Ghost

Aus dem Englischen übersetzt

Ghost

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Die Kühle der Nacht spielt mit deinem Haar.

Deine Gedanken kommen in zackigen, splitternden Fragmenten, als hätte jemand rücksichtslos den Film der Erinnerungen und Ängste zerrissen. Sie haken sich ineinander, stoßen zusammen, stolpern, und mit jedem Aufprall zieht sich der Sog in deinem Solarplexus enger zusammen – unangenehm, fast körperlich, als hätte sich etwas Zähes hinter deinen Rippen festgesetzt, das sich langsam ausbreitet und alles in dir ausfüllt.

Er steht hinter dir.

Er bewegt sich nicht. Keinen Schritt, keinen Atemzug, nicht einmal das leise Rascheln von Stoff, das etwas Menschliches verraten könnte, etwas Lebendiges. Er spricht nicht, ruft nicht deinen Namen, fragt nicht, fordert nicht – er ist einfach da.

Zwei oder drei Meter entfernt stehend, und doch wird seine Präsenz fast greifbar: Du spürst sie entlang deiner Wirbelsäule, am Hinterkopf, in jeder Zelle, die plötzlich schmerzhaft wachsam geworden ist. Du spürst das klebrige Gewicht seines Blicks, der auf der Rundung deiner Schulter verweilt, auf der Linie deines Halses, wo dein Haar kürzer fällt – und ein stechender Reiz steigt tief aus deinem Magen auf und zwingt deine Finger, deine eigenen Unterarme fester zu umklammern.

„Hör auf“, schleuderst du in die Dunkelheit des Zimmers, und deine Stimme kommt härter heraus, als du beabsichtigt hast. Heiser, verratend, wie lange du diese stille, fast unverschämte Präsenz hinter dir schon erträgst.

Eine Pause.

Sie dauert gerade lange genug, dass du deinen eigenen Atem hören kannst – zu laut. Zu schnell.

„Was genau?“, fragt er schließlich, und in seiner Stimme liegt keine Verstellung. Er stupst an. Sanft, fast unmerklich, doch so, dass er dir keinen wirklichen Ausweg lässt, außer dich völlig zu verschließen oder zu sprechen. Es macht es schlimmer. Ein Kloß steigt dir in den Hals, denn so erbärmlich es auch scheinen mag –

Du bist immer noch hier.

Du fühlst immer noch.

„Starren.“

Ein kurzes, rohes, fast unanständiges Wort hängt in der Luft – nackt, wie eine Glühbirne ohne Schirm – und endlich drehst du den Kopf gerade genug, um seine Silhouette aus dem Augenwinkel zu erfassen.

Er steht da und lehnt am Türrahmen – eine Haltung, die entspannt wirken sollte, doch selbst in der Ruhe bleibt er irgendwie falsch. Du willst wegsehen, aber du kannst nicht, und auch das fühlt sich wie ein Teil der Strafe an: hinzusehen, was du fast zerstört hast, und zu erkennen, dass er immer noch hier ist.

Er erinnert sich an alles. Deine zitternden Finger am Abzug – dieselben Finger, die auf seine Wunde drückten. Stumm, nur atmend – keine Vorwürfe, keine Reue, einfach jede Emotion aufnehmend.

Er antwortet nicht. Die Stille zwischen euch drückt schmerzhaft gegen deine Schläfen, deine Brust, zwingt dich, tiefer zu atmen als nötig, als gäbe es plötzlich weniger Luft.

Du hältst nicht durch.

Natürlich nicht – denn du gibst immer zuerst nach. Immer. Sogar bevor es wirklich beginnt. Die bittere Wahrheit breitet sich auf deiner Zunge aus, während du dich scharf abwendest, als würdest du Augenkontakt brechen, der gar nicht mehr da war, zum Fenster gewandt, zur Dunkelheit – irgendetwas, nur um nicht zu spüren, wie sein Blick auf deiner Wange liegt, deinem Hals, dieser Stelle unter deinem Ohr, wo dein Puls rast.

Deine Hände gehorchen dir nicht mehr. Tastend findest du eine zerknitterte, halbleere Zigarettenschachtel in deiner Tasche, ein einzelnes Feuerzeug, das in der Ecke vergraben liegt. Deine Finger zittern vor demütigender Schwäche, bleiben an Pappe hängen, am Filter – als würde selbst diese einfache, tausendfach wiederholte Handlung etwas Unmenschliches verlangen, als hätte dein Körper beschlossen, sich für jeden vergangenen Fehler selbst zu bestrafen.

Er hält dich nicht auf.

Du spürst seinen Blick auf deinem Rücken, als du eine Zigarette herausziehst, sie an die Lippen führst, das Feuerzeug suchst. Schneller als sonst, schärfer als dir lieb ist.

Klick.

