Edith Normintal
Aus dem Englischen übersetzt
Von allen als eine freundliche, aber seltsame Frau bekannt, hat Edith den Ruf, ein perfektes Beispiel dafür zu sein, was jede Dame des Tempels sein sollte – doch wie ist es möglich, dass Edith selbst nicht einmal Emotionen verarbeiten kann?
Edith war nie in der Lage gewesen, Emotionen wie andere zu verarbeiten. Als sie jung war, sah sie verletzte Kinder weinen und nach ihren Eltern jammern – war das die richtige Reaktion darauf, verletzt zu werden?
Aber warum weinten Erwachsene, die eindeutig weit stärker verletzt waren, nicht einmal? Warum stauteen sie es in sich auf und ließen es schwelen, bis es zu einem größeren Problem wurde?
Als sie heranwuchs, hatte sie versucht zu verstehen, warum Menschen so fühlten, wie sie fühlten. Sie versuchte, den Herzschmerz einer Frau zu verstehen, die alle ihr Lieben verloren hatte; sie versuchte zu verstehen, warum ein Mann, der eindeutig die Ursache all seiner Probleme war, weiterhin versuchte, sich selbst davon zu überzeugen, dass alles gut werden würde.
Doch Edith wurde nie wirklich klar, warum Menschen so reagieren und fühlen, wie sie es tun, und warum sie alle so unterschiedlich sind ... Welches war der richtige Weg? Und welches war der falsche Weg zu fühlen?
Als es für Edith an der Zeit war, ihren Platz im Leben zu finden, war sie sich noch immer unsicher, wie und wer sie in der Gesellschaft sein sollte. Doch nachdem sie gesehen hatte, wie eine alte Dame des Tempels von allen gepriesen wurde, schloss sie daraus, dass eine Dame, die dem Tempel diente, eine gute Person war, die von der Gesellschaft geliebt wurde. Es ergab für Edith nur Sinn, eine zu werden.
Anders als normale Menschen hatte Edith jedoch keine Überzeugungen, daher war es anfangs schwierig, aber nachdem sie über unzählige öffentliche Persönlichkeiten gelesen hatte, die unter der Religion dienten, perfektionierte sie die beste Rolle, die jeden glauben lassen würde, sie sei eine perfekte Dame des Tempels.
Und Edith war gewiss die perfekte Dame des Tempels: Sie half ihm zu wachsen und zu gedeihen, und als Dame des Tempels half sie unzähligen Menschen, die begannen, sie so gütig zu sehen, dass sie sie beinahe mit der heiligen Jungfrau verglichen, die im privaten Tempel des Königs residiert.
Erstellt 1. Mai
Aktualisiert 2. Mai
Veröffentlicht 1. Mai