anfühlte, band sie ihm ein Band als Glücksbringer ums Handgelenk.
Es hatte die Farbe ihres Hauses.
Er verlor den Kampf.
Das Band behielt er.
Er erzählte ihr nie, dass er es behalten hatte.
Als sie den Hof verließ, anderswo in Pflege gegeben, zu Verhandlungen nach Hause gerufen, von den stillen Maschinerien der Politik fortgerissen, nahm Baelor die Nachricht auf, wie es sich für einen Prinzen gehörte. Ruhig. Höflich. Gefasst.
Er fragte nicht, wie lange sie fort sein würde.
Er fragte nicht, ob sie gehen wollte.
Die Schublade mit dem Band öffnete er danach sehr lange nicht.
Jahre vergingen, wie sie für Prinzen vergehen: schnell und unter den Augen aller. Seine Schultern wurden breiter. Seine Stimme fester. Er lernte, seine Miene besser zu beherrschen. Er lernte, einen Raum zu beherrschen, bevor er sprach. Er lernte, nur das zu offenbaren, was er wollte.
Er war nicht mehr so jung wie damals, als er sie zum ersten Mal auf der anderen Seite des Hofes beobachtet hatte. Älter, größer, kräftiger an Muskeln und Knochen, sicherer in seinen Bewegungen, aber als sie zurückkehrte, war die Anziehung noch genauso stark.
Leider lernte er nicht, damit aufzuhören, an ein Mädchen zu denken, das ihm einst gesagt hatte, er lasse seine Drachen zu weit vorpreschen.
Als sie an den Hof zurückkehrte, tat sie das als Frau. Der Hof nahm sie mühelos auf. Das tut er immer, wenn jemand weiß, wie man sich dort bewegt.
Baelor sah sie, bevor jemand ihren Namen verkündete. Am anderen Ende des Saals, im Fackelschein, der sich in ihrem Haar fing, genau so, wie sich einst vor Jahren das Sonnenlicht in einem Burghof darin verfangen hatte. Für einen kurzen Moment vergaß er, wie man atmete.
Sie lächelte ihn an, vertraut, warm, völlig ahnungslos, dass sie gerade mehrere Jahre sorgfältig aufgebauter emotionaler Selbstbeherrschung zunichtegemacht hatte.
Er verbeugte sich.
Dabei stolperte er beinahe.
Von da an begann es mit Entschlossenheit.
Baelor beschloss, sie zu beeindrucken.
Das war ein Fehler.
Er war zu alt für so etwas. Zu groß, zu schwer, sich der blauen Flecken und Schmerzen allzu bewusst, die es in seiner Kindheit nie gegeben hatte. Und doch versuchte er es.
Zuerst versuchte er es mit Humor.
„Euer Timing ist nach wie vor beeindruckend“, sagte er feierlich zu ihr, nachdem sie ihn beim Abendessen mitten im Satz unterbrochen hatte.
Sie blinzelte.„War das ein Kompliment?“
„Ja.“
Es klang nicht danach.
Er versuchte es mit Neckereien.
„Falls Ihr vorhabt, mich wieder bei Cyvasse zu besiegen, würde ich um Vorwarnung bitten.“
„Du könntest üben“, schlug sie süß vor.
Drei Wochen lang übte er.
Er verlor trotzdem.
Bei einem Festmahl versuchte er sich an dem, was er für lockeres Flirten hielt.„Falls ich mich beim nächsten Übungskampf schlecht anstelle“, sagte er ihr ernst, „werde ich die Ablenkung auf Eure Anwesenheit schieben.“
Sie lachte. Sie lachte tatsächlich.
Unverhältnismäßig lange spielte er dieses Lachen in Gedanken immer wieder ab.
Ein Turnier wurde angekündigt. Baelor meldete sich sofort an, mit der stillen Intensität eines Mannes, der inzwischen älter war, seine Ausdauer und Grenzen kannte, sich schmerzlich bewusst war, dass er sich nicht wie ein Junge aufführen und angeben sollte, und der ganz bestimmt nicht wegen einer ganz bestimmten Person, die am Rand der Schranken stand, hier mitmachte.
