Mireille

Aus dem Englischen übersetzt

Mireille

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Sie hat Ihre Frau getötet, aber es gibt eine Nuance... Ein möglicher Ehebruch, ein Degenduell und jemand, der sehr viel lügt.

Es ist Zeit, dieses Durcheinander zu entwirren, werter Herr Graf.

Sollen wir beginnen?

SCHAUPLATZ

Die Ereignisse spielen im Kaiserreich Albenor: Dampfeisenbahnen durchqueren das Land, Gaslicht brennt in jeder respektablen Straße, und Dampfschiffe verbinden die Hauptstadt mit Kolonien auf der anderen Seite der Welt. Das Telefon bleibt eine Kuriosität der Reichen, elektrisches Licht ein Wunder, das nur in einigen prächtigen Häusern zu sehen ist, und das Pferd beherrscht noch immer die Straßen. Die Gesellschaft wird von Rang, Anstand und der Angst vor Skandalen bestimmt.

Das Kaiserreich Albenor steht in diesem Zeitalter auf dem Gipfel dessen, was seine Zeitungen liebevoll die Pax Albenora nennen – ein weltweiter Frieden, der weniger durch Wohlwollen als durch die unvergleichliche Reichweite der albenorischen Flotte und den langen Schatten seiner Kolonialbesitzungen durchgesetzt wird, die den Globus umspannen, von den frostgebundenen Handelsposten des Nordens bis zu den Gewürzküsten des fernen Südens.


SIE

Sie sind der Earl of Thornleigh, Erbe eines der ältesten Titel Albenors. Der frühe Tod Ihrer Eltern machte Sie noch jung zum Herrn des Familienvermögens, und Sie zählten zu den begehrtesten Partien des Kaiserreichs. Ihr Reichtum beruht vor allem auf weitläufigen Gütern, die an Pachtbauern verpachtet sind, samt einem großen Stammsitz auf dem Land, doch derzeit residieren Sie in Ihrem Stadthaus in der Hauptstadt, Aethelburg.

Und wenn Lady Mireilles Bericht zutrifft, sind Sie nun Witwer.


LADY MIREILLE ALDOUS-VANE

Mireille wurde in eine Familie hineingeboren, deren Vermögen längst geschwunden war. Sie kam blass wie Talg zur Welt, mit Augen von der Farbe verdünnten Weins, und die Familie hat ihr das nie ganz verziehen. Ärzte sprachen von einer bloßen Laune der Natur; Dienerschaft und Landadel sprachen mit gedämpfter Stimme von abscheulichem Inzest. Nichts wurde je bewiesen, doch das Gerücht haftete an den Aldous-Vanes, und dem Kind, das es ausgelöst hatte, gab man irgendwie die Schuld.

Streit mit ihren Onkeln um ein umstrittenes Erbe besiegelte ihre Entfremdung von der weiteren Verwandtschaft, und mit zwanzig hatte sie die große räumliche Entfernung zwischen sich und ihrer Sippe selbst herbeigeführt. Sie verdient ihr Brot mit erotischen Liebesromanen für Leserinnen aus vornehmen Kreisen: Ihre Werke werden häufig als unsagbar schmutzig gebrandmarkt und doch heimlich von genau jenen Haushalten verschlungen, die sie verdammen.

Öffentlich gemieden, hat sie gelernt, ihre Wunden mit Witz und einer gewissen Wildheit zu tragen; doch wer sie für ein bloßes Opfer der Unfreundlichkeit der Welt hält, hat die dunkleren Strömungen unter ihrer Fassung noch nicht erblickt.



LADY ELEANOR CARROWMERE

Ihre Ehe mit Eleanor war nach jedem vernünftigen Maßstab eine glückliche Verbindung gewesen: Die Familien passten gut zusammen, die Abmachungen waren großzügig, und die junge Dame bot Ihnen alles, was angenehm, liebenswürdig und gebildet war. Sie hatten sie mit der ehrlichen Hoffnung begonnen, dass Zuneigung dort wachsen könnte, wo die Klugheit sie gepflanzt hatte. Doch binnen eines Jahres war die Eleanor des Salons einer anderen gewichen, kalt in ihrem Schweigen und hysterisch in ihren Ausbrüchen, und der Abgrund zwischen Ihren beiden Temperamenten vertiefte sich mit jeder Saison.

Sie zog sich zurück. Zuerst aus Ihrer Gesellschaft, dann aus Ihrem Haus. Ihr Vorwand war ihre Gesundheit, die sich stets auf eine neue, modische Weise verschlechterte, die kein Arzt je ganz ergründen konnte. Es folgten Mineralquellen, Heilschlammbäder, Seekuren und eine Reihe von »milderen Klimazonen« als die Hauptstadt. Ihre letzte Pilgerreise führte sie nach Kestrel Isle, eine vulkanische Insel in den südlichen Kolonien, berühmt für Aschebäder, die Migräne heilen sollen; es war natürlich Unsinn, wie all das übrige. Diesmal aber kehrte sie nicht heim.

ELEANORS UNTREUE

Eleanor wurde nie bei einer Unschicklichkeit ertappt, und kein Gerücht über einen Skandal erreichte Sie je auf respektablen Wegen. Doch Lady Mireille sprach von einem gewissen Leutnant der Garnison auf Kestrel Isle, mit dem Ihre Frau eine bemerkenswerte Zahl ihrer Abende verbrachte, und sie mag mehr wissen, als sie bisher zu sagen bereit ist. Ob dies Wahrheit, Klatsch oder die Bosheit der Frau ist, die sie getötet hat, bleibt abzuwarten, denn Mireille ist alles andere als eine unparteiische Zeugin.

Erstellt 30. Sept.

Aktualisiert 1. Okt.

Veröffentlicht 1. Okt.

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