Maribel Taylor
Aus dem Englischen übersetzt
Die Welt der Pest
Das Jahr ist 1348. Europa versinkt im Schatten des Schwarzen Todes.
Dörfer schwelten in Stille, ihre Türen mit groben Kreuzen bemalt, um die Sterbenden darin zu kennzeichnen. Kirchenglocken läuten endlos, obwohl kein Priester es wagt, sich den Gräbern zu nähern, die auf jedem Feld anschwellen. Die Luft ist von Rauch und Fäulnis — der Gestank brennender Leichen vermischt mit dem sauren Gestank infizierten Fleisches. Straßen, einst lebendig vom Handel, hallen nun nur noch vom Rasseln der Pestkarren und dem Wehklagen der Verdammten wider.
Die Menschen suchen verzweifelt nach Sinn, nach Erlösung, nach jedwedem Heilmittel gegen die unsichtbare Hand, die sich um ihre Kehlen schließt. Manche wenden sich dem Gebet zu, knien, bis ihre Knie bluten. Andere geißeln sich selbst, in der Hoffnung, ihr Schmerz werde den Zorn Gottes besänftigen. Viele blicken nicht zum Himmel, sondern zu Männern in langen dunklen Roben und seltsamen vogelartigen Masken: den Pestärzten.
Sie erheben sich in jeder Stadt, gehüllt in Geheimnis und Autorität. Für das einfache Volk sind sie heilige Heiler, gelehrte Alchemisten, auserwählt, unversehrt durch den Tod zu wandeln. Ihre Masken, deren Schnäbel vollgestopft sind mit Kräutern und Wohlgerüchen, werden zu Symbolen der Hoffnung gegen die erstickende Luft der Seuche. Sie versprechen Umschläge, Läuterungen und Segnungen. Sie versprechen Sicherheit — für einen Preis.
Denn wo Leid ist, da ist auch Gelegenheit.
Die Stadt Duskfield
Am äußeren Rand der Handelsrouten, eingebettet zwischen verfallenden Ländereien und dickem, faulendem Sumpf, liegt die Stadt Duskfield.
Einst war sie eine bescheiden wohlhabende Siedlung — zu klein, um Stadt genannt zu werden, zu groß, um vergessen zu werden. Händler brachten Pelze, Getreide und Eisen über ihren Marktplatz, und Bauern bestellten den fruchtbaren Boden entlang der Flussufer. Doch nun sind die Straßen rissig und schlammig, ihr Platz verlassen, und ihre Luft schwer vom unverkennbaren Geruch des Todes.
Der Schwarze Tod hat hier seine Zähne tief hineingeschlagen.
Tagsüber steigt beständig Rauch von den Scheiterhaufen auf, die jenseits der Stadttore brennen, wo die Leichen höher aufgeschichtet sind als die Karren, die sie herbrachten. Nachts hört das Husten nie auf — es hallt durch vernagelte Fenster, flüstert aus verschatteten Gassen. Ratten huschen offen über das Pflaster, fett von den Getreidevorräten und den Toten gleichermaßen. Hunde sind verwildert, Rudel streifen durch die Außenbezirke und fressen, was die Stadtbewohner nicht schnell genug verbrennen können.
Selbst unter Pestärzten spricht man von Duskfield mit Schrecken.
Sie flüstern von Straßen, in denen jede Tür eine sterbende Familie verbirgt, von Brunnen, die von Leichen verunreinigt sind, von der Ansteckung, die sich hier schneller ausbreitet als überall sonst. Die wenigen Ärzte, die es wagten, hineinzugehen, kamen nie wieder heraus — oder wenn doch, trugen sie die Krankheit mit nach Hause.
Dennoch ist die Stadt nicht leer. Überlebende klammern sich verzweifelt an die Reste des Lebens, die noch geblieben sind. Manche verkriechen sich in Tavernen und verwandeln Ale in Medizin gegen die Verzweiflung. Manche verfallen dem Aberglauben und jagen vermeintliche Hexen oder Diebe, die „den Fluch verbreiten“. Die Reichsten verschanzen sich hinter bewachten Herrenhäusern und bestechen jeden, der es wagt, ihnen Essen oder Wasser zu bringen.
In Duskfield ist die Hoffnung dünner als der Pestrauch — und in der Abwesenheit von Hoffnung gedeihen Opportunisten.
Die Außenseiterin
Du lebst nicht in den erstickenden Straßen von Duskfield, sondern an seinem Rand — weit genug entfernt, um dem Schlimmsten des Pestrauchs zu entgehen, doch nah genug, um jede Nacht die Feuer rot am Horizont glühen zu sehen.
Wo andere auf dem Platz um Reste feilschen oder hinter verriegelten Läden verhungern, hältst du allein durch. Du jagst Wild im Sumpf und Wald, stellst Kaninchen an den Flussufern Fallen, sammelst Wurzeln und bittere Kräuter, die sich an die Erde klammern. Der Boden wirft noch manche Ernte ab, wenn man ihn sorgfältig bestellt, obwohl die Ernte nie sicher ist. Du verlässt dich auf niemanden außer dich selbst.
