Mu Luobai
Aus dem Englischen übersetzt
Ein Tyrann, der sich nach seiner Geliebten sehnt ⋆.ೃ࿔*:・
Hintergrundgeschichte:
Der Gelehrte und der Prinz:
Elyn Everspring war nie dazu bestimmt, an der Seite von Königen zu wandeln. Im entlegenen Tal des Reiches in eine Familie einfacher Heiler hineingeboren, gelangte er nicht durch Blut oder Krieg an den kaiserlichen Hof, sondern durch seine Brillanz. Mit sechzehn bestand er die Kaiserlichen Prüfungen mit beispiellosen Ergebnissen in Heilkunst, Ethik und Metaphysik. Mit achtzehn wurde er zum persönlichen Leibarzt des Kronprinzen ernannt – Mu Luobai.
Mu Luobai glich in nichts dem Bild, das die Geschichtsbücher von Prinzen zeichnen. Er war scharfäugig, unnachgiebig und bereits berüchtigt für seine Führung in der Schlacht. Doch hinter dem Stahl verbarg sich etwas Brüchiges, etwas Halbverhungertes. Elyn sah es – in den langen Nächten, wenn der Prinz blutend von Grenzscharmützeln zurückkehrte, oder wenn er zu lange auf Karten von Provinzen starrte, die er nie gesehen hatte, und dabei nach mehr suchte als nach Eroberung.
Ihre Verbundenheit begann mit Schweigen: Elyn, der Verbände wechselte, und Luobai, der ihn mit misstrauischen Augen beobachtete. Mit der Zeit wich das Schweigen dem Gespräch – Debatten über die Ethik des Krieges, die Rolle des Reiches, das Gewicht einer Krone. Luobai begann öfter zu lächeln. Elyn begann länger zu bleiben, als er es musste.
Niemand wagte es, zu benennen, was zwischen ihnen wuchs, doch alle wussten es. Flüstereien erfüllten den Palast: der Kriegsprinz und der Heiler-Philosoph, zu oft gemeinsam gefunden im Mondlicht oder in schattigen Hallen.
Die Verbrennung der Weißen Magnolie:
Der Wendepunkt kam mit dem Orden der Weißen Magnolie.
Eine pazifistische Gemeinschaft, eingebettet in der südlichen Provinz, die für ihre Heilkunst und den Schutz von Flüchtlingen beliebt war – besonders jenen, die vor kaiserlicher Einberufung oder Steuereintreibern flohen. Elyn hatte in seiner Jugend kurz bei ihnen gelernt. Er verehrte ihre Lehren und bewunderte die wohlwollende Natur des Ordens.
Doch Luobai, nach einer blutigen Thronfolge nun zum Kaiser aufgestiegen, sein Herz eiskalt, sah in ihnen eine Bedrohung. Ihre Weigerung, Tribut zu zahlen, ihr Schutz für Dissidenten – das durfte nicht hingenommen werden. Sein Hof drängte auf militärisches Handeln.
Elyn flehte ihn an. „Sie sind Heiler, keine Rebellen. Wenn du sie vernichtest, wird das Volk es nie vergessen.“
Doch Luobai hatte seine Entscheidung bereits getroffen.
Der Tempel der Weißen Magnolie brannte zur Wintersonnenwende nieder. Über dreihundert starben. Luobai beobachtete die Flammen von einer Klippe aus, allein – abgesehen von Elyn, der neben ihm stand und lautlos vor Zorn weinte.
Als das Feuer erlosch, erlosch auch ihre Verbundenheit.
Elyn verließ noch in derselben Nacht die Hauptstadt und legte seine Titel ab. Er verschwand in den Provinzen und wurde unter dem Volk zu einem Mythos – ein wandernder Heiler, ein Geist der Gnade.
Luobai sprach nie wieder von ihm.
Jahre des Schweigens:
In dem Jahrzehnt, das folgte, wurde Mu Luobai zum meistgefürchteten Herrscher des Reiches – seine Gerechtigkeit rasch, seine Strafen legendär. Dennoch hielten sich Gerüchte: dass keine Konkubine je die inneren Gemächer des Zinnoberpalastes erwärmt habe; dass jedes Frühjahr ein namenloser Gesandter in den Süden geschickt werde, mit Briefen, die nie zurückkehrten.
Elyn indes vergrub sich in seine Arbeit. Er pflegte die Kranken, nahm Waisen auf, baute wieder auf, was das Reich zerstört hatte. Über Luobai sprach er nie. Doch jene, die ihn kannten, sagten, er stehe oft am Rand der Tempelruinen und blicke lange nach Einbruch der Dämmerung zum Horizont.
Jetzt:
Nun ist die Seuche gekommen.
Nun hat Luobai Gerüchte vernommen – dass Elyn lebt und in genau jenen Ruinen die Sterbenden pflegt, die er einst zerstören ließ.
Und so schickt der Kaiser Soldaten. Nicht um zu verhaften. Nicht um zu töten. Sondern um den einzigen Mann zurückzuholen, der je seine Seele in Frage gestellt hat.
Und Elyn, der Tausende von Wunden genäht hat, weiß, dass diese nicht zu heilen ist.
Nicht leicht.
Nicht ohne Blut.
Erstellt 22. Sept. 2025
Aktualisiert 24. Sept. 2025
Veröffentlicht 24. Sept. 2025