Die Flamme lodert auf. Für einen Moment zieht sie deine Finger aus der Dunkelheit: blasse Knöchel, dünne Linien alter Narben, ein schwaches Zittern, das nicht nachlässt, selbst als die Flamme ruhig wird. Das Feuerzeug bebt mit deiner Hand – nervös, pulsierend, wie ein zweiter, beschleunigter Herzschlag in deinem Handgelenk.

Du nimmst den ersten Zug fast sofort. Gierig, tief – als könnte er irgendwie den Lärm im Inneren einebnen, als könnte der Rauch die Leere füllen, die nach diesem Schuss gewachsen ist, nach dem Blut an deinen Händen, nach seinem Schweigen im Hubschrauber. Heiße, beißende Luft flutet deine Lungen, verbrennt deinen Hals, und für eine Sekunde wird es leichter – nur für eine Sekunde, bis du ausatmest.

„Zufrieden mit dir?“ Seine Stimme ist jetzt näher.

Du atmest den Rauch zur Seite aus, ohne ihn anzusehen.

„Das geht dich nichts an.“ Die Lüge sickert aus jedem Wort – du weißt das ganz genau. Aber du kannst es nicht anders sagen.

Ein Schritt.

Du hörst ihn, ohne zu sehen.

„Doch“, antwortet er ruhig, als würde er über das Wetter sprechen oder über kalten Tee. Als trüge er nicht frische Stiche unter seiner Jacke, die bei jedem Atemzug ziehen. Nur „doch“. Punkt.

Noch ein Schritt.

Jetzt steht er direkt hinter dir. Wärme. Gewicht. Druck, der ein Schaudern über deine Haut schickt.

Die Zigarette wird das Einzige, was dir gehört. Du hältst sie fester, als nötig.

„Fang nicht an“, murmelst du, leiser jetzt, die Schärfe ist fort. In deiner Stimme ist ein Riss. Du hasst dich dafür, nicht so gleichmäßig sprechen zu können wie er. Jedes Wort kommt jetzt mit einer fast lautlosen Bitte aufzuhören heraus.

Er lehnt sich näher. Du spürst es daran, wie die Luft an deinem Nacken sich verschiebt.

„Glaubst du wirklich, das hilft?“ murmelt er. Er weiß, dass es nicht hilft. Du weißt es auch. Aber wenn du es laut zugibst, bleibt nur eine Wahrheit: Du zerstörst dich langsam selbst, weil du dir nicht verzeihen kannst, ihn fast getötet zu haben.

Ein hysterisches Lächeln entweicht dir.

„Es muss nicht helfen. Ich brauche es, um—“

Du beendest den Satz nicht.

Seine Hand fängt dein Handgelenk.

Nicht grob.

Grob wäre einfacher.

Fest. Sicher. Kein leichter Ausweg. Er spürt deine Angst. Zählt sie. Einhundertzwölf, einhundertzwanzig, einhundertdreißig Schläge..

Und das nur von seiner Berührung.

Die Zigarette erstarrt einen Zentimeter vor deinen Lippen, die glühende Spitze fast deine Unterlippe streifend, aber du kannst die letzte Bewegung nicht machen. Er lässt dich nicht. Seine Handfläche schließt sich fester um dein Handgelenk, Wärme sickert durch deine Haut, breitet sich durch deine Adern aus, bis zum Ellbogen – und du beginnst dich dafür zu verachten, wie dein Körper auf ihn reagiert, wenn er es absolut nicht sollte.

Deine Augen brennen.

Wenn du blinzelst, wird eine Träne fallen. Du siehst weg, überallhin nur nicht zu ihm. Dein Blick flackert von einer Ecke zur anderen.

Du wirst still.

Dein Atem stockt.

„Lass los“, sagst du, leiser jetzt, aber die Anspannung liegt in jedem Laut.

Er lässt nicht los.

Stattdessen wird sein Griff leicht fester und hält dich an Ort und Stelle. Sein Daumen legt sich auf die Innenseite deines Handgelenks, genau über deinen Puls, drückt – nicht schmerzhaft, eher wie eine wortlose Behauptung.

Er entscheidet jetzt.

Dann, ruhig – fast beiläufig – nimmt er dir die Zigarette aus den Fingern.

Du siehst zu, ungläubig, als hättest du nicht erwartet, dass er es tatsächlich tut. Du wehrst dich nicht. Du kannst dich überhaupt nicht bewegen – seine Nähe lähmt dich, schaltet deinen Willen ab, lässt nichts übrig.

Er hat es nicht eilig.

Eine Sekunde. Er hält sie zwischen den Fingern, sein Blick streift über dich, prüft deine Reaktion. Wirst du zuschlagen? Zusammenbrechen?

Er lässt sie auf den Boden fallen.

Die glühende Spitze berührt die kalte Oberfläche, erlischt.

„Verboten.“ Ein Wort.

Erstellt 20. Apr.

Aktualisiert 20. Apr.

Veröffentlicht 20. Apr.

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