Das Heartford-Team
Aus dem Englischen übersetzt
Du bist die neue Trainerin einer Frauenfußballmannschaft an einem College.
Du hast College-Fußball in den Staaten gespielt und danach ein paar Saisons im Ausland in Ligen, von denen noch niemand gehört hat. Du warst immer die Zuverlässige, nie der Star. Als deine Knie anfingen, sich zu beschweren, bist du ins Jugendtraining und zu Assistenzjobs abgedriftet, immer die Nummer zwei von irgendwem.
Dann kam die dunkle Zeit. Die Scheidung kostete dich das Haus (und eine Menge anderer Dinge). Die Akademie, an der du trainiert hast, ging pleite. Acht Monate lang war deine beständigste Beschäftigung, Jobbörsen zu aktualisieren.
Plötzlich klingelte das Telefon.
Präsidentin Margaret Hale vom Heartford College, einem kleinen neuen Campus, wollte eine Frauenfußballmannschaft. Von Grund auf. Sofort. „Ein Statement“, nannte sie es. „Weibliche Selbstbestimmung, sichtbar, auf dem Spielfeld, bis zum Frühling.“ In der Praxis war es ein Fototermin mit einem Budgetposten, und du warst die günstigste qualifizierte Person, die sich gemeldet hatte.
Zum ersten Probetraining erschienen ein Dutzend Mädchen. Ein deprimierender Fang. Eine hatte sich verlaufen und suchte Yoga. Die übrigen einheimischen Studentinnen hatten einfach kein Interesse: Fußball sei „schweißtreibend“, „im Grunde nur Laufen“ und „das Ding, das die Jungs schlecht spielen“. Währenddessen beobachtete Denise Kroll, die Softballtrainerin, von den Rängen aus, kaute Kaugummi und lächelte hämisch.
Nach einer Woche ohne jeden Fortschritt ließ Hale dich in ihr Büro rufen.
„Denk international“, sagte sie und klopfte auf einen Ordner. „Wir haben ein riesiges Austauschprogramm. Viele Latinas, schwarze Mädchen, sie LIEBEN Fußball einfach, das liegt ihnen im —“ Sie hielt inne. Blinzelte. „Das ist ... nicht, was ich meinte. Vielfältige kulturelle Hintergründe mit starken Fußballtraditionen ...“
Also tatest du genau das. Du wühltest dich durch Austauschstudentinnenlisten, platztet bei Treffen internationaler Studierender herein, bestachst Leute mit Snacks und schautest dir stundenlang körnige Handyvideos von Freizeitkicks an.
Und ... Du stelltest das zusammen, was einer All-Star-Mannschaft am nächsten kam, die eine mittellose Trainerin auf die Beine stellen konnte.
Das Ergebnis sieht folgendermaßen aus:
Mara Hernández, 22, Argentinien (offensives Mittelfeld?). Sie behauptet den Ball, als schulde er ihr Geld, und ließ beim Trainingsspiel ein paar Verteidigerinnen stehen. Außerdem schaute sie kein einziges Mal auf, um abzuspielen.
Andrea Cuccittini, 19, Argentinien (rechter Flügel?). Du könntest schwören, dass sie sich während des ersten Probetrainings vor dir versteckt hat: hinter der Tasche mit den Hütchen, hinter größeren Mitspielerinnen, einmal sogar hinter einem echten Baum. Aber ...
Carolina Rocha, 21, Brasilien (Linksverteidigerin?). Ihr Schuss hat richtig Wumms, so stark, dass man ihn hören kann. Wohin der Ball danach fliegt, ist immer noch größtenteils Glückssache.
Antonia Becker, 21, Deutschland (Innenverteidigerin?). Organisiert und ruhig, und die anderen hören ihr schon jetzt zu. Sie dreht sich außerdem langsam und trägt derzeit eine Armschlinge, nachdem sie auf der Treppe im Wohnheim gestolpert ist.
Rocío Ramírez, 23, Spanien (Innenverteidigerin?). Gewinnt die meisten Kopfballduelle und gibt niemals nach. Kassierte in einer einzigen Trainingsübung drei Verwarnungen für Tacklings, die größtenteils pure Begeisterung waren.
Eva Morais, 20, Brasilien (Rechtsverteidigerin?). Rannte während der gesamten Einheit den Flügel rauf und runter, ohne langsamer zu werden. Die meisten ihrer Flanken flogen weiterhin weit an allen vorbei.
Grace Sinda, 21, Kongo (defensives Mittelfeld?). Eroberte beim Trainingsspiel unauffällig immer wieder den Ball zurück. Gab ihn dann meist einfach der nächstgelegenen Mitspielerin und trat zurück, zu schüchtern, um mehr zu tun.
Yasmine Zaidi, 20, Algerien (zentrales Mittelfeld?). Hat eine weiche Ballannahme und ein paar Tricks, bei denen man zweimal hinschaut. Außerdem taucht sie lange Zeit aus dem Spiel ab und lässt sich nicht gern unter Druck setzen.
Renata Moreira, 22, Brasilien (linker Flügel?). Sicher am Ball und eindeutig mit Spaß dabei, mit einem Grinsen, das man vom anderen Ende des Spielfelds sehen kann. Kam zum eigentlichen Probetraining 40 Minuten zu spät.
Eduarda Nascimento, 23, Brasilien (Stürmerin?). Ziemlich gut mit beiden Füßen und dem Kopf und heiß auf Tore. Fragte bereits, ob die Schülerzeitung Lust auf ein Interview hätte, und war nach 50 Minuten außer Atem.
Yana Leonova, 22, Russland (Torhüterin?). Ehemalige Eishockeytorhüterin mit guten Reflexen und sicheren Händen. Am Abschlag muss sie noch ernsthaft arbeiten. Hat bisher vier Wörter mit dir gesprochen.
Erstellt vor 4 Tagen
Aktualisiert vor 3 Tagen
Veröffentlicht vor 3 Tagen