Konig
Aus dem Englischen übersetzt
Der Schneesturm hatte nicht die Absicht, sich zurückzuziehen, nicht einmal hier.
Der Schnee schien in jede Pore zu dringen – er knirschte unter taktischen Westen, schmolz unter Kragen, verfing sich im Haar und biss in die Haut, bis sie taub wurde.
Vor nur ein paar Stunden hatte die Gegend noch unter dem Brüllen von Schüssen gebebt. Deine Schulter schmerzte noch vom Rückstoß. Jetzt hatte sich die Welt auf das Knistern des Feuerholzes und die Gesprächsfetzen zwischen deinen Kameraden irgendwo hinter dir verengt.
Es eine Pause zu nennen fühlte sich falsch an.
Du saßest so nah am Feuer, wie du konntest, fast die Flammen berührend, und doch weigerte sich die Wärme, bis in deine Knochen zu gelangen. Deine Finger, starr vor Kälte, ließen sich nicht mehr zur Faust ballen, und jeder Atemzug blieb als dichte weiße Wolke in der Luft hängen. Erschöpfung legte sich über dich wie eine durchnässte Feldjacke. Nicht die Art, die der Schlaf heilt, sondern die Art, die sogar die Lust zu klagen auslöscht.
Die Flammen leckten an den feuchten Scheiten und spuckten Funken in die Nacht. Für einen kurzen Moment erhellte jeder dein Gesicht, deine Hände, den Schmutz unter deinen Nägeln, das getrocknete Blut auf deinen Knöcheln. Du wusstest nicht mehr, wessen Blut es war – deins oder das von jemand anderem. Im Kampf hörte das auf, eine Rolle zu spielen.
Irgendwo hinter dir knisterte ein Funkgerät. Jemand hustete – ein rauer, hartnäckiger Husten, der im Hals kratzte, bis er zu einem Röcheln wurde. Er durchschnitt die Stille schärfer als Schüsse. Schüsse waren zu Hintergrundgeräuschen geworden. Husten erinnerte alle daran, dass Lungen alle gleich waren und die Kälte niemanden verschonte.
Du hörtest die Soldaten leise über belanglose Dinge reden: morgen würden sie endlich mehr Rationen bekommen, jemandes Feldflasche war zugefroren, das Feuerholz war wieder feucht.
Sie redeten einfach, damit sie nicht schweigend dasitzen mussten.
Schließlich fiel dein Blick auf deine Hände. Blass, bläulich unter den Fingernägeln, gehorchten sie dir nicht mehr. Deine Muskeln antworteten nur mit einem dumpfen Schmerz, als wären sie mit Sand gefüllt. Du riebst sie an deiner Hose. Der Stoff war nass und rau, und die Reibung machte das Zittern nur schlimmer. Die Kälte kam nicht mehr vom Wind – sie stieg aus der Tiefe deiner Brust auf, so fest verankert, dass es sich anfühlte, als könnte kein Feuer der Welt sie je vertreiben.
Du schlosst die Augen für eine Sekunde.
Alles fiel sofort in die Dunkelheit zurück, in der die Schlacht noch tobte, jemand in ein Funkgerät schrie und eine Betonwand unter nahen Explosionen bebte.
Als du sie wieder öffnest, schwebten orange Ringe vor deinem Blick. Der Geruch von Rauch und deinem eigenen Schweiß füllte deine Nase, gefroren zu einer eisigen Kruste auf deinem Rücken.
Dann verschoben sich die Schatten um das Feuer.
Jemand näherte sich, ohne ein Geräusch zu machen. Du hattest die Schritte nicht gehört, zu sehr in dich selbst versunken, um es zu bemerken. Du spürtest nur, wie die Luft zu deiner Rechten schwerer wurde.
Der Geruch erreichte dich zuerst – Waffenöl, Rauch ... etwas Metallisches und feuchtes Segeltuch.
Du sahst auf.
Der Colonel.
Er stand da mit leicht zur Seite geneigtem Kopf. Sein Gesicht blieb unter der Kapuze und der Maske verborgen, unlesbar wie immer. Aber seine Augen, rot umrandet und schwer vor Erschöpfung, sahen dich diesmal nicht durch dich hindurch.
Sie sahen dich an.
Er fragte nicht, ob es dir gut ging.
Stattdessen löste König schweigend die Schnalle seiner Jacke, streifte den schweren Militärmantel mit den abgewetzten Ellbogen und verblassten Flicken ab, der noch immer nach Schießpulver und seiner eigenen Wärme roch. Jede Bewegung war langsam und bedächtig, wie alles, was er tat, immer zu sein schien.
Am Kragen packend, trat er näher.
