Der dunkle Tyrann

Aus dem Englischen übersetzt

The Dark Tyrant

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"Liebe und Hass sind zwei Seiten derselben Medaille, jede vermag uns in etwas Unkenntliches zu verwandeln." Edgar Allan Poe

Als du ihn zum ersten Mal kanntest, warst du so jung und dumm, er auch, und das ließ dich ihn umso mehr lieben. Ihr erkundetet eure Persönlichkeiten, Vorlieben, Abneigungen, Sexualitäten und eure tiefsten, aufrichtigsten Leidenschaften. Er war deine erste Liebe, du warst seine, doch mit der Zeit veränderte sich etwas. Vielleicht warst es du, vielleicht war er es, vielleicht trieben die Zeit und andere Einflüsse einen Keil zwischen euch. Die Nächte, die ihr damit verbrachtet, über euer gemeinsames Leben zu sprechen, bedeuteten nichts, als du dich zum letzten Mal verabschiedetest. Über die Jahre hinweg suchte er den Kontakt zu dir, doch verlorene Liebe wird oft von einem verschmähten Herzen begleitet; ob aus Stolz oder Verrat, du wiesest ihn ab und irgendwann ignoriertest du seine Bitten vollkommen. Es war kindisch von ihm, wie viele Jahre waren es gewesen, und wie viele mehr würde es brauchen, bis er über dich hinwegkäme? Die Zeit lief weiter, wie sie es immer tut, du verfolgtest deine Ziele, scheitertest und hattest Erfolg im Leben wie alle anderen und fandest dich mal zufrieden, mal unzufrieden wieder. Wie lange war es jetzt her, weit über ein Jahrzehnt, keine Bitten mehr kamen und kein Wort mehr geflüstert wurde. Wenn du je an ihn dachtest, würdest du ihm keine Anerkennung schenken, niemals. Die Tage verschwimmen, während deine Arbeit dein Leben vorantreibt, zum Besseren oder Schlechteren, du hast ihn völlig hinter dir gelassen. Genau da änderte sich alles.

Die politische Bewegung kam schnell und fegte über das Land wie ein harter Winterwind, der wie ein Messer schnitt, sodass niemand sie ignorieren konnte. Die Positionen waren nicht extrem in die eine oder andere Richtung, zumindest anfangs nicht. Mitglieder der Bewegung schritten mühelos durch die Türen der politischen Ämter, und schon bald wurden sie als die Aufstrebenden statt als Randgruppe und vorübergehende Erscheinung anerkannt. An ihrer Spitze stand eine Drehtür charismatischer, aber wenig angesehener Anführer, die ihre Ziele vorantrieben, aber nie einen ernsthaften Versuch unternahmen, als Galionsfigur zu bleiben; jene wenigen Abweichler sagten, es sei ein Täuschungsmanöver, um die Blicke von der wahren Führung abzulenken.

Wahlen kamen und gingen, und mit jedem Amt, das sich ihrem Einfluss zuwandte, verschob sich auch die nationale Persönlichkeit. Mitglieder handelten mit Eifer und Macht, zeigten löwenhafte Tapferkeit angesichts von Widerstand, als wüssten sie, was kommen würde. Da wurden die Maskerade und der Schleier gelüftet. Du warst zu Hause und zapptest durch ein Dutzend Programme, als das Gesicht von jemandem, den du erkanntest, als neuer Anführer dieser politischen Organisation verkündet wurde, er.

Seine Augen waren ein wunderschöner Haselnusston, ein Gelbgrün umrahmt von Braun; es erinnerte dich an jene nächtlichen Facetime- und Webanrufe. Doch seine Augen waren nicht weich und einladend wie du sie in Erinnerung hattest, aber wir waren damals doch nur Kinder, oder? Seine Augen waren die eines Raubtiers, scharf und prüfend, als wollte er die Menschen, die er bei dieser ersten Pressekonferenz vor sich sah, körperlich auseinandernehmen. Seine Stimme war jetzt tiefer, ein kalkiger und exakter Ton, wo war jener allgegenwärtige komödiantische Unterton, den du in Erinnerung hattest? Du erinnerst dich an jene Nächte, die ihr zusammen auf dem Dach verbrachtet, wie ihr euch gegenseitig eure abgedrehten Ideen und Erklärungen anhörtet; er war damals immer ein Spaßvogel, als du jung warst. Wie sehr kann sich jemand verändern, was könnte ihn derart verändern?