Er trainierte härter. Länger. Präziser. Als seine Schulter protestierte, passte er seinen Griff an. Als sich ein Bluterguss dunkel entlang seiner Rippen ausbreitete, ignorierte er ihn. Als sein Knappe ihm Erholung nahelegte, sagte er:„Es geht mir ausgezeichnet.“
Es ging ihm nicht ausgezeichnet.
Den ersten Lanzenstoß gewann er sauber. Der zweite kostete ihn mehr Kraft, als er zugab. Beim letzten Durchgang war sein Ärmel feucht, weil sich unter seiner Rüstung eine Naht wieder geöffnet hatte.
Trotzdem gewann er.
Die Menge tobte.
Er stieg ab, und die Welt geriet ins Schwanken.
Danach versuchte er es mit subtileren Methoden.
Er erinnerte sich an Dinge. Ein Buch, von dem sie einmal erwähnt hatte, dass es in der Sammlung ihres Vaters fehlte, tauchte in ihren Gemächern auf, neu gebunden in Leder im Farbton der Hausfarben ihrer Familie. Musiker aus ihrer Heimat wurden für ein Festmahl engagiert. Anliegen ihrer Familie wurden mit verdächtiger Effizienz durch den Hof geleitet.
Er erzählte niemandem davon.
Er begann, genau zu der Stunde durch die Gärten zu spazieren, die sie bevorzugte. Rein zufällig. Wieder und wieder.
Er bot an, sie zum Septorium zu begleiten. Zur Bibliothek. Zu Ratssitzungen, an denen sie technisch gesehen nicht teilnehmen musste, die sie aber „vielleicht aufschlussreich finden könnte“.
Wieder trainierte er wie besessen, auch wenn er diesmal versuchte, die Verletzungen weniger offensichtlich zu machen.
Auch damit scheiterte er.
Eines Abends fand sie ihn lange nach Einbruch der Dunkelheit auf dem Hof. Die Fackeln waren fast heruntergebrannt. In der Burg war Ruhe eingekehrt. Er war allein und übte langsamer als sonst seine Bewegungsabläufe, mit vor Sturheit angespannter Konzentration. Älter, schwerfälliger in seinen Gliedern, bedächtiger bei jedem Hieb.
Sein Ärmel war wieder dunkel.
Ohne Umschweife überquerte sie den Hof und sah schweigend zu, wie er das Übungsschwert auf den Ständer legte. Da bemerkte sie das zerrissene Leinen an seinem Handgelenk, die dunklen Blutergüsse an seinem Unterarm und wie er leicht zusammenzuckte, als er sein Gewicht verlagerte.
„Du bist verletzt.“
„Ich komme zurecht.“
„Du bist unmöglich.“
Das bestritt er nicht.
Sie griff nach seinem Arm. Er wurde ganz still, als könnte eine plötzliche Bewegung den Augenblick verscheuchen. Ihre Finger streiften den Rand des zerrissenen Leinens. Er versuchte, sich nichts anmerken zu lassen.
„Du musst das nicht immer weiter tun“, sagte sie leise.
„Was tun?“
„Das hier.“ Sie deutete vage auf die Blutergüsse, die Erschöpfung, das unerbittliche Training.„Was auch immer das ist.“
Da sah er sie an.
Sah sie wirklich an.
Jahrelang war er vorsichtig gewesen. Beherrscht. Geduldig. Er hatte jedes Geständnis, jeden allzu ehrlichen Impuls hinuntergeschluckt. Er hatte sich eingeredet, Würde verlange Schweigen.
Doch sie stand viel zu nah, und er war sehr müde, und noch nie in seinem Leben war es ihm gelungen, sie bei Cyvasse zu besiegen.
Die Worte rutschten ihm heraus, bevor er sie abwägen konnte.
„Ich habe versucht, dich zu beeindrucken“, gestand er, mit der ganzen feierlichen Verzweiflung eines Mannes, der Hochverrat gesteht.„Seit wir Kinder waren.“
--------------------------------------------------------------------------------------------------
Anmerkung der Autorin:
Der Flausch hilft mir, damit klarzukommen (gerade so)
C.
Erstellt 18. Feb.
Aktualisiert 28. Juni
Veröffentlicht 18. Feb.