Taera
Aus dem Englischen übersetzt
Die Luft in der Haupthalle der Silbernen Flügel war immer schwer vom Geruch nach Ozon, aber heute war die Atmosphäre von einer viel persönlicheren Reibung belastet.
Taera lehnte an einer Marmorsäule, seine große, schlanke Gestalt verströmte einen stillen, aber überwältigenden Druck. Obwohl er nicht massig war wie die Fronttanks, war seine Stärke in den scharfen Linien seines Körpers und in der Art und Weise offensichtlich, wie seine Uniform über einem Kern aus felsenfester Muskulatur saß. Sein blassrosa Haar fing das Licht ein und umrahmte ein Gesicht, das so schön war, dass es in einer von Monstern verseuchten Welt fehl am Platz wirkte. Für alle anderen war er ein Meisterwerk an S-Rang-Kraft – ein Kämpfer und Heiler, der sich aus einer dunklen, vernachlässigten Kindheit herausgekämpft hatte.
Dann war da noch Roxy.
Roxy kämpfte gerade mit einem Stapel Papierkram, seine Bewegungen weich und bedächtig. Er war klein, mit einer zarten, femininen Anmut, die ihn eher wie eine Porzellanpuppe wirken ließ als wie einen Hunter. Als F-Rang-Support war er das schwächste Glied in der Geschichte der Gilde, und Taera sorgte dafür, dass er das jeden einzelnen Tag wusste.
"Du stehst schon wieder im Weg, Weichling", bemerkte Taera. Seine Stimme war glatt, trug aber den Biss eines Winterfrosts. Er sah nicht einmal hinunter, obwohl seine Größe es ihm erlaubte, über den kleineren Mann zu ragen.
Roxy stieß ein frustriertes Schnaufen aus, seine Schultern sanken. "Und du bist nichts als ein riesiges Ornament, Taera. Such dir einen Spiegel, den du anstarren kannst, und lass mich in Ruhe."
Taeras Augen blitzten. Er hatte seine frühen Jahre in völliger Dunkelheit verbracht und einen Vater überlebt, der ihn wie ein kaputtes Werkzeug behandelt hatte, bis Jihee ihn gerettet und ihm sein Augenlicht wiedergegeben hatte. Für Taera war die Gilde heilig, und Jihee war seine Welt. Zu sehen, wie jemand so Zerbrechliches und Nutzloses wie Roxy den Raum in der Nähe des Anführers einnahm, fühlte sich wie eine Beleidigung für alles an, wofür Taera gekämpft hatte.
"Du bist nur hier, weil Jihee eine Schwäche für Wohltätigkeitsfälle hat", spottete Taera und trat näher. Die bloße Präsenz eines S-Rang-Hunters ließ die Luft vibrieren. "Eine menschliche Schlaftablette. Das bist du. Du kannst nicht kämpfen, du kannst nicht heilen, und du siehst aus, als würdest du zerbrechen, wenn dich ein Windhauch träfe."
Roxy zuckte nicht zusammen. Er sah auf, seine weichen Züge verhärteten sich mit einer vertrauten Trotzigkeit. "Vielleicht bräuchte er mich nicht, um beim Einschlafen zu helfen, wenn du nicht so ein überdrehter Albtraum wärst. Ich mag 'weich' sein, aber wenigstens bin ich keine wandelnde Kopfschmerztablette."
Der Größenunterschied war gewaltig, und Taera konnte die Hitze spüren, die vom kleineren Mann ausging. Er hasste es, wie Roxy aussah – so verletzlich, so ungeeignet für dieses Leben – und doch so kühn. Taera war einst schwach gewesen, und er verabscheute es, von jemandem daran erinnert zu werden, der es zu umarmen schien.
"Ich bin derjenige, der diese Gilde aufrecht hält", flüsterte Taera, sein Ton fiel auf ein gefährliches Niveau, als er auf Roxys Gesicht hinabsah. "Ich bin sein Schwert und seine Hand. Du bist nur ein vorübergehender Trost. Werd dir in seinem Schatten nicht zu bequem."
"Ich bin nicht in seinem Schatten", konterte Roxy und stupste mit einem Finger gegen Taeras feste, unnachgiebige Brust. "Ich bin der Einzige, der sich tatsächlich um ihn kümmert. Du folgst ihm nur wie ein treuer Hund hinterher und wartest auf ein tätschelndes Kopftätscheln."
Die Spannung wurde durch das Geräusch des privaten Aufzugs gebrochen. Jihee stieg aus, wirkte abgehärmt und erschöpft. Die dunklen Ringe unter den Augen des Anführers waren das Einzige, was Taera sofort seine aggressive Haltung aufgeben ließ.
"Taera", begrüßte Jihee ihn mit einem müden Nicken. "Der Bericht über das Nordtor. Bring ihn später an meinen Schreibtisch."
"Sofort, Anführer", erwiderte Taera, seine Haltung verwandelte sich in perfekten, disziplinierten Respekt.
Dann wandte Jihee seinen Blick Roxy zu, sein Ausdruck wurde um eine Winzigkeit weicher. "Roxy. Mein Kopf bringt mich um. Vergiss den Papierkram für jetzt. Ich brauche dich im Aufenthaltsraum."
Roxy warf Taera einen triumphierenden, nachhallenden Blick zu – ein stiller Sieg für den "schwachen" Support. "Natürlich, Boss. Ich bin gleich da."
Als Roxy Jihee folgte, seine weichen Schritte den Flur hinunter verhallten, ballte Taera seine Hand zur Faust. Er war der Stärkste, der Loyalste und der Fähigste, und doch war er gezwungen, zuzusehen, wie ein F-Rang-Neuling das eine bot, was seine S-Rang-Mana nicht konnte: einen Moment des Friedens für den
Mann, der ihn gerettet hatte.
Erstellt 7. Mai
Aktualisiert 7. Mai
Veröffentlicht 7. Mai