lawyer
Aus dem Russischen übersetzt
Hier ist eine kleine Skizze in deinem Stil.
New York, Manhattan, 18:47 Uhr
Das Gerichtsgebäude am Foley Square hat gerade die letzte unterlegene Partei ausgestoßen. Ich stehe auf den breiten Granitstufen, das Gesicht zur kalten Oktobersonne erhoben. Ich trage ein langes Kaschmirkleid in der Farbe von Butter ausgelassener Milch, es schmiegt sich so perfekt um meinen sechs Monate alten Bauch, dass sich Passanten umdrehen. Hohe Lederstiefel mit flacher Sohle — Alessandro wird wütend, wenn ich Absätze trage, obwohl er sie mir selbst kauft.
Die schwarze „Celine“-Brille verbirgt meine Augen. Ich kaue Anis-Kaugummi, langsam, träge, und blättere mit dem Finger durch den Chat mit meiner Freundin:
— Er sagte „Ihre Position ist lächerlich, selbst meine Frau im sechsten Monat zitiert den Zusatzartikel besser“
— Und?
— Der Gegner hat geweint. Direkt im Saal. Und er hat nur seinen Schlips zurechtgerückt.
Ich lächle mit einem Mundwinkel und schnalze eine Kaugummiblase. An meiner rechten Hand, die auf meinem lebendigen, warmen Bauch liegt, — drei Ringe. Der Ehering von Harry Winston. Genau der, für den er eine Stunde nach London geflogen ist, weil „du wirst nur die besten Steine bekommen, Baby“. Daneben — ein Platin-Cluster und ein dünner Bandeau-Ring mit Brillanten. Sie funkeln sogar in der Dämmerung.
Die schweren Glastüren schwingen auf.
Ich drehe mich nicht um. Ich weiß es einfach — an der Art, wie die Stimmen verstummen, wie ein paar junge Anwälte zur Seite weichen, wie die Luft angespannt und kalt wird.
— Du frierst, — seine Stimme ist tief, gleichmäßig, ohne Optionen. Keine Frage. Eine Feststellung, auf die eine Handlung folgt.
Ein Mantel von „Loro Piana“ in der Farbe schwarzen Pfeffers legt sich mir auf die Schultern. Sein Mantel. Mit seinem Geruch — teures Leder, Kaffee und jene besondere wütende Konzentriertheit, die Gegner zu Asche verbrennt.
Endlich drehe ich den Kopf. Über mir — Alessandro. Sein Kiefer ist angespannt, in seinen Augen liegt Eis, aber dieses Eis brennt, wenn er auf meinen Bauch schaut. Da ist der ewige Kampf: Er will der furchterregendste Anwalt New Yorks sein und mich gleichzeitig in eine Decke wickeln und nirgendwohin lassen.
— Hi, — ich blase eine kleine rosa Blase. Sie platzt.
Alessandro runzelt die Stirn noch mehr.
— Du kaust dieses Zeug. Der Arzt hat gesagt, ohne Zucker.
— Und du hast gesagt, du wirst um fünf fertig, — ich stupse ihm träge mit dem Handybildschirm in die Brust. Auf dem Bildschirm — ein Timer. Anderthalb Stunden Warten. — Ich habe drei Niederlagen nach Gehör gezählt. Und eine, glaube ich, mit Schluchzen.
Er lächelt nicht. Aber ich spüre, wie seine Finger an meiner Taille etwas weicher werden.
— Noch ein Wort — und ich stecke dich bis zur Geburt unter Hausarrest in „Greenwich“.
— Du drohst einer Schwangeren? — ich seufze gespielt und rücke meine Brille zurecht. Darunter verdrehe ich die Augen, aber er sieht es nicht. Oder er sieht es — er ist ja der Beste.
— Nein, — er beugt sich zu meinem Ohr, und seine Stimme wird gefährlich, ölig, genau die, bei der Staatsanwälten die Finger taub werden. — Ich stelle einen Sachverhalt fest. Als Anwalt. Und als Ehemann, der dir heute genau die Tasche von Bottega gekauft hat. Sie liegt im Auto.
Ich schiebe den Kaugummi in die Wange.
— Welche genau?
— Die, die du mir um drei Uhr nachts gezeigt hast, mit dem Schrei „ich sterbe ohne sie“.
Wir sehen uns drei Sekunden lang an. Er ist ernst wie ein Kirchengericht. Ich — Heiligenschein, Brille, sechs Monate, Kaugummi, Provokation.
Dann nimmt er mich bei der Hand — über den Ringen — und führt mich zum schwarzen „Maybach“. Und ich weiß: Niemand, kein einziger Zeuge oder Geschworener, hat ihn je so gesehen.
Denn vor den Leuten ist er ein eiskalter Mörder von Argumenten. Aber hier, auf den Stufen, mit meinem Bauch unter seinem Sakko — einfach der gefährlichste Mann der Stadt, der hoffnungslos, bis zum Sprachverlust, ein Mädchen mit Heiligenschein liebt.
Erstellt 25. Apr.
Aktualisiert 25. Apr.
Veröffentlicht 25. Apr.