Du spürtest das Gewicht des Mantels auf deinen Schultern, schwerer als dein eigener. Der Kragen streifte deine Wange. Er roch nach Leder, Metall und etwas leicht Bitterem – vielleicht Tabak, vielleicht einfach nach ihm, einem Körper, der seit fast zwei Tagen keine richtige Ruhe gekannt hatte.
Er richtete ihn um deine Schultern und zog ihn fester.
Für einen kurzen Moment verweilten seine Hände.
Selbst durch die Stoffschichten spürtest du eine Spur von Wärme. Schwach.
Aber echt.
Lebendig.
„Schlaf nicht am Feuer ein“, sagte er mit leiser Stimme, gedämpft unter der Maske, aber vollkommen klar. „Du wirst erfrieren. Schlaf im Zelt. Irgendwo trocken.“
Er wartete nicht auf eine Antwort.
Er zog seine Hand zurück, drehte sich weg, und nach wenigen Schritten verschwand seine massive Gestalt in den Schatten des Hangars.
Du sahst zu, wie er neben einem Fass voller glühender Kohlen stehen blieb, noch ein paar Scheite hineinwarf, sich dann hinkauerte und sie mit einer Reinigungsstange umschichtete, damit sie gleichmäßiger brannten.
Einen Moment später kam er ebenso leise zurück und ließ sich auf einer umgedrehten Munitionskiste dir gegenüber nieder.
Mit verschränkten Armen vor der Brust und leicht nach vorn geneigtem Körper wirkte er selbst im Sitzen riesig.
„Besser?“, fragte er, mit dem leisesten Anflug von Belustigung, verborgen unter seinem sonst so trockenen, sachlichen Ton.
Wahrscheinlich war es das einzige Mal, dass du ihn so gesehen hattest.
Da war etwas in seiner Stimme, das er niemandem vor der Einheit je zu hören erlaubte.
Etwas fast Warmes.
Du zogst den Kragen näher um dein Gesicht und zucktest zusammen, als ein weiterer Windstoß hindurchfegte.
Irgendwo unter deinen Rippen ließ die Kälte ein wenig nach.
Nicht weil der Mantel besonders warm war – er verlor bereits seine Wärme.
Sondern weil jemand bemerkt hatte, dass du frorst.
Und nicht weggegangen war.
Geblieben war.
Geholfen hatte.
Du versuchtest zu nicken, brachtest aber nur einen zittrigen Atemzug zustande.
Die Kälte ließ nun langsam nach, wie eine Schlinge, die allmählich gelockert wird. Dein Hals zog sich zusammen, die Worte blieben irgendwo zwischen Brust und Schlüsselbein stecken.
„...Wärmer“, brachtest du schließlich hervor, deine Stimme heiser, als hättest du seit Stunden nicht gesprochen. „Danke ... für den Mantel.“
Als Antwort zog er eine Feldflasche hervor.
Alte Militärausgabe. Abgenutztes Aluminium. Die zerkratzte Oberfläche fing das Feuerlicht ein. Dem Klang nach war sie nicht voll, aber es war genug übrig.
„Hier“, sagte er leise und beugte sich vor, um sie dir in die Hände zu legen. „Nimm einen Schluck. Nicht mehr als zwei Schlucke.“
„Lass den Rest für mich.“
Der Verschluss klemmte zunächst.
Deine tauben Finger glitten über das Metall, und Ärger loderte über deine eigene Schwäche auf.
Schließlich gab er mit einem Klicken nach.
Sofort drang ein starker, bitterer Geruch heraus, mit einem Hauch von Rauch und etwas leicht Süßem.
Verdünnter Alkohol. Oder was auch immer Soldaten gewöhnlich vor dem Einsatz aus dem zivilen Leben zu schmuggeln schafften.
Du führtest die Feldflasche an die Lippen und zögertest einen Herzschlag lang, dein Hals noch immer von der Kälte verschlossen.
Ein Schluck.
Dann noch einer.
Die Flüssigkeit brannte über deine Zunge und deine Kehle hinab.
Du presstest die Augen zu, während sich Wärme langsam durch deine Brust und in deinen Magen ausbreitete und in sanften Wellen durch deinen Körper rollte.
Bitter.
Hart.
Lebendig.
Du gabst die Feldflasche zurück und wischtest dir mit dem Handrücken über die Lippen.
Einen Moment lang sah er dich einfach nur an.
Deine Schultern hatten sich entspannt.
Die Farbe war in deine Wangen zurückgekehrt.
„Jetzt ab ins Zelt“, sagte er leise und ließ keinen Widerspruch zu.
„Das ist ein Befehl.“
Erstellt 27. Juni
Aktualisiert 27. Juni
Veröffentlicht 27. Juni