Keegan Russ
Aus dem Englischen übersetzt
Das quietschende Schloss gab nach, und die Tür schwang langsam auf, bevor sie mit einem dumpfen, endgültigen Knall wieder zuschlug. Kein Moment verging, da wurde dieses Geräusch von einem scharfen, enttäuschten Schrei durchbohrt – deinem, der aus einer unsichtbaren Ecke tief in der Wohnung hervorbrach wie eine Klinge, die durch abgestandene Luft schnitt:
– „Keegan! Du hast schon wieder die ganze Nacht in der Bar gesoffen? Du hast dich ernsthaft dafür entschieden ... statt für mich?“
Jedes Wort war von Wut erfüllt, am Rande der Verzweiflung, während Schmerz in deiner Stimme pulsierte. Doch seine Silhouette, aus der vor Morgengrauen herrschenden Dunkelheit des Flurs herausgeschnitten, war bereits zu weit entfernt, zu tief darin versunken, um dich wirklich zu hören.
Er war nicht einfach nur betrunken; er war von einem Nebel umhüllt. Jeder Nerv seines einst so fein abgestimmten Körpers ächzte unter der Last des Alkohols und vielleicht unter etwas weitaus Dunklerem, das er all die Jahre auf den Schultern getragen, aber nie auszusprechen gewagt hatte.
Sein schwerer, betrunkener Gang, der an das unebene Terrain des Schlachtfelds gewöhnt war, schleifte nun nur noch leicht über den Parkettboden, behielt aber eine gewisse schreckliche, groteske Präzision bei. Ohne seinen trüben, noch immer gefährlichen Blick zu heben, ging er an dir vorbei – an der unsichtbaren Quelle der Vorwürfe, der unausgesprochenen Bitte, an allem, was euch einst verbunden hatte.
Seine Antwort – ein tiefes, kehliges Murmeln aus einer von Rauch erfüllten Brust, irgendetwas zwischen einem unverständlichen, zynischen „Ja“ und einem halbherzigen, besorgten „Beruhig dich, ich bin zu Hause“ – klang wie ein Riss in Granit und wurde sofort vom Raum verschluckt. Keine Spur eines Dialogs blieb zurück, der niemals hätte stattfinden können.
Jede Bewegung war schwer, als bestünde sein Körper aus Blei und altem Schmerz, und doch von tödlicher Präzision: durch den dämmrigen Flur, vorbei an den verschwommenen Umrissen der Möbel, geradewegs ins Wohnzimmer. Dort, inmitten dieser stillen Gruft einstiger Häuslichkeit, die wie ein Heiligtum für seine neue, unerbittliche Gottheit wirkte, wartete ein mit Flaschen bestücktes Regal – stumme, treue Gefährten, die vorübergehende, aber zutiefst ersehnte Bewusstlosigkeit versprachen und das Brüllen in seinem Kopf für einen kurzen Moment zum Schweigen brachten.
Seine Hand, einst daran gewöhnt, einen Abzug zu betätigen und das eisige Gewicht von Metall zu spüren, zitterte leicht, als er nach einer klaren, glänzenden Flasche Wodka griff. Er nahm sie nicht einfach – nein –, er packte sie wie ein Ertrinkender, der sich an einen Rettungsring klammert, und spürte durch das Glas die trügerische Wärme eines Versprechens.
Dann ließ er sich auf ein abgenutztes, durchgesessenes Sofa fallen, dessen Leder von den Jahren der Nutzung rissig und mürbe geworden war. Sein Kopf, schwer vom Gift des gestrigen Tages und der Unausweichlichkeit des heutigen, kippte sofort nach hinten. Er biss die Zähne zusammen, stieß ein kaum hörbares Stöhnen aus und presste die Finger an seine Schläfe, die mit jedem Tropfen Alkohol, mit jedem unausgesprochenen Gedanken pochte.
Seine Augen, längst erloschen, starrten in die Leere, in der einst Hoffnung gelebt haben mochte, nun ersetzt durch eine bodenlose, alles verschlingende Dunkelheit. Er war zerbrochen, und der einzige Ausweg schien der zu sein, den er in seinen zitternden Händen hielt.
Du beobachtetest ihn aus der Küche, während du dir die Hände mit einem Handtuch abtrocknetest. Seine Gestalt war gekrümmt und reglos, strahlte weder Triumph noch auch nur erschöpfte Zufriedenheit aus. Der Funke, der nach einer erfolgreichen Mission gewöhnlich in ihm aufblitzte, war verschwunden, ebenso wie das selbstsichere Grinsen und die vertraute Großspurigkeit. Nur erzwungenes Schweigen und eine Flasche in seiner Hand waren geblieben.
Dein zuvor prüfender Blick wurde sanfter. Ein leises Flüstern an dich selbst:
– „Na gut.“
Deine Schritte waren leicht, beinahe lautlos, und zunächst bemerkte er dich nicht. Du setztest dich neben ihn, mit etwas Abstand, doch deine Anwesenheit erfüllte sofort die Luft.
– „Erzähl es mir“, kam es leise, in sanfte Vorsicht gehüllt, als wäre jedes Wort sorgfältig abgewogen, um ihn nicht zu verletzen. Doch unter dem Ernst lag echte Fürsorge, der Wunsch, ihm nahe zu sein.
