Simon Riley
Aus dem Englischen übersetzt
An diesem Abend saßest du auf einer Betonstufe an der Straße und spürtest, wie der kalte Wind durch den Stoff deiner Uniform schnitt, als könnte selbst die dicke Jacke keinen echten Schutz bieten gegen diese Feuchtigkeit, gegen diese beißende Luft, die deinem Körper jede letzte Kraft und Wärme zu entziehen schien. Der Schnee war längst geschmolzen und hatte nur feuchte Stellen auf dem Boden und einen grauen Film auf dem Asphalt hinterlassen. Schneematsch. Doch die Atmosphäre selbst schien von Kälte durchtränkt, und dir blieb nichts anderes übrig, als die verschränkten Arme fester an die Brust zu pressen, als könne das das Zittern fernhalten.
Aus dem nahen Gebäude drangen noch immer die Stimmen deiner Leute zu dir – kurze Befehle, Funkgerede, das Geräusch von Stiefeln auf verstreutem Geröll und leeren Patronenhülsen. Sie führten die Säuberung durch, prüften, ob keine „Kontakte“ überlebt hatten, sammelten Dokumente und Waffen ein – all das, was nach einem Überfall zur Standardprozedur gehörte. Du hörtest das alles durch ein Rauschen in den Ohren und ein seltsames Gefühl der Leere in dir, und versuchtest, nicht zu genau hinzuhören, weil die Erschöpfung dich mit einem Schlag überkommen hatte, direkt nachdem das Adrenalin verklungen war und du endlich begriffen hattest, dass du lebendig warst, dass die Mission vorbei war, dass du es geschafft hattest.
„Frierst du?“ – eine tiefe, gedämpfte Stimme erklang plötzlich neben dir, und du zucktest zusammen, als würdest du aus einer Trance erwachen.
Als du aufschautest, sahst du natürlich Riley: Er stand etwas abseits, die Maske wie immer auf, seine hohe Gestalt warf einen langen Schatten auf den Boden, wie eine weitere Erinnerung daran, dass er immer in der Nähe war. Ruhig, gefasst, während alle anderen vor Erschöpfung zusammenbrachen.
„Nur ein bisschen“, gabst du zu und zucktest leicht mit den Schultern, als wäre es nicht wichtig, obwohl du genau wusstest, dass dein Körper bereits deutlich zitterte.
Er setzte sich neben dich, die Bewegung schwer, bedächtig, als wären selbst seine Atemzüge in diesem Moment bewusst und sparsam, und reichte dir eine Feldflasche, die sich unerwartet warm anfühlte. Ha. Letztes Mal war kalter Bourbon darin gewesen.
„Tee. Nicht viel, aber er wärmt dich auf“, sagte er leise, und zum ersten Mal vernahmst du nicht nur die trockene Feststellung, sondern eine subtile Weichheit in seiner Stimme, als wäre durch das Krächzen und die Müdigkeit ein Hauch menschlicher Fürsorge gedrungen.
Du zögertest nicht. Du nahmst einen vorsichtigen Schluck; die Flüssigkeit war leicht bitter, schwach süß, aber heiß, und sie verbrannte dir Lippen und Kehle so scharf, dass dir Tränen in die Augen stiegen, und erst da begriffst du, wie durchgefroren du gewesen warst, wie verzweifelt du Wärme gebraucht hattest.
Von deinen zitternden Lippen kam ein kurzes „Danke“, geflüstert mit dem Kloß aus eisiger Luft. Du drücktest die Feldflasche fester an deine Hände, als wäre sie nicht nur ein Metallbehälter, sondern die einzige Wärmequelle in dieser grauen Welt, und die beißende Kälte begann sich langsam wie eine brennende Wärme in deinen Handflächen anzufühlen.
Er warf dir einen Blick aus dem Augenwinkel zu, wie beiläufig, und nickte leicht. Eine Weile saßt ihr einfach schweigend da, lauschtet dem Wind, der Staub über die Straße trieb, und dem fernen Stampfen von Stiefeln im nahen Gebäude.
„Erste große Operation“, sagte er etwas später, leise, fast zu sich selbst, aber du schafftest es, dich an diesen Worten festzuhalten. „Trifft immer härter, als du denkst. Das Adrenalin verfliegt, und was bleibt, ist Kälte, Zittern und Gedanken, die nicht loslassen.“
„Alte Erinnerungen?“ fragtest du mit einem schwachen, fast unsichtbaren Grinsen – nicht neckend, eher aus Neugier, und du sahst ihn von der Seite an, ohne Blickkontakt unter der Maske.
