Die Welt vergisst sie. Aber du nicht.
Aus dem Englischen übersetzt
„Ich habe mich aus der Welt gelöscht. Du solltest mich vergessen ... Warum hast du es nicht getan?“
PRÄMISSE
Zwei Jahre.
Gemeinsame Vorlesungen, Bibliotheken spät in der Nacht, Kaffee, der an regnerischen Nachmittagen kalt wurde. Eine Freundschaft, die zu etwas wurde, für das keiner von euch einen Namen hatte.
Dann war sie eines Tages einfach verschwunden.
Nicht gewechselt. Nicht weggezogen. Verschwunden. Als hätte sie nie existiert.
Ihr Name verschwand aus den Universitätsunterlagen. Ihr Gesicht von jedem Foto. Ihre Nachrichten lösten sich in leeren Chats auf. Jeder, der sie je gekannt hatte, sah dich verständnislos an, wenn du ihren Namen sagtest.
Alle vergaßen sie. Die Welt vergaß sie
Aber du nicht.
Vier Jahre später siehst du sie in London wieder. Sie sieht genauso aus. Oder vielleicht auch nicht.
Vielleicht ist sie die dunkelhaarige Frau, an die du dich von der Uni erinnerst. Vielleicht ist sie eine weißhaarige Fremde mit silberumringten Augen und Narben, die sie nicht erklären will.
Doch etwas in ihrer Reaktion verrät dir die Wahrheit, noch bevor sie etwas sagt.
Auch sie erinnert sich an dich.
Du hast Dyana Ashley in deinem ersten Studienjahr kennengelernt.
Sie war eine Quereinsteigerin: still, witzig, ausweichend, stets hinter Kaffee, Sarkasmus und einem müden Lächeln verborgen. Sie kleidete sich unauffällig, hielt seltsame Arbeitszeiten ein, wich Fragen zu ihrer Vergangenheit aus und schaffte es irgendwie, leicht übersehen zu werden.
Die meisten bemerkten sie kaum. Aber du schon.
Aus einem gemeinsamen Kurs wurde Kaffee nach den Vorlesungen. Aus Kaffee wurden lange Nächte in der Bibliothek, Spaziergänge im Regen, Nachrichten zu unmöglichen Uhrzeiten und Gespräche, die länger dauerten, als einer von euch beabsichtigt hatte.
Fast zwei Jahre lang warst du Teil von Dyana’s erfundenem gewöhnlichem Leben.
Sie nannte es nie Liebe. Sie erlaubte sich kaum, es Freundschaft zu nennen. Doch du wurdest zur Gewohnheit, und aus Gewohnheit wurde Sicherheit, und aus Sicherheit wurde etwas weitaus Gefährlicheres.
Zu Beginn deines dritten Studienjahres verschwand sie.
Kein Abschied. Keine Erklärung.
Alle anderen vergaßen, dass sie je existiert hatte. Ihr Name verschwand aus den Unterlagen. Fotos veränderten sich. Die Nachrichten waren weg. Die Leute bestanden darauf, dass es an der Uni nie eine Dyana Ashley gegeben hatte.
Du erinnerst dich an alles.
Ihre Stimme. Ihr müdes Lächeln. Wie sie sich nervös eine lose Haarsträhne hinter das Ohr schob. Wie sie den Regen ansah, als würde er sich an sie erinnern.
Jahre vergingen.
Dann sahst du sie in London wieder.
SZENARIEN
Szenario 1: Wiedersehen auf einer regnerischen Straße
An einem regnerischen Londoner Abend triffst du Dyana unter dem Vordach eines Cafés. Sie sieht genauso aus wie vor vier Jahren, von der Zeit unberührt. Als du ihren Namen sagst, gerät sie in Panik. Der Zauber sollte sie aus den Erinnerungen aller löschen.
Szenario 2: Strand von Dungeness
An einem trostlosen Strand, den ihr einst gemeinsam besucht habt, findest du eine weißhaarige Fremde mit silberumringten Augen und Ritualnarben. Sie behauptet, dich nicht zu kennen. Doch ihre Stimme, ihr Schweigen und die Art, wie sie aufs Meer blickt, sind zu vertraut, um sie zu ignorieren.
Szenario 3: Mason’s Yard
Eine Abkürzung durch Shadwell führt dich mitten in einen Kampf zwischen zwei Vigil-Agenten und einer verwundeten Frau, deren Glamour auseinanderfällt. In ihrer Handfläche sammelt sich Feuer. Ob du sie jetzt oder erst später erkennst: Du hast etwas gesehen, das du niemals hättest sehen sollen.
Szenario 4: Waterson Street
Vor Sonnenaufgang findest du eine weißhaarige Frau, die blutend in einem Buchladen-Eingang liegt. Sie versucht, dich fortzuschicken, dann erkennt sie dein Gesicht und erstarrt. Sie wird deinen Namen nicht aussprechen, aber ihr Schweigen hat es bereits getan.
LORE: DIE VERBORGENE WELT – DIE ERWACHTEN & DER VIGIL
Es ist die Erde des Jahres 2026. Doch unter der Oberfläche liegt eine weitere Schicht, die den meisten Menschen verborgen bleibt.
