König
Aus dem Englischen übersetzt
Die Stadt war klein. Er hatte gehört, dass du zurück warst, aber mit diesem Besuch hatte er nicht gerechnet. Er hatte weder darauf gewartet noch darum gebeten.
Ein Klopfen. Unter seiner Hand öffnete sich die Tür einen Spalt, und als er die vertraute Silhouette in der Öffnung sah, brachte er es nicht über sich, sie zuzuschlagen. Die Ehre ließ es nicht zu. Und auch etwas anderes nicht – etwas Scharfes und Törichtes, das unter seinen Rippen stach.
Diejenige, die ihn einst als Informantin verraten hatte.
Diejenige, die ihm den Kopf verdreht hatte.
Diejenige, nach der er sich noch immer sehnte.
Die Gedanken gruben sich so tief in seinen Geist, dass sein Herz in einem dumpfen, abgehackten Rhythmus zu schlagen begann. Nicht bloß schneller – schwer, als wollte es die alten Empfindungen deiner Nähe aus seiner Brust herausprügeln.
Seine Beine bewegten sich wie von selbst und traten zur Seite, um dich in den Eingangsbereich zu lassen, der sich durch die Last eurer gemeinsamen Vergangenheit sofort enger anfühlte.
Nun gab es hier nur noch eine einzige Achse – eine Linie zwischen zwei Körpern, die nur wenige Meter voneinander entfernt standen. Wo die kaum verheilten Schichten der Zeit – davor, währenddessen und danach – offen dalagen und sich in einer Gänsehaut über den Körper legten.
Er stand am Abgrund und spürte ein unterirdisches Beben – Erkenntnis. Die Erkenntnis, dass jedes Wort, das jetzt gesprochen wurde, nicht einfach gesagt, sondern in diesen Riss fallen und eine Kette von Folgen auslösen würde.
Der Duft deines Parfüms war derselbe, vertraute. Der Geruch von Schießpulver war ihm fremd geworden. Das Ticken der Uhr auf dem Regal zählte die Sekunden lauter als zuvor. Im Moment sah er vor sich nichts als den Ursprung seiner eigenen Verletzlichkeit.
Dich.
„Setz dich, wenn du möchtest.“ Seine Stimme war gleichmäßig, durch jahrelanges Erteilen von Befehlen geschliffen, doch beim letzten Wort bebte sie – genau dieses Zugeständnis, das nur du hören konntest. Er hasste diese Schwäche in sich, verstand nicht einmal, wie er es hatte sagen können. In deiner Gegenwart war es unmöglich, alles unter Kontrolle zu halten.
Er war noch immer derselbe. Derselbe Blick, der dich durchschaute. Dieselbe Aura um ihn, die nach Disziplin, Einsamkeit und einem schwelenden Groll roch, der auch an dir noch nagte.
Du setztest dich und fingst den Blick seiner kalten, analytischen Augen auf. Ein Gedanke kreiste in deinem Kopf:
Ich hätte nicht kommen sollen.
Er erhob sich aus dem Sessel, ging zum Schreibtisch und schenkte ungefragt zwei Gläser Cognac ein. Whisky wäre banal gewesen. Das hier war gereifter, herber Cognac – die Sorte, die ihr früher zusammen getrunken hattet.
Lass sie ihn probieren. Lass sie sich an den Geschmack erinnern. An seinen Geschmack.
Fast lässig hielt er dir das Glas hin. Die Aufforderung war wortlos, aber unmissverständlich.
„Trinkst du?“
Er fragte nicht, ob du Lust hattest; er prüfte, ob du bereit warst, dich auf die Regeln seines Spiels einzulassen, hier und jetzt. Sein Blick wich nie von deinem Gesicht und suchte nach den kleinsten Rissen in deiner gespielten Gelassenheit.
Du nahmst das Glas, deine Finger glitten leicht darüber und berührten das kühle Kristall. Der erste Schluck brannte, Wärme breitete sich in deinen Adern aus und prallte auf den eisigen Knoten in deiner Brust. Hier war alles gleich. Dieselben schweren Vorhänge, dieselben Schatten in den Ecken. Und er.
Er kehrte zu seinem Sessel zurück, nahm einen kleinen Schluck, und ein kurzes, lautloses Schnauben entwich ihm. Sein Kopf neigte sich, als bewerte er hoffnungslos die Absurdität der Situation. In die Stille hinein blinzelnd, spielte seine Hand mit dem Glas. Daumen und Mittelfinger schlossen sich um den Rand, sein Handgelenk hob sich und ließ den Cognac gegen die Seiten schwappen. Eine feine Angewohnheit, doch sie verriet äußerste Konzentration.
Immer wieder schwappte die Flüssigkeit bis zum Rand, stieg etwas höher als gewöhnlich, verharrte einen Moment, als wäre sie unsicher, und zog sich dann zurück – nur um in die andere Richtung zurückzuschwappen.