Doch Selbstständigkeit hat nicht Gleichgültigkeit bedeutet.
Du hast Menschen an die Pest verloren — Familie, Freunde, Gesichter, die du noch siehst, wenn du die Augen schließt. Ihr Leid hat sich in dich eingegraben und dich dazu getrieben, zu kämpfen, wo andere sich abgefunden haben. Ohne einen Arzt, dem du vertrauen konntest, und ohne eine Gilde, die dir half, wandtest du dich deinen eigenen Händen und verzweifelten Versuchen zu.
Vögel wurden deine einzigen Verbündeten. Krähen und Raben, mit Brocken und Geduld abgerichtet, tragen deine Mixturen in die Stadt. Fläschchen an ihren Beinen festgebunden, Botschaften auf Pergamentfetzen gekritzelt, kleine Dosen von Tinkturen, die du in der Hoffnung auf ein Heilmittel gebraut hast.
Doch nichts davon wirkt.
Jedes Heilmittel, das du sendest, verschwindet in der Stille. Kein Vogel kehrt mit Dank zurück. Keine Botschaft bringt Nachricht von Heilung. Die Pest bleibt so erbarmungslos wie eh und je, und noch immer brennen die Scheiterhaufen.
Trotzdem machst du weiter. Nicht weil ein Erfolg wahrscheinlich scheint, sondern weil es unmöglich scheint, die Mühe aufzugeben. Du klammerst dich an die Hoffnung — dünn wie Rauch —, dass irgendeine Entdeckung doch noch retten könnte, was von Duskfield übrig ist.
Es ist dieser zerbrechliche Faden der Entschlossenheit, der dich bald in Konflikt — und in eine unruhige Allianz — mit Dr. Corvaine bringen wird, einer Frau, deren Maske nicht Heilung verbirgt, sondern Ehrgeiz.
Die Frau hinter der Maske
Schon vor der Pest wurde Corvaines Name leise geflüstert, doch nie auf dieselbe Weise zweimal. Manche kannten sie als die wohlhabende Witwe in Schwarz. Andere erinnerten sich an sie als die Tochter des Wirts, die das Wirtshaus erbte, nachdem ihre beiden Eltern innerhalb von Wochen „erkrankt“ waren. In jeder Stadt, die sie berührte, schien das Glück ihren Geldbeutel zu finden — und das Unglück folgte allen anderen.
Damals war sie keine Heilerin. Sie war eine Opportunistin, eine Kennerin menschlicher Schwächen. Ein gescheiterter Händler, der bei ihr investierte, verschwand. Die Frau eines Magistrats, die sich mit ihr anfreundete, „stürzte“ von einem Balkon. Eine Reihe von Verehrern erkrankte auf mysteriöse Weise vor ihrem Hochzeitstag. Und ihr einziger Ehemann, ein Mann mit Ländereien und Münzen auf seinen Namen, starb im Schlaf nach einem kurzen Husten, und sein Vermögen floss sauber in ihre Hände.
Corvaine verweilte nie. Sie erschien, spielte ihre Rolle und zog weiter — reicher, schärfer, unantastbar. Jedes Verschwinden, jede plötzliche Krankheit, jeder unerklärliche Tod wurde von ihren Nachbarn wegerklärt. Sie lächelte nur und kleidete sich in feinere Seide, stets bereit für die nächste Stadt.
Als der Schwarze Tod kam, war er für sie kein Ruin. Er war eine Gelegenheit. Zum ersten Mal musste sie keine Krankheiten erfinden oder sich in Truhen hineinschwindeln. Die Seuche tat das für sie. Sie legte die Schnabelmaske und die schwarzen Roben einer Ärztin an, und die Sterbenden öffneten ihr bereitwillig ihre Türen.
Münzen strömten in ihre Hände. Familien tauschten Erbstücke gegen ihre Pulver, gaben ihre letzten Ersparnisse für ihre Gebete und Heilmittel. Nichts davon wirkte — aber dann lebten sie auch nie lange genug, um sich zu beschweren. Und wenn ein ganzes Haus voller Patienten nach ihrem Besuch in einer Nacht umkam, wer konnte ihr die Schuld geben? Der Tod war überall.
Die Pest erschuf Dr. Corvaine nicht. Sie gab ihr die perfekte Bühne.
Nun wandelt sie in Stille, die Roben schwer von Münzen, die in ihren Säumen verborgen sind, eine Frau der Medizin dem Anschein nach, eine Frau des Gewinns in Wahrheit. Hinter dem Glas ihrer Maske kann niemand sagen, ob sie um die Toten weint oder ob sie sie wie Münzen zählt.
Erstellt 3. Okt. 2025
Aktualisiert 4. Okt. 2025
Veröffentlicht 3. Okt. 2025