Gaz

Aus dem Englischen übersetzt

Gaz

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Die Nacht war zu still.

Gus lag seit zwei Stunden auf dem Dach einer verlassenen Bäckerei und atmete den Geruch von Heizöl und Rost ein. Seine Wange war gegen den Kolben gedrückt, seine Finger waren vor Kälte taub, aber er bewegte sich nicht. Unten, hinter dem rostigen Zaun, stand ein ordentliches, sogar gepflegtes zweistöckiges Haus, als wäre es direkt aus einem Bild in einem Geheimdienstbericht kopiert worden.

Fenster: eines oben, zwei unten. Hinter den Vorhängen glomm ein schwaches, kränkliches Licht, als würde eine Vierzig-Watt-Birne ihre letzten Minuten durchleben.

Das Funkgerät knackte, und deine Stimme schnitt durch das Rauschen:

– „Gus, kommen. Status?“

Trockene Blätter raschelten unter ihm, als er seine Position verlagerte. Seine Antwort kam fast wie ein Hauch:

– „Vor Ort.“

– „Ziel bestätigen.“

Gus atmete langsam ein und legte sein Auge wieder an das Zielfernrohr. Das Fadenkreuz blieb auf der Fassade. Nur ein Haus. Weiße Farbe, die um die Veranda herum abblätterte. Ein altes Auto, das im Schlamm versunken war. Die Lichter in den Fenstern brannten stetig, ohne zu flackern.

Hier war Leben, aber es war entweder gegangen oder hatte gelernt, so zu tun, als wäre es nicht so.

Das Licht hinter dem Vorhang verschob sich. Nur ganz leicht, als wäre jemand vorbeigegangen, ohne ins Blickfeld des Fensters zu treten.

Er erstarrte.

– „Ich habe das Ziel im Blick“, sagte er leise, fast als würde er seinen eigenen Worten nicht glauben.

Aufklärung war die Kunst, das ganze Team fünf Sekunden vor der Explosion zu beruhigen.

Wenn sie sagten: „Kein Widerstand zu erwarten“, dann wurde hinten an der Tür bereits ein zusätzliches Magazin geladen.

Und wenn im Bericht stand, es gäbe keine Zivilisten, dann zähl verdammt noch mal selbst. Und am besten zweimal.

Gus traute seinen Ohren nicht. Sie hörten immer, was man ihnen sagte zu hören.

Gus traute seinen Augen. Sonst nichts.

Du hattest ihn acht Jahre lang über Funk gehört. Du wusstest, wie er Häuser betrat, in denen alles sauber aussah, und drinnen Leichen fand. Wie er flüsterte, alles sei klar, und dann als Erster die Tür eintrat.

Gus war einfach ein zu guter Mensch. Zu menschlich für diese Arbeit, obwohl er sie schon viel länger machte als du. In seinem Beruf konnte dir das das Leben kosten.

Er ließ immer eine Hintertür für ein Kind oder einen betrunkenen alten Mann. Egal, wie oft du ihm sagtest, er solle nicht zögern, er blieb still und machte die Dinge auf seine eigene Art.

Jetzt, durch das Wärmebildvisier, sahst du dasselbe wie er. Eine Gestalt, die sich in der Nähe des Tisches bewegte. Eine weitere, die im Schatten neben dem Kühlschrank stand.

Du wusstest, was er dachte.

Weil du ihn besser kanntest, als du jemals hättest sollen.

Gus erhöhte die Vergrößerung und bekam das Küchenfenster scharf. Aus dieser Entfernung konnte er das Muster auf den Tellern nicht erkennen, aber er sah die kontrastierenden Formen. Zwei blasse Kreise auf der dunklen Arbeitsplatte. Einer war leer; auf dem anderen war ein ungleichmäßiger dunkler Fleck, der wie halb gegessener Brei aussah. Daneben stand eine bunte Tasse mit einem Muster, das selbst durch das Visier fast kindlich wirkte.

Deine ungeduldige Stimme zischte durch das Funkgerät:

– „Was zur Hölle siehst du dir da an? Erschieß ihn.“

In genau diesem Moment glitt sein Finger vom Abzug, aber er schaute weiter zu.

Eine Frau erschien im Fenster. Mindestens vierzig, mit grauen Strähnen im Haar, das ungleichmäßig über ihre Schultern fiel. Sie trug einen alten, verblichenen Morgenmantel, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, was dünne Arme freilegte. Sie nahm den Teller und trug ihn zum Spülbecken, ohne zum Fenster zu schauen, als hätte sie sich daran gewöhnt zu glauben, dass sich niemand jenseits des Zauns im Dunkeln versteckte.

Dann erschien ein Kind, das sich zum Halt an der Tischkante festhielt. Ein Junge, nicht älter als fünf.

Gus konnte nicht hören, was sie sagten, aber er sah, wie sie lächelte und dem Jungen sanft über den Kopf strich.

Er schluckte.

Dann nahm er langsam sein Auge vom Visier und drückte die Sprechtaste.

– „Ich schieße nicht auf Mütter und Kinder. Feuer abgesagt.“

Du kontertest gereizt:

– „Was zur Hölle soll das heißen? Wir haben Befehle.“

Du kontertest gereizt:

– „Was zur Hölle soll das heißen? Wir haben Befehle.“

Gus drehte langsam den Kopf zu dir. In seiner Stimme lag keine Lust zu streiten, nur die schwere, fast wütend machende Ruhe eines Mannes, der seine Entscheidung bereits getroffen hatte und nicht die Absicht hatte, Energie zu verschwenden, um sie zu rechtfertigen.

Führ ihn war ein Befehl nie heilig gewesen, nur weil er ein Befehl war. Befehlen folgte man, solange sie Sinn ergaben. Und gerade jetzt sah er kein abstraktes Ziel. Er sah eine Frau und ein Kind. Er hatte zu lange unter Menschen gearbeitet, um sich von ein paar Zeilen in einem Geheimdienstbericht vom Gegenteil überzeugen zu lassen.

Er umklammerte das Gewehr fester und richtete seinen Blick wieder auf das Haus. Zwei vertraute Kräfte stießen bereits in ihm zusammen: die Disziplin, die ihm in Fleisch und Blut übergegangen war, und ein Verantwortungsgefühl, das ihn nicht hinter den Entscheidungen anderer verstecken ließ.

Er verstand die Konsequenzen vollkommen. Er wusste, dass er sich danach würde erklären müssen, vielleicht sogar für die Gefährdung der Operation würde geradestehen müssen. Aber etwas anderes wäre schlimmer gewesen: den Abzug zu drücken und dann den Rest seines Lebens damit zu verbringen, sich selbst davon zu überzeugen, dass es einfach Teil des Jobs gewesen war.

Dazu war er nicht bereit.

– „Befehle sind verdammter Scheiß“, sagte er stur, klickte den Schalter um und schaltete das Funkgerät ab.

Erstellt Aug 14

Aktualisiert Aug 14

Veröffentlicht Aug 14

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