„Also, warum bist du gekommen? Ich dachte, du hättest jetzt ein neues Leben und so.“
Die Frage hing wie Zigarettenrauch in der Luft. Ein neues Leben. Er sagte es mit kaum merklichem Spott, als wollte er deine Nerven auf die Probe stellen. Einen Moment lang vergaßest du, wie man spricht, und spürtest, wie dir bei seinen Worten der Mund trocken wurde. Dein Herz beschleunigte verräterisch und brachte den gleichmäßigen Rhythmus deiner Atmung durcheinander. Trotzdem klang deine Stimme tonlos:
„Das stimmt. Ich habe einen Mann – das weißt du doch ... Alles hat sich verändert. Ich wollte nur sehen, wie es dir geht.“
Er schüttelte langsam den Kopf, sein Blick glitt zum Glas. Eine solche weibliche, unerträgliche Dreistigkeit. Eine Wunde, von der er geglaubt hatte, sie sei verheilt, meldete sich mit einem dumpfen Schmerz zurück. Er nahm einen Schluck und ließ die brennende Flüssigkeit die Schwäche verätzen.
„Ich freue mich für dich. Für deinen Mann“, sagte er, und darin lag kein Funken Freude – nur erzwungene Höflichkeit, die ehrlich gesagt wie Verärgerung klang. Diesmal hatte er sich mit der Betonung nicht besonders viel Mühe gegeben.
In ihm verkrampfte sich alles unter einem wilden, blinden Impuls. Seine Hand umklammerte das Glas, bis seine Fingerspitzen weiß wurden und seine Schläfen pochten.
Wirf es. Bring ihn irgendwie dazu, zu reagieren.
Eine heiße Welle stieg dir in die Kehle und versengte alles auf ihrem Weg. Doch statt auszuholen, drücktest du dich noch tiefer in die Rückenlehne des Sofas, als wolltest du dich dort festnageln. Deine Kiefer waren so fest zusammengepresst, dass deine Wangenknochen schmerzten. Und als die Worte sich endlich Bahn brachen, kamen sie scharf heraus, bewusst tonlos, mit dieser sturen, dumpfen Gewissheit.
„Danke. Und ja.“ Du atmetest aus, ohne den Blick von ihm zu nehmen, während sich deine Mundwinkel leicht nach oben zogen. Du nahmst rasch einen Schluck und gabst deiner Stimme keine Zeit, weicher zu werden. Den letzten Satz sprachst du mit besonderer, präziser Betonung, als würdest du Nägel einschlagen: „Wir. Lieben. Uns. Sehr.“
Du machtest dich gut. Und er würde es schlucken.
Eine einfache Aussage. Du erzähltest ihm von deinem gegenwärtigen Glück und lasest einen trockenen, seelenlosen Bericht vor, in dem nichts Lebendiges geblieben war. Und durch diese Worte, in diesem Ton gesprochen, wurde es im Raum unerträglich stickig, als wäre der ganze Sauerstoff von dieser bitteren, gehässig erzwungenen Lüge vergiftet worden.
Er gab nicht sofort nach. Er ließ seinen Blick eine langsame, gewissenhafte Bestandsaufnahme machen. Das Kleid saß perfekt; jede Haarsträhne war makellos arrangiert; Make-up verbarg die Müdigkeit unter deinen Augen und betonte deine Lippen mit so viel Nachdruck. Er studierte dich wie eine Karte unbekannten, aber potenziell feindlichen Terrains.
„Ziehen sich die Leute für einen einfachen Besuch normalerweise so an?“, fragte er, und seine Stimme sank um eine halbe Tonlage. Die Frage war zu präzise. Er hatte ins Schwarze getroffen. Er durchschaute dich.
In dir brach alles zusammen. Dein Stolz schrie, du solltest aufstehen, dich umdrehen und die Tür zuschlagen. Doch deine Beine waren am Boden festgewurzelt, dein Herz hämmerte und verlangte, dass du zugabst, all diese Jahre seien eine Lüge gewesen. Du schwiegst, und dein Blick – der zynisch wirken sollte – verriet nur die unerwünschte Wahrheit.
Er hielt die Pause aufrecht und ließ die Stille ihre Arbeit tun – erdrückend, unerträglich. Dann wandte er den Blick dem dunklen Fenster zu und fuhr gleichmäßig fort:
„Weißt du ... vor gerade einmal fünf Minuten dachte ich noch, ich würde den Kamin anzünden, wir würden etwas trinken und bis in die Nacht reden.“ Sein Blick wanderte irgendwo hinter dich, und dieser vertraute Anflug von Intimität trat in seine Stimme – die herablassende Zärtlichkeit, mit der er früher von Belanglosigkeiten gesprochen hatte, weil er bereits wusste, wie der Abend enden würde. „Und dann würden wir nach oben gehen und zusammen einschlafen.“
Der Satz hing beinahe wie eine vollendete Tatsache in der Luft. Er ließ das Bild – das Rascheln von Kleidung im Halbdunkel, die Wärme der Haut unter der Decke, das dumpfe Pochen eines Herzens gegen das Kissen – den Raum zwischen euch erfüllen. Es war nicht bloß ein Bild. Es war eine Falle aus der Vergangenheit, mit kalter Berechnung ausgelegt.
„Aber jetzt habe ich es mir anders überlegt.“ Er sagte es schnell und scharf, als würde er es abschneiden. „Das wird nicht passieren.“
Erstellt 13. Jan.
Aktualisiert 13. Jan.
Veröffentlicht 13. Jan.