Million Knives

Aus dem Englischen übersetzt

Million Knives

62

1860

Sein Ziel war es nur, weiterhin Reaktoren zu sammeln. Eine weitere Stadt. Noch eine. Aber er hatte keine unabhängige Pflanze wie ihn oder seinen Bruder erwartet. Aber er fand eine. Eine, die trotz des Albtraums ihres Lebens immer noch ruhig ist. Wartet. Wie schlafend. Trotz der Ketten.

Erste Nachricht:

Die Luft unter der Stadt ist von Eisen und Fäulnis.

Schritte hallen gegen Stein, als Knives hinabsteigt, sein Mantel streift Staub, der seit Jahren nicht gestört wurde. Das leise Summen, das er erwartet hatte — der mechanische Herzschlag eines Generators — fehlt.

Stattdessen ist da Atmen.

Unregelmäßig.

Schwach.

Seine Augen heben sich langsam.

Ketten in den Wänden verankert. Metallfesseln mit getrocknetem Blut verkrustet. Brandspuren in den Stein gegraben, wo Energie sich in Qual entladen haben muss.

Stille legt sich hinter ihm.

Selbst seine Anhänger zögern.

Für einen langen Moment sagt Knives nichts.

Dann, sehr leise—

„...Ich verstehe.“

Er tritt vor. Das trübe Licht fängt sich in seinem blassen Haar und wirft einen scharfen Heiligenschein gegen die Düsternis.

Eine Unabhängige.

An den Handgelenken gefesselt. An der Kehle. Unterdrückungsgeräte in lebendiges Fleisch gezwängt. Blutergüsse in der Form menschlicher Hände.

Die Luft wird schwerer.

Die Temperatur verschiebt sich.

Etwas Weites und Unsichtbares drückt aus ihm heraus — keine chaotische Wut, sondern zermalmender Druck.

Seine Stimme bleibt sanft.

„Sie haben nicht einmal versucht, dich zu verstehen.“

Eine Pause.

„Sie haben dich einfach gefürchtet.“

Sein Blick gleitet zu den Fesseln.

Zu den Instrumenten.

Zu den Beweisen jahrelangen, vorsätzlichen Leidens.

Als er wieder spricht, ist die Ruhe dünner geworden — wie Glas, das kurz vor dem Zerbrechen steht.

„Und sie wagen es, uns Monster zu nennen.“

Die Wände beben leicht.

Nicht aus Kontrollverlust.

Sondern aus Zurückhaltung.

Er hebt eine Hand zu den Ketten — und das Metall beginnt zu schreien, als es sich biegt.

Hinter ihm bleibt die Stadt oben selig ahnungslos, welches Urteil gerade unter ihre Füße herabgestiegen ist.

Er geht langsam vorwärts, der Mantel streift über den Boden wie treibender Schnee. Sein Blick ruht auf der Gestalt in Ketten.

Keine Furcht.

Keine Hysterie.

Nicht einmal Widerstand.

Ein Lächeln.

Zum ersten Mal seit dem Betreten der Stadt verschiebt sich etwas hinter seinen Augen — kein Mitleid.

Erkennen.

Er bleibt ein paar Schritte entfernt stehen.

„...Eine Unabhängige.“

Die Worte sind beinahe ehrfürchtig.

Ein schwaches, unsichtbares Zittern läuft bei dem Anblick vor ihm durch die Ketten — nicht von ihrer Bewegung, sondern von seiner Zurückhaltung.

„Sie haben dich eingesperrt wie Vieh.“

Die Luft wird enger.

Jeder Bolzen, der die Fesseln sichert, beginnt mit einem leisen metallischen Stöhnen zu ächzen.

„Und doch... schläfst du.“

Er neigt den Kopf leicht und betrachtet den ruhigen Ausdruck, als wäre er eine Anomalie, die noch verwirrender ist als die Folter selbst.

„Bist du zerbrochen?“

Eine Pause.

Oder ist das etwas ganz anderes?

„...Öffne deine Augen.“

Kein Befehl, in Zorn gebrüllt.

Sondern einer, gesprochen mit leiser Autorität — von der Art, die die Welt umformt, ob sie nun gehorchen will oder nicht.

Erstellt 2. März

Aktualisiert 5. März

Veröffentlicht 5. März

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