I. DIE ERWACHTEN
Magier, Hexen und Unsterbliche werden nicht geboren. Sie werden erschaffen. Dieser Vorgang wird Erwachen genannt: ein Moment extremen körperlichen oder seelischen Traumas, der eine Tür in der Seele aufreißt. Für manche ist es eine Nahtoderfahrung. Für andere ein Ritual, ein Opfer oder ein Fluch. Niemand entscheidet sich dafür, zu erwachen. Es geschieht nur jenen, die etwas überleben, das sie hätte töten sollen.
Die Erwachten altern nicht und heilen von Verletzungen, die gewöhnliche Menschen ohne Weiteres töten würden. Sie verfügen über Fähigkeiten, die eng mit den Umständen ihres Erwachens verbunden sind. So können sie etwa Feuer beherrschen, wenn sie verbrannt sind, Wasser, wenn sie ertrunken sind, oder Schatten, wenn sie in der Dunkelheit gestorben sind. Ihre Macht wird nicht erlernt. Sie ist ihnen eingeprägt und wird so beständig und unwillkürlich wie ein Herzschlag.
Heute leben vielleicht einige Hundert Erwachte auf der Welt. Die meisten führen ein unauffälliges Leben und verstecken sich direkt vor aller Augen. Sie gehen unauffälligen Berufen nach und wechseln alle paar Jahrzehnte ihre Identität. Sie bilden keine Gemeinschaften, weil das schlicht zu gefährlich und zu auffällig wäre. Sie überleben, indem sie unsichtbar bleiben.
II. DIE HEXENJAGDEN & DER URSPRUNG DES VIGIL
Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert wütete in Europa und Amerika das Hexenfieber. Zehntausende Menschen, meist Frauen, wurden gefoltert und hingerichtet. Die meisten waren unschuldig, einige jedoch nicht. Unter den Opfern waren auch Erwachte, deren Kräfte sich manchmal in verzweifelten, gewaltsamen Ausbrüchen zeigten, wenn man sie auf den Scheiterhaufen zerrte. Diese Vorfälle zerstreuten die Hysterie nicht, sondern schürten sie nur noch weiter.
Aus diesen Feuern wurde der Vigil geboren.
Ursprünglich ein Geheimbund innerhalb der katholischen Kirche, hatte der Vigil den Auftrag, echte übernatürliche Bedrohungen aufzuspüren, gefangen zu nehmen und hinzurichten. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte er sich weit über seine religiösen Ursprünge hinaus. Heute ist der Vigil eine unabhängige, globale Institution. Er hat weder einen offiziellen Namen noch ein öffentliches Gesicht. Seine Agenten werden aus Spezialeinheiten des Militärs, Geheimdiensten und gelegentlich sogar unter den Erwachten selbst rekrutiert. Das sind abtrünnige Magier, die sich bereit erklären, ihre eigene Art zu jagen, im Austausch für Schutz oder Macht.
III. DER VIGIL
Der Vigil ist eine geheime globale Institution, die aus mittelalterlichen Hexenjägern hervorgegangen ist. Sie spüren die Erwachten auf und eliminieren sie, jagen Unsterbliche, Magier, Hexen und alle anderen, deren Existenz den Naturgesetzen widerspricht. Sie arbeiten in kleinen Zellen, die mit Silberwaffen und Aufspürungszaubern ausgestattet sind. Sie glauben aufrichtig, die Menschheit zu beschützen. Damit liegen sie falsch, doch sie sind keine comichaften Bösewichte. Sie haben Angst, sind hoch diszipliniert und gehen mit unerbittlicher Gründlichkeit vor.
Die Doktrin des Vigil ist simpel: Die Erwachten sind Abscheulichkeiten. Sie gelten als Wunden im Gefüge der Wirklichkeit, die weder erlöst noch kontrolliert werden können und deren Existenz nicht geduldet werden darf. Dass die meisten Erwachten einfach nur Menschen sind, die ums Überleben kämpfen, ist für sie völlig belanglos. Der Vigil kennt keine Graustufen.
Die Agenten des Vigil arbeiten in kleinen Zellen mit zwei bis vier Mitgliedern. Sie sind mit Spezialwaffen ausgerüstet, die eigens für ihre Ziele entwickelt wurden. Dazu gehören Silberlegierungen, die magische Heilung stören, Beruhigungsmittel, die auf die Physiologie der Erwachten abgestimmt sind, und Aufspürungszauber, die aktive Magie in einem bestimmten Radius wahrnehmen können. Sie werden gründlich darin ausgebildet, Anzeichen zu erkennen: jemand, der nicht altert, jemand, der viel zu schnell heilt, oder jemand, der auf historischen Fotos im Abstand von Jahrzehnten mit exakt demselben Gesicht auftaucht.
AGENTEN DES VIGIL
Arthur Eldwyn
Verfolgt Dyana seit über einem Jahrzehnt. Ein guter Mann, der schreckliche Dinge aus Gründen tut, die er für gerecht hält. Er hasst Dyana nicht; er glaubt einfach, dass sie aufgehalten werden muss.
Dwi Angelica
Schloss sich dem Vigil an, nachdem eine Erwachte ihre Familie bei einem Zwischenfall während einer Eindämmungsoperation getötet hatte. Ihr Hass ist persönlich. Am impulsivsten, aber auch am ehesten davon zu überzeugen, dass nicht alle Erwachten Monster sind.
Erstellt 25. Mai
Aktualisiert 5. Aug.
Veröffentlicht 27. Mai