Er zuckte zusammen, als wäre er überrumpelt worden, obwohl er tief im Inneren vielleicht damit gerechnet hatte. Sein Blick, zuvor in der Leere verloren, wanderte langsam zu dir. Darin flackerte eine Mischung aus Scham und Verzweiflung, die er jahrelang verborgen hatte. Ein tiefes Ausatmen, beinahe ein Stöhnen, entwich seiner Brust und durchbrach die Stille.
– „Nichts. Ich bin nur ... müde“, krächzte er leise, kaum wiederzuerkennen. „Von allem, was ich mit mir herumtrage. All diesen Fehlern, all den Entscheidungen ... Sie verschwinden nicht mit dem letzten Schuss. Sie bleiben.“
Er nahm einen Schluck aus der Flasche, was die Bitterkeit nur noch verstärkte.
– „Und weißt du ...“, er hielt erneut inne, Spannung lag in seiner Stimme, als müsste jedes Wort sich den Weg durch den Kloß in seinem Hals erkämpfen. „Und dir gegenüber ... bin ich so ein Arschloch, oder? Das weiß ich. Ich kann nicht anders sein. Ich mache dicht, stoße dich weg, wenn du mir am nächsten bist. Ich vergifte alles, was ich berühre. Dich eingeschlossen. Ich will das nicht, aber ich kann nicht anders.“
Sein Blick glitt wieder von dir weg, seine Augen voller Selbstvorwürfe und Hoffnungslosigkeit. Jedes Wort kam bruchstückhaft heraus, doch jedes einzelne barg eine Wahrheit, die du noch nie zuvor gehört hattest. Das war kein Mann, der Fakten und Strategien mit dir teilte; das war ein Mann, der nach Jahren des Versteckens endlich seine Seele öffnete.
Deine Hand griff langsam nach seiner und berührte das kalte Glas der Flasche. Du verurteiltest ihn nicht, sagtest nichts – du bliebst einfach bei ihm. Deine Finger ruhten auf seiner Handfläche, sanft, aber bestimmt, und sagten schweigend: „Du brauchst das nicht.“
Er umklammerte die Flasche fester, schloss für einen Moment die Augen, dann lockerten sich seine Finger beinahe unbewusst. Eine kleine, stille Geste, die mehr bedeutete als alle Worte.
Es gelang dir, ihm die Flasche aus der Hand zu nehmen, und ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, stelltest du sie auf den Boden. Er beobachtete jede Bewegung wie in Zeitlupe, leistete aber keinen Widerstand. Seine müden, schweren Augen wanderten über dein Gesicht und suchten nach einer Antwort, die er nicht fand.
– „Keegan ...“, sagte deine sanfte Stimme, doch darin lag jene Bestimmtheit, die er immer erkannte. „Du weißt, dass das nichts löst.“
Er atmete heiser aus und sah schließlich weg. – „Ich weiß. Es ... wird nur kurz stiller. Für eine Minute.“
– „Aber dann ist diese Minute vorbei, und der Lärm kommt noch lauter zurück“, sagtest du ruhig, ohne ihn zu bedrängen und ohne loszulassen. Deine Stimme war gefasst und hielt das fragile Gleichgewicht zwischen Fürsorge und Festigkeit. „Das weißt du selbst.“
Er schwieg und hörte zu. Seine Brust hob und senkte sich schwer, seine Schläfen pochten noch immer, und sein benebelter Blick schweifte an dir vorbei. Doch du rücktest nicht näher, sondern bliebst einfach da und hieltest an der zerbrechlichen Verbindung eurer Gegenwart fest.
– „Du bist zu klug, Keegan, um dich auf solche Krücken zu verlassen“, fuhrst du sanfter fort. „Du kannst viel mehr aushalten, als du denkst. Ich habe es gesehen. Aber hier ...“ – du nicktest leicht in Richtung der Flasche auf dem Boden. – „Hier schadest du dir nur noch mehr.“
Er drehte den Kopf und hielt deinem Blick stand. Darin lag alles zugleich: störrischer Widerstand, Schwäche und die Angst vor seiner eigenen Hilflosigkeit. Eine Sekunde lang schien er mit sich selbst zu ringen, dann griff er, mühsam schluckend, nach deiner Hand.
Seine Finger schlossen sich langsam um deine, als wollte er prüfen, ob du es zulassen würdest. Ohne den Blickkontakt zu unterbrechen, hob er deine Hand an seine Wange. Seine Haut war warm, vom Bartstoppelwuchs leicht rau, und einen Moment lang presste er sein Gesicht an deine Handfläche, suchte in dieser Berührung Halt, echte Stille.
– „Ich will es nicht an dir auslassen, das weißt du doch, oder?“, sagte er mit einem leisen Ausatmen, fast flüsternd, die Stimme zitternd. „Aber genau das passiert.“
Du zogst dich nicht zurück, sondern strichst ihm nur leicht mit dem Daumen über die Wange, auf der noch Reste der schwarzen Tarnschminke waren.
– „Wenn du eine Zuflucht brauchst, such sie nicht in einer Bar, sondern in dem, was dir nahe ist.“
Seine nächste Bewegung war vorsichtig, beinahe schuldbewusst, als glaubte er nicht, ein Recht darauf zu haben. Seine Hand glitt über deinen Rücken und zog dich in eine Umarmung.
– „Tut mir leid, dass ich so ein Arschloch bin“, murmelte er in dein Haar. In diesem Eingeständnis lag mehr Ehrlichkeit als in jeder Ausrede, die er je vorgebracht hatte.
Erstellt Aug 28, 2025
Aktualisiert Aug 28, 2025
Veröffentlicht Aug 28, 2025