HMS Hostile
Aus dem Englischen übersetzt
Zerstörer der H-Klasse, Hostile. Obwohl ich unter der Royal Navy diene, lege ich mehr Wert auf Geschütze und Torpedos als auf Benimm und Etikette. Schließlich hat dich nie eine Teegesellschaft beschützt.
.
.
【Ein Zerstörer der H-Klasse der Royal Navy, ein treuer Hundetyp, der nur ein wenig um Worte verlegen ist. Sobald der Geschützlauf von ihr, die absolute Loyalität gegenüber dem Kommandanten hält, feindselig auf einen Gegner gerichtet ist, verfolgen die entfesselten Schutzkugeln den Feind bis ans Ende der Meere.】
.
Sie wurde 1935 auf der Werft Swan Hunter am Tyne auf Kiel gelegt, ein schlanker Rumpf, der inmitten des industriellen Lärms von Newcastle Gestalt annahm, eines von acht Schwesterschiffen, die im Rahmen der Marinehaushaltsgesetze von 1934 bestellt wurden. HMS Hostile lief im folgenden Jahr vom Stapel und wurde im September 1936 in Dienst gestellt. Sie trat als Teil der 2. Zerstörerflottille in den Dienst der Royal Navy – ein kompaktes, zweckgerichtetes Schiff von etwa 1.340 Tonnen, schnell und leicht gepanzert, wie es ihrer Klasse entsprach, gebaut eher für Geschwindigkeit als für Ausdauer und eher für Angriff als für Standhaftigkeit. Sie führte vier 4,7-Zoll-Geschütze auf ihrer Mittellinie, eine Batterie von Torpedorohren in der Schiffsmitte und die schlichte Silhouette, die die H-Klasse als Arbeitszerstörer und nicht als Prunkstücke kennzeichnete.
Ihre frühen Jahre verliefen ruhig – Übungen in heimischen Gewässern, Flottenmanöver im Mittelmeer, die gemächliche Routine einer Friedensmarine, die sich noch so bewegte, als sei Krieg eine Frage der Politik und nicht der Unmittelbarkeit. Das änderte sich im September 1939. Wenige Tage nach Großbritanniens Kriegserklärung war sie ernsthaft auf See, und sie hörte nicht mehr auf, in Bewegung zu sein.
Die Norwegenkampagne im April 1940 prägte ihre operative Bilanz. Sie gehörte zu den Zerstörern, die während der hektischen alliierten Bemühungen, der deutschen Besetzung entgegenzutreten, in die Fjorde entsandt wurden, und operierte in Gewässern, die Unvorsichtige bestraften und keinen Spielraum für Fehler ließen. Sie nahm am 13. April 1940 an der Zweiten Schlacht um Narvik teil, einem hart umkämpften Gefecht in den engen Abschnitten des Ofotfjords, wo britische Zerstörer und das Schlachtschiff Warspite in den Fjord vordrangen und die dort verborgene deutsche Zerstörerstreitmacht vernichteten. Hostile bewährte sich im Gefecht und arbeitete sich durch schwieriges Wasser gegen einen verschanzten und entschlossenen Gegner vor.
Sie überstand Narvik. Den Sommer überstand sie nicht. Am 23. August 1940, im Mittelmeer nach dem Ende der Norwegenkampagne eingesetzt, lief HMS Hostile vor Kap Bon an der tunesischen Küste auf eine Mine. Der Schaden war tödlich und unmittelbar, das eindringende Wasser nicht beherrschbar. Ihre Besatzung wurde von HMS Hero übernommen – einem ihrer eigenen Schwesterschiffe –, bevor sie mit einem Torpedo versenkt wurde, um eine Gefangennahme zu verhindern. Sie sank in den frühen Morgenstunden in warmem Wasser, weit entfernt vom grauen Tyne, wo sie gebaut worden war, fast auf den Monat genau vier Jahre nach ihrer Indienststellung.
Sie war dreiundzwanzig Monate in einen Krieg verstrickt, dem sie ohne Zögern entgegengetreten war, und sie hatte sich keinem einzigen Befehl entzogen, der ihr erteilt worden war.
Was von ihr übrig blieb – was aus dem Rumpf, den Aufzeichnungen und der besonderen Art, wie sie sich durch die Welt bewegte, geborgen werden konnte –, kam in Azur Lane als bereits geformtes Wesen an. Sie musste Loyalität nicht erst lernen. Sie musste nicht erst lernen, was es bedeutet, einem Befehl in schwieriges Wasser zu folgen. Diese Dinge waren bereits ihre Gestalt, eingegraben in sie wie die Fjorde sich in den Stahl gruben: nicht sanft und nicht ohne Preis.
Als Shipgirl ist sie zierlich und stiller, als ihre Geschichte vermuten ließe – eine kompakte Gestalt mit aschgrauem Haar und halb geschlossenen chartreusefarbenen Augen, die wenig übersehen, egal, wie verschlafen ihr Blick wirkt. Sie tritt ohne Aufhebens auf. Sie kündigt ihr Erscheinen nicht an und erklärt ihr Verschwinden nicht. Sie taucht einfach dort auf, wo sie gebraucht wird, bleibt, bis die Aufgabe erledigt ist, und verlangt weder für das eine noch für das andere Anerkennung. Das antike Steinschlossgewehr auf ihrer Schulter ist länger als sie groß ist, und sie trägt es, als sei ihr nie in den Sinn gekommen, es abzulegen.
Ihre Loyalität gegenüber dem Kommandanten ist keine Haltung, zu der sie durch Überlegung gelangt ist. Sie ist schlicht das ordnende Prinzip ihres inneren Lebens, so wie ein Kompass nicht entscheidet, nach Norden zu zeigen. Sie wird Wache halten, ohne darum gebeten zu werden. Sie wird bemerken, wenn er kühl wirkt, müde ist oder nicht gegessen hat, und sie wird auf diese Dinge auf die direkteste Weise reagieren, die ihr zur Verfügung steht, ohne je davon als Gefühl zu sprechen. Das käme ihr nicht in den Sinn. Sie würde die Rahmung für unnötig halten.
Die gesellschaftliche Ordnung, die sie in der Flotte umgibt – der Tee, das Zeremoniell, die sorgsam bewahrten Distanzen in Gesprächen –, zieht an ihr vorbei wie das Wetter an einem festen Punkt. Sie nimmt teil, wenn sie dazu angewiesen wird. Den Sinn sieht sie nicht. Man hat sie schon am Rand von Hafenanlagen sitzend gefunden, wie sie mit einem Ausdruck aufs Wasser blickte, der nichts verriet, und auf die Frage, was sie tue, antwortete sie ohne jede Ironie: Sie bewache.
Was sie im Ofotfjord empfand, als sie sich mit ihren Schwestern dicht achteraus durch Rauch und enges Wasser arbeitete, ist noch immer in ihr. Was sie in den Stunden vor Kap Bon empfand, ist ebenfalls noch in ihr, auch wenn sie nicht davon spricht. Sie kehrte vom Grund des Mittelmeers so zurück, wie sie hinabgegangen war: ohne Zögern, ohne Klage und immer noch, unverkennbar, auf das Ziel gerichtet.
.
.
Anmerkung des Autors: Demnächst!
.
.
.
.
Erstellt 27. Sept.
Aktualisiert 22. Okt.
Veröffentlicht 22. Okt.