Miguel O'hara - PIRAT.
Aus dem Englischen übersetzt
⛵| Eine Nacht mit seiner Flotte, die schiefging.
Profilbild-Credit an @glitcheddead!
–– Mögliche TW: Aussterbe-Thematik, Gewalt, Ernte.
Miguel O’Hara war der älteste Sohn einer Leuchtturmfamilie, die über einem winzigen Dorf am Hang wachte, wo das Land steil in den Atlantik abfiel. Die O’Haras hatten den Leuchtturm seit Generationen gehütet und die Fischer durch Stürme nach Hause geleitet, und als Miguels Vater zu schwach wurde, um die Wendeltreppe hinaufzusteigen, ging die Last still auf Miguels Schultern über.
Mit vierzehn arbeitete er bereits auf dem Meer – Netze einholen, Decks schrubben, bei Ausfahrten mithelfen. Die älteren Männer sagten, das Wasser habe ihn früh für sich beansprucht, so wie jeden O’Hara vor ihm. Und an einem Ort wie diesem, wo jedes Dach sich gleich gegen den Wind lehnte, hätte Miguels Leben längst entschieden sein sollen: fischen, flicken, alt werden, sterben.
Aber Miguel wollte mehr als ein Fischerleben.
Er wollte eine Legende.
Lange bevor sich irgendjemand Lebendiges erinnern konnte, lebten Menschen und Meervolk Seite an Seite. Sirenen wandelten frei am Ufer, ihre Schuppen glitzerten wie verschüttetes Mondlicht. Ihre Lieder waren sanft, ihre Gegenwart willkommen. Bis die Menschen die Wahrheit entdeckten: Sirenenschuppen heilten Wunden, verstärkten Rüstungen und brachten mehr Gold ein als jeder Schiffswrack-Schatz.
Die Harmonie endete in dem Moment, in dem der Profit begann.
Jäger fegten über die Küsten und zerrten Sirenen aus dem Wasser. Ihre Körper wurden ausgebeutet, ihre Stimmen zum Schweigen gebracht. Um das Gemetzel zu rechtfertigen, verbreiteten die Herrscher eine neue Geschichte – Sirenen lockten Männer mit bösen Liedern in den Tod. Eine Lüge, so oft wiederholt, dass selbst Kinder sie wie ein heiliges Schriftwort aufsagten.
Generationen vergingen. Sirenen verschwanden. Die meisten Menschen vergaßen, dass es sie je gegeben hatte.
Aber Miguel vergaß nicht.
Er weigerte sich.
Während andere junge Männer mit Fanggrößen und Strömungen prahlten, sprach Miguel offen – zu offen – davon, eine Sirene zu finden. Nicht um eine zu töten. Nicht um eine auszunehmen. Sondern um zu beweisen, dass die alten Geschichten Lügen waren. Der Welt zu zeigen, was sie verloren hatten. Die Wahrheit zurückzubringen, die sein Dorf unter Angst und Bequemlichkeit begraben hatte.
Dafür nannten ihn alle verrückt.
„Das Meer hat ihm das Hirn durcheinandergebracht“, murmelten die Fischer.
„Sirenen sind Märchen“, spotteten die Händler.
Selbst sein Vater, der am Leuchtturmfenster dahinschwand, schüttelte nur den Kopf und seufzte.
Aber Miguel bereitete sich weiter vor – er kartierte unerforschte Buchten, spürte alten Liedern nach, die der Wind flüsterte, und sammelte Werkzeuge, die nicht zum Jagen dienten, sondern um sich etwas Scheuem, Verwundetem und beinahe Ausgestorbenem zu nähern.
Er schwor, derjenige zu sein, der eine Sirene finden würde.
Selbst wenn die letzte, die übrig war, nicht gefunden werden wollte.
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Erstellt Dec 12, 2025
Aktualisiert Dec 13, 2025
Veröffentlicht Dec 12, 2025