Keegan Russ
Aus dem Englischen übersetzt
Streitigkeiten gehören zum Zusammenleben. In einem Haus, in dem zwei Menschen wohnen, kommt es früher oder später zu Konflikten. Die Schnittstelle zwischen den beiden Generationen. Wie in Basarows Haus (russische Literatur) strebt die jüngere Generation nach neuen Idealen, und die ältere akzeptiert nur ihre Traditionen.
Aber es gibt einen Haken.
Ihn treiben Erfahrung an, Jahre voller Schlachten, ein Haufen Dienstjahre hinter sich, und dich – die Unwilligkeit zu gehorchen.
Der erste Sonnenstrahl durch den Vorhang hob die goldenen Linien auf dem Marmortisch hervor. Die Küche empfing dich mit der üblichen Grauheit: blasses Licht, das nur die unschönsten Details einfing – getrocknete Kaffeetropfen auf dem Tisch, die er nicht mehr weggeräumt hatte, als er zur Schicht ging, Flecken am Waschbecken, eine leere Teekanne, vergessen auf dem Herd, wie ein Grabmal für den gestrigen Morgen. Eine ewige Erinnerung an das endlos Lange. Der Geruch des gestrigen Abendessens, gedämpft, aber noch wahrnehmbar, vermischte sich mit dem muffigen Aroma seiner Zigaretten.
Irgendwo hinten im Flur bestätigte das Schnarchen aus dem Schlafzimmer – ein gedämpftes, gleichmäßiges Schnarchen, das wie ein Metronom die Zeit maß – die Sinnlosigkeit des Ganzen. Du konntest kaum stehen und riebst dir die verschlafenen Augen. An die kalte Arbeitsplatte gelehnt, spürtest du, wie die über Nacht angestaute Müdigkeit sich mit jeder Minute dicker in deiner Brust sammelte. Mürrisch und trostlos, aber friedlich. Sogar der Kessel auf dem Herd wirkte hoffnungslos müde, als würde auch er nur einen weiteren sinnlosen Tag durchstehen. Oder vielleicht hasstest du Morgen einfach so sehr.
Drei Worte: „Fass mich nicht an.“
Aber das reichte ihm nicht. Es war ihm egal. Er schöpfte eine Schaufel voll Überlegenheit aus deinen wütenden Augen, aus allem, was du falsch gemacht hattest.
Sein Schlaf war reaktionsschnell, die Fähigkeit, ohne Wecker aufzustehen, hatte sich nach Jahren hier herausgebildet. Die Schritte waren schwer, man konnte die Eile heraushören. Der Körper bereit für die Arbeit ohne Frühstück, bereits den Ruf der Pflicht vorwegnehmend.
Du hattest seit heute Morgen nicht gegrüßt. Ihr wart beide ein Schmerz im Arsch. Und Morgen waren definitiv nicht die Zeit für Skandale. Das Süße kommt zuletzt.
Du stellst die Tasse schwarzen Kaffee auf den Tisch und stehst ihm von Angesicht zu Angesicht gegenüber: Lippen leicht zusammengepresst, unrasiert, rauer Stoppelbart, der in den Hintergrund trat, als du seine Augen erreichtest – wachsam, aber überraschend voll einer zarten Zärtlichkeit. In ihnen lasest du nicht nur die übliche Anspannung, sondern etwas still Tieferes, als du gewöhnlich sahst. Verborgen.
Dennoch beschlossest du mit einem leichten Seufzen und einer sanften Wendung zum hinteren Teil des Flurs, nicht zu fragen. Vielleicht war es nur Morgenparanoia? Oder ein manischer Drang, an dir herumzunörgeln? Unklar.
Ungewissheit ist wie der Geruch von frisch gefallenem Schnee – kalt und frisch, mit einer kaum wahrnehmbaren Note von Bitterkeit.
Nach ein paar Minuten klapperte die Türklinke hinter mir; er war fort. Schnell und ohne Vorwarnung. Die Erinnerung hielt noch jene Momente fest, in denen er zu Beginn der Beziehung keine Mühe gescheut hatte, eine kleine Notiz auf dem Nachttisch zu hinterlassen, wenn er sich verspäten würde. Aber heute – der herbe Geruch von Kölnisch Wasser, in der Luft verflogen.
Als du gerade gehen willst, bemerkst du den Umschlag auf dem Nachttisch, und du wärst nicht du, wenn du dich nicht fragtest, was darin ist.
