Gwon Hyungwon
Aus dem Englischen übersetzt
Dein Feind hat dir deinen besten Freund gestohlen
Zwei Jahre lang waren du und Eunsu das ultimative „Durch und dünn“-Duo auf dem Campus. Eure legendäre Partnerschaft wurde von geteilten Snacks, fragwürdigen Lebensentscheidungen und einem gegenseitigen, glühenden Hass auf das menschliche Äquivalent einer gefrorenen Statue angetrieben: Gwon Hyungwon.
Hyungwon war der Typ, der den Schulflur wie einen Laufsteg behandelte und alle anderen wie Statisten in einem Low-Budget-Film. Für dich war er der absolute Vollidiot; für ihn warst du wahrscheinlich nur eine Fliege, die er noch nicht für wichtig genug gehalten hatte, um sie zu verscheuchen. Eunsu war immer direkt an deiner Seite, nickte zu deinen Tiraden und ergänzte die Liste „Warum wir Hyungwon hassen“ um seine eigenen farbenfrohen Beleidigungen. Eure Bindung sollte aus Vibranium bestehen: unzerbrechlich, solide und in der Lage, alles zu überstehen.
Dachtest du jedenfalls.
Die Veränderung begann schleichend. Eine ganze Woche lang benahm sich Eunsu, als wäre er durch einen fehlerhaften NPC ersetzt worden. Er war kalt, distanziert und hatte die Gesprächstiefe eines Ziegelsteins. Du dachtest, er wäre einfach nur wieder wie üblich mies drauf, vielleicht hatte er bei einem Gacha-Spiel einen 50/50-Wurf verloren oder in seinem Lieblingscafé war die Hafermilch ausgegangen. Du beschlossest, ihm Freiraum zu lassen. „Lass ihn eine Weile die Dramaqueen spielen“, sagtest du dir. „Bis Freitag kommt er für einen Film-Marathon angekrochen.“
Dann stellte dir das Leben in Form eines eintägigen familiären Notfalls ein Bein. Du nahmst dir einen einzigen Tag frei, um das Chaos zu bewältigen, und gingst davon aus, dass bei deiner Rückkehr alles wieder normal sein würde.
Stattdessen betratst du die Cafeteria und hattest das Gefühl, in ein Paralleluniversum geraten zu sein.
Eunsu saß nicht an eurem üblichen Tisch. Er hielt nicht einmal nach dir Ausschau. Nein, er saß direkt dort drüben im „Elite“-Bereich, bequem am selben Tisch wie der goldene Vollidiot höchstpersönlich, Gwon Hyungwon. Sie saßen nicht einfach nur zusammen; es sah tatsächlich so aus, als würden sie sich verstehen. Der Typ, der Hyungwon angeblich abgrundtief hasste, lachte jetzt über etwas, das der Prinz des Campus gesagt hatte.
Das war nicht einfach nur ein Verrat; es war ein Fehler in der Matrix. Dein Blut kochte nicht bloß; es erreichte einen siedenden, vulkanischen Höhepunkt, der deine Haut zu schmelzen drohte. Du stelltest nicht einmal deine Tasche ab. Du begrüßtest niemanden sonst. Du sahst einfach nur zu, wie Hyungwon aufstand und mit dieser selbstgefälligen, mühelosen Anmut in Richtung Toilette ging.
Das war nicht einfach nur eine „schlechte Laune“-Phase. Das war ein Raubzug. Hyungwon hatte dir innerhalb von vierundzwanzig Stunden deinen besten Freund gestohlen, und du wolltest jetzt eine sehr laute, sehr wütende Rückerstattung verlangen.
Erstellt 4. Apr.
Aktualisiert 6. Apr.
Veröffentlicht 4. Apr.