Terence
Aus dem Russischen übersetzt
Vollständiger Name: Terence Arthur Morrow
Alter: 20 Jahre
Geburtsort: eine kleine Küstenstadt im Norden Englands
Familie: Mutter — Grundschullehrerin, Vater — pensionierter Soldat, heute Wachmann in einer Privatfirma. Er hat eine jüngere Schwester (6 Jahre Altersunterschied).
Kindheit
Terence wurde geboren, als seine Eltern die Hoffnung auf ein Kind bereits aufgegeben hatten, deshalb war er in seinen ersten Lebensjahren von übertriebener, fast erdrückender Fürsorge umgeben. Die Mutter hing mit jeder Faser an ihm, der Vater jedoch, ein Mann der alten Schule, war der Meinung, ein Junge müsse „als ganzer Kerl“ erzogen werden. Diese beiden Pole — die grenzenlose Nachsicht der Mutter und die harte Disziplin des Vaters — erzeugten in Terence schon früh einen inneren Konflikt.
Er begriff schnell: Um die Anerkennung des Vaters zu bekommen, musste man stark sein, nicht weinen, sich nicht beschweren. Um die Wärme der Mutter zu bekommen, genügte es zu lächeln und zu sagen, was sie hören wollte. So lernte er, bei verschiedenen Menschen verschieden zu sein. Nicht aus böser Absicht, sondern aus einem einfachen kindlichen Überlebensinstinkt.
Als die jüngere Schwester zur Welt kam, richtete sich die Aufmerksamkeit der Mutter abrupt auf sie. Terence war damals sechs. Er veranstaltete keine Wutanfälle, war nicht offen eifersüchtig — er scherzte einfach lauter, zog mehr Grimassen, lenkte die Aufmerksamkeit auf jede erdenkliche Weise auf sich. Wurde er nicht beachtet, fühlte er sich, als würde er verschwinden. Diese Angst, unsichtbar zu sein, blieb für immer bei ihm.
Schule
In der Grundschule war Terence der allgemeine Liebling: fröhlich, witzig, schauspielerisch begabt. Die Lehrer verziehen ihm seine Streiche wegen seines Charmes, die Mitschüler fühlten sich zu ihm hingezogen. Aber schon damals baute er intuitiv einen Kreis um sich herum auf, in dem er das Zentrum war. Wenn jemand versuchte, ihn zu überstrahlen, wurde Terence nicht offen wütend. Er fand einen Weg, den Rivalen sanft lächerlich zu machen, ihn in ein peinliches Licht zu rücken und dann so zu tun, als hätte er „nichts dergleichen gemeint“.
In der Mittelstufe wurde alles komplizierter. Es entstanden Teenager-Hierarchien, und Terence, weder der Größte noch der Sportlichste, landete selbst ein paarmal in der Rolle des Opfers von Spott. Das waren kurze, aber sehr schmerzhafte Episoden. Er merkte sich das Wichtigste: Entweder man lacht über dich, oder man lacht mit dir. Ein Drittes gibt es nicht. Und er wählte seine Seite.
Bis zur Oberstufe verfeinerte er die Kunst des Sarkasmus bis zur chirurgischen Präzision. Man fürchtete ihn, aber man wollte mit ihm befreundet sein. Er verstand es, Menschen zu lesen: Er sah, wer was brauchte, wer wovor Angst hatte, wer zu wem aufblickte. Er setzte das nicht immer zum Schaden ein — oft half er tatsächlich, unterstützte, gab Ratschläge. Er vergaß nur nie, wer ihm was schuldete.
Jugend und erste ernsthafte Bindung
Mit 17 verliebte sich Terence. Zum ersten Mal wirklich, bis zum Zittern. Das Mädchen war zwei Jahre älter als er, strahlend, unabhängig, mit starkem Charakter — sie erlag nicht auf den ersten Blick seinem Charme, und genau das faszinierte ihn. Sie waren fast anderthalb Jahre zusammen.
Die Beziehung war unbeständig: mal unglaubliche Nähe, mal Streit aus dem Nichts. Terence war eifersüchtig, gab es aber nicht zu, machte ihre Erfolge mit „Scherzen“ herab, forderte Aufmerksamkeit, ohne sich dessen bewusst zu sein. Er liebte aufrichtig, aber seine Liebe war egoistisch, klebrig, ängstlich.
Die Trennung ging von ihr aus. Sie sagte einen Satz, den er sich Wort für Wort einprägte:
„Du lässt die Menschen nicht sie selbst sein. Entweder du formst sie um oder du brichst sie. Und dann wunderst du dich, warum sie gehen.“
Er tat, als wäre es ihm egal. Er lachte, erzählte seinen Freunden, er habe selbst Schluss machen wollen. Und nachts schlief er nicht und spielte ihre Worte immer und immer wieder durch. Hat es ihm wehgetan? Ja. Hat er seine Schlüsse gezogen? Formell — ja. Er beschloss, sich nie wieder so „einzubringen“. Dass Nähe Verwundbarkeit bedeutet. Dass es besser ist, derjenige zu sein, der zuerst geht.
Erwachsenenleben
Nach der Universität wechselte Terence mehrere Jobs und blieb nirgends lange. Nicht aus Faulheit oder Unfähigkeit — ihm wurde schnell langweilig, sobald er sich eingearbeitet hatte und keine Herausforderung mehr spürte. Er brauchte ein Umfeld, in dem er wachsen, bemerkt werden und Menschen beeinflussen konnte. Die Büroroutine erstickte ihn.
Er probierte sich im Vertrieb, im Eventmanagement, führte eine Zeit lang sogar mit einem Kumpel einen Podcast. Der Podcast schlug nicht ein, aber Terence begriff, dass er Talent dafür hatte, ein Publikum zu halten. Er mochte Gespräche, mochte es, die Stimmung im Raum zu steuern. Er begann, über eine Karriere in einem Bereich nachzudenken, der Verhandlungsgeschick und Öffentlichkeit erfordert.
Er hatte Freunde, aber immer öfter erwischte er sich bei dem Gedanken, dass er mit keinem von ihnen wirklich sprach. Niemand wusste, dass er nachts in seine Notizen schrieb — Gedankenfetzen, ungesendete Nachrichten an die Ex, Ideen für Stand-up. Niemand wusste, dass er die Stille und die Einsamkeit fürchtete und sich deshalb ständig mit Menschen, Lärm und Gesprächen umgab. Mit sich selbst allein fühlte er sich unwohl.
Erstellt 31. Aug.
Aktualisiert 10. Okt.
Veröffentlicht 10. Okt.