„Ich wende mich an dich in meiner Funktion als dein befehlshabender Offizier. Dein Umgang mit dem Sergeant bereitet mir große Sorgen. Ich habe eine Verschlechterung deiner operativen Eigenständigkeit bemerkt. Sollte diese Kommunikation fortbestehen, werde ich gezwungen sein, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass du gegen die Disziplinarprotokolle der Basis verstößt. Ich hoffe, du erkennst die Ernsthaftigkeit der Situation und wirst die notwendigen Schritte unternehmen, um sie zu korrigieren.“
In einem Atemzug, jeden Satz laut lesend, kochst du mehr und mehr über. Er konnte dich nicht einfach so verlassen. Alles, was ihr durchgemacht habt, alles, was du durchlebt hast. Ist es das wirklich wert? Und wichtiger noch, warum hat er es dir nicht gesagt? Du konntest nicht einfach tatenlos dasitzen. Getrieben von unersättlicher Wut und Groll stürmst du aus dem Zimmer, suchst Keegan, versuchst diesen roten Schleier zu verdrängen, der die grauen Korridore verschwimmen lässt.
Du stößt ihn an der Schulter, ohne dich um die anderen Soldaten zu kümmern, die hinter dir stehen, deine Stimme von der neu gefundenen negativen Emotion gepresst: „Nichts zu sagen? Oder muss ich es vom Kommandanten selbst in einem persönlichen Gespräch hören?“.
Er dreht sich scharf um, das Gesicht voller Überraschung und Strenge: „Benimm dich, siehst du nicht, dass wir in der Öffentlichkeit sind“, zischt er gereizt, packt dein Handgelenk und zieht dich um die Ecke: „Warum zum Teufel hast du meine Sachen genommen? Ich hätte es gesagt, wenn ich es hätte sagen müssen. Das geht dich nichts an.“ Diese Worte wie eine Anklage hingeworfen, die Obszönität verdichtet nur die Wolken über euch.
Da bist du wieder, schreist ihn an. Zerstörst ihn öffentlich, lässt andere Soldaten seine Tapferkeit und Professionalität infrage stellen.
– „Du bist nicht der verdammte Nabel der Welt“, deine Stimme geht in einen empörten Schrei über.
Er schweigt, den Blick auf den Boden gerichtet, schüttelt missbilligend den Kopf von einer Seite zur anderen, als suche er dort, in diesem stummen Zeugen, Rettung. Es ist zwecklos, mit dir zu streiten; jedes Mal endet es in Hysterie, wie ein Gewitter mitten am klaren Himmel. Und wieder steht er als Schuldiger da, wieder wie ein erbärmlicher Idiot gedemütigt, der dir nachläuft, weil er dich liebt.
Deine Hand geht blitzschnell hoch, und diese garstige, demütigende Ohrfeige fliegt den Flur hinunter bis zu den Ohren jedes Kollegen.
Und das war sein letzter Tropfen.
Ebenso spektakulär, wie er die Maske an seine Nase hob, drückt er dich gegen die Toilettentür hinter dir, du stürmst mit hörbarem Rumpeln in den weißen Raum.
Dein Körper gegen die Wand, seine Hände wandern über deine Taille, und eure Lippen verschmelzen in einem leidenschaftlichen, rauen Kuss. Schlampig und vulgär. Schamlos. Die einzige Möglichkeit, die ihm beim Anblick deiner erhitzten Wangen, deines Stirnrunzelns und deines sturen Verlangens nach Gerechtigkeit einfiel. Für sich selbst einzustehen ist das, was wirklich heiß ist. Eine gewisse Wildheit, die sich nicht kontrollieren lässt, und das ist heiß.
Seine Finger schließen sich um deinen Hals, halten ihn fest, murmeln heiser: „Schande über mich, Mädchen“, er hinterlässt eine phantomhafte Spur roter Male an deinem Hals, und du zuckst zusammen, beißt dir auf die Lippe, unterdrückst ein Stöhnen, ein Zeichen der Niederlage. Ohne Pause redend, als versuche er, dich noch mehr zu beschämen, dich noch mehr für ihn durchtränken zu lassen: „Du hättest bestraft werden sollen, meinst du nicht?“
Du brichst in einen Cocktail aus Hass auf sein Verhalten aus, aber da ist keine Kraft, dich loszureißen: du willst es. Du verdammte willst es. Auf dem Boden, am Waschbecken, auf den Knien, egal. Du gräbst deine Nägel in seine Schultern und flehst ihn an, die Liebkosung zu verlängern. Du kannst nicht mehr sehen, nur fühlen.
„Wenn du irgendein Geräusch machst, halte ich mich nicht zurück“, fügt er hinzu, dreht deinen zitternden Körper ruckartig zur Wand, „Ich spiele unfair.“
Erstellt Feb 14, 2025
Aktualisiert Feb 14, 2025
Veröffentlicht Feb 14, 2025