„Besser, wenn nicht“, stieß er hervor, doch in seinem Ton flackerte eine so tiefe Müdigkeit, dass sie keiner Erklärung bedurfte. Er sagte nichts weiter dazu, machte keine zusätzliche Geste, aber allein die Tatsache sprach lauter als Worte. Du senktest den Kopf und versuchtest, ein zitterndes Lächeln zu verbergen. Ehrlich gesagt reichten diese Worte allein, um ihm zu glauben, um nicht weiter zu fragen. Er neigte leicht den Kopf und fügte, diesmal weniger angespannt, hinzu: „Aber das ist es, was dich weitermachen lässt. Wenn du die erste überlebt hast, dann schaffst du auch die nächste.“
In der Stille nahmst du noch einen kleinen Schluck aus der Feldflasche, schlucktest langsam und atmetest den Dampf ein, als würdest du etwas Lebendiges einatmen. Das Brennen war willkommen, es brachte dich zurück in deinen Körper, aus dem du schon begonnen hattest, dich zu lösen.
Als er die Stille brach, klang seine Stimme routiniert, als würde er ein Schießergebnis auf dem Schießstand notieren – „Du hast dich gut gehalten.“
„Ich hab nur versucht, nicht auf die Fresse zu fallen“, gabst du zu.
Riley drehte den Kopf, sah dich an und streckte plötzlich die Hand aus, fast beiläufig. Mit den Knöcheln tippte er leicht auf deine Schulterpanzerung, auf den steifen Stoff, der noch immer Flecken von Staub und Ruß zeigte. „Siehst du? Alles heil. Nichts rausgefallen“, – seine Stimme klang fast träge, aber in diesem Satz lag eine Unterstützung, die dich von innen wärmte.
Erschrocken flatterten deine Wimpern, du wusstest nicht, ob du lachen solltest oder nicht, und deine Lippen zuckten zu einem richtigen Lächeln. „Nennst du das ‚aufmuntern‘?“
„Ja“, kicherte er unter der Maske. „Funktioniert doch, oder?“
Du hattest so viel darüber nachgedacht, wie es sein würde – es schien, als wäre es wie im Film: schnelllebig, spannend, rasche Schusswechsel, Adrenalin wie im Spiel. In Wirklichkeit war alles endlos, zäh; jede Bewegung erforderte Anstrengung, und das Adrenalin hielt nur die ersten paar Minuten an. Dann kam die Schwere in den Armen, den Beinen, dem Kopf, das Zählen von Schritten und Atemzügen, nur um nicht die Kontrolle zu verlieren, nur um mitzuhalten, nur um nicht zu zeigen, dass du am Limit warst.
Und jetzt, auf der Betonstufe sitzend, war die Schärfe der Hilflosigkeit zu viel für dich. Es blieb nicht einmal mehr Kraft zum Denken, und das Echo des Gefechts pochte noch immer in dir – die Schreie, kurze Befehle über Funk, das Klappern der Verschlüsse, das Krachen der Schüsse in engen Korridoren. Doch er sagte nichts darüber, dass du verloren aussahst. Machte keine Vorwürfe, tat nicht so, als würde er es nicht bemerken. Stattdessen gab er dir die Feldflasche, sagte ein paar einfache Dinge, tippte dir leicht auf die Schulter, richtete deinen Kragen.
Eine Sekunde später wurde die Stille vom scharfen, schnellen Geräusch eines Reißverschlusses durchbohrt, der die Luft teilte. Du begriffst nicht sofort, was geschah, bis er seine äußere Jacke auszog – die dunkle, schwere, die noch immer seine Wärme trug – und sie dir wortlos einfach über die Schultern legte. Er tat es, als wäre es eine weitere automatische Geste aus den Prozeduren, wie das Prüfen eines Magazins oder das Verstellen eines Riemens.
Der Stoff legte sich schwer auf deinen Körper, und instinktiv umarmtest du ihn mit den Händen, als hättest du Angst, er würde ihn zurücknehmen. Er roch nach Metall, Schießpulver, in den Stoff aufgesogenem Straßenstaub und noch etwas anderem – Trockenes, Warmes, kaum Wahrnehmbares, und doch so vertraut, dass du einen Moment lang desorientiert warst und plötzlich eine Sicherheit spürtest, die du lange nicht gekannt hattest.
„Adrenalin verfliegt schnell“, erklang seine Stimme leise, mit derselben ruhigen Gewissheit, die keine Bestätigung brauchte. „Dann bleiben nur Berechnung und ein kühler Kopf. Alles andere ist nur im Weg.“
Er sagte es, als wüsste er genau, was dich in der Stille quälte. Keine Fassade, nur nackte Wahrheit, die er selbst längst durchschritten hatte.
Und es fiel dir leichter zu atmen.
Erstellt 30. Sept. 2025
Aktualisiert 30. Sept. 2025
Veröffentlicht 30. Sept. 2025