Er sprach mit jener Autorität, von der man bei Menschen hört, die Diktaturen und despotischen Nationen der Dritten Welt entkommen sind; der Anschein der Neutralität seiner Organisation wurde über Bord geworfen, als seine Aggression klar wurde. Wäre er nicht der gewesen, der er war, hättest du dich abgewandt, aber das war er nicht. Er sprach über die Schwäche des Landes, den säurehaltigen Ruin, in dem es sich befand, die Macht ihrer Rivalen, das stets gegenwärtige Feuer vergangener Herrlichkeiten, das wieder entfacht werden könnte; alles, was die Nation tun müsse, sei, ihn zum Anführer zu wählen. Du weißt, was er ist, was er geworden ist, oder zumindest dachtest du das. Du erwartetest, dass die Medien mit Abscheu reagieren würden, doch mit jedem Wort wurden ihre Augen immer verschwommener und dann blind. Du erwartetest eine nationale Panik angesichts seiner offensichtlichen Revision der politischen Haltung, aber niemand schien es zu bemerken oder sich darum zu kümmern. Seine Popularität wuchs, während er von Bühne zu Bühne schritt, um vor einem Podium und einer immer größer werdenden Menschenmenge zu stehen. Die Wahl kam und ging, das Ergebnis war erstaunlich, aber eindeutig.

Diejenigen, die mit ihm nicht übereinstimmten, diejenigen, die abwichen, diejenigen, die sich äußerten, und diejenigen, die ihm nicht hartnäckig folgten, schlossen sich der Menge seiner stetig wachsenden Anhängerschaft an. Das Land veränderte sich um dich herum Nacht für Nacht mit den seltsamen Vorkommnissen staatlicher Behörden. Auch die Menschen veränderten sich; diejenigen, die nicht laut und aggressiv wurden, wurden still und mitwissend. Du sprachst dich aus, endlich zu weit getrieben von dem Bizarren und Verabscheuungswürdigen, du machtest deine Haltung allen um dich herum klar. Er war ein Tyrann, ein Übel, dem man widerstehen musste, er war alles, wogegen deine Kultur dich geprägt hatte. Du erwartetest, für deine Ausbrüche verletzt oder getötet zu werden, der erste Märtyrer in einem Krieg des Widerstands, aber das geschah nie. Du schliefst nachts ohne die Ankunft einer Geheimpolizei, du gingst ohne Schaden durch die Straßen, du lebtest einfach dein Leben weiter.

Du warst dir nicht sicher, wann es geschah, aber du fandst dich in einem Flur sitzend wieder, dein Verstand taumelte von Amnesiemitteln. Männer und Frauen in Anzügen waren an Schlüsselpositionen vor jeder Tür links und rechts von dir postiert. Du saßest dort mehrere Minuten, setztest langsam deine Fähigkeiten zusammen, während du sanft von deinem Platz gezogen und durch eine Tür am Ende des Flurs geführt wurdest. Als man dich hineingeleitete, durchdrang eine harte Dunkelheit den Raum und deine Augen, die sich noch von welchen Drogen auch immer in deinem System erholten, konnten sich nicht völlig daran gewöhnen. Du saßest auf einem Stuhl, und vor dir lehnte sich eine Gestalt vor,"Lasst uns allein." Der Ton war sanft, und du konntest die Stimme fast erkennen. Dann, als die Tür sich schloss und deine Augen den langsamen Weg der Anpassung an die Dunkelheit begannen, wurde das Gesicht der Gestalt klar. Wie viele Jahre waren es gewesen? Seine Popularität wurde durch sein relativ junges Alter nicht beeinträchtigt, aber es war einige Zeit her, seit du seine gutaussehenden Züge gesehen hattest. Er sprach nicht, er beobachtete, etwas Dunkles lag hinter seinem raubtierhaften Blick, aber er wartete, ein kleines Gefühl der Angst wurde deutlich. Aber er war es nicht wirklich, nicht mehr.

Erstellt 23. Feb.

Aktualisiert 23. Feb.

Veröffentlicht 23. Feb.

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