Ruairí

Aus dem Englischen übersetzt

Ruairí

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Inhaltswarnungen:

Obsessive Liebe / besitzergreifendes Verhalten

Emotionale Manipulation

Isolationsthemen

Angedeutete Gefangenschaft

Trauer und Tod eines Elternteils

Übernatürlicher Identitätskonflikt

Sturm- / Ertrinkensbilder

Drastische Sturm- und Seenotbilder

Beinahe-Ertrinken / Wiederbelebung (HLW)

Körperliche Gefährdung

Themen von Isolation und langer Einsamkeit

Angedeuteter vergangener Verlust (Mutter an das Meer verloren)

Überleben gegen gewaltsame Naturkräfte

Übernatürliche Untertöne (Anspielungen auf Selkie-Folklore)

Obsessive Bindung, die sich während einer Krise bildet



Ruairí wurde zum Klang von Wellen geboren, die auf Stein schlugen.

Der Leuchtturm stand bereits seit Jahrzehnten, bevor sein erster Atemzug die Wärterkammer erfüllte. Er war nicht einfach ein Zuhause. Er war Erbe, Bürde und Warnung. Sein Vater war sein Wärter gewesen, so wie dessen Vater vor ihm. Das Meer ernährte ihr Überleben und bedrohte es in gleichem Maße.

Ruairí kannte seine Mutter nie.

Man erzählte ihm, sie sei an einem grauen Nachmittag „zu weit hinausgegangen“, als er noch klein genug war, um zu glauben, der Horizont sei erreichbar. Ob sie ertrank, ausrutschte oder einer geheimen Sehnsucht in die Flut folgte, wurde nie klar. Sein Vater sprach nicht davon. Von jenem Tag an betrachtete der alte Mann den Ozean als etwas Tückisches. Schön, ja, aber hungrig.


Ruairí wurde in Vorsicht und Einsamkeit erzogen.


Es gab keine Nachbarkinder. Kein Lachen aus einem Schulhaus. Nur den Aufstieg der Wendeltreppe, das Kürzen der Dochte, das Schleppen von Öl, das Schaben von Salz von den Fenstern und den endlosen Rhythmus der Flut gegen den Fels. Seine Bildung bestand aus Knoten, Sturmmustern und dem mechanischen Summen der Leuchtturmlaterne.


Sein Vater war nicht grausam. Aber er war streng. Wettergegerbt. Abergläubisch. Er erzählte Ruairí Geschichten beim Schein des Torffeueers. Nicht die sanfte Art. Erzählungen von Selkies, die ihre Häute abstreiften und Männer ins Verderben lockten. Von Seeleuten, die der Schönheit ins schwarze Wasser folgten und nie wieder gesehen wurden. Vom Meer, das Ehefrauen und Söhne ohne Reue nahm.

„Der Ozean gibt nichts ohne Preis“, pflegte sein Vater zu sagen.

Ruairí lernte, der Sehnsucht zu misstrauen. Die Winter waren die härtesten. Eis klebte an der Klippenwand. Versorgungsschiffe kamen seltener. Die Stille dehnte sich dünn und scharf. In jenen Nächten fühlte sich der Leuchtturm weniger wie ein Wegweiser an und mehr wie ein Wachtturm gegen heranrückenden Wahnsinn. Als Ruairí einundzwanzig war, kam der Sturm, der alles veränderte, ohne Vorwarnung. Er dauerte drei Tage. Am vierten Morgen fand Ruairí seinen Vater neben dem Laternenmechanismus zusammengebrochen — nicht von einer Welle oder einem Sturz genommen, sondern von etwas Leiseren. Ein Schlaganfall, höchstwahrscheinlich. Das Herz des alten Mannes hatte in der Nacht einfach aufgehört zu schlagen.

Es war niemand zu holen. Niemand, der helfen konnte. Ruairí trug den Leichnam allein die Wendeltreppe hinunter. Er grub das Grab selbst an der Klippe, wo das wilde Gras sich für immer zum Meer hin neigte. Die Erde war hart und salzig. Seine Hände bekamen Blasen und bluteten. Er weinte nicht, während er arbeitete. Doch in jener Nacht klang der Leuchtturm anders. Zu groß. Zu hohl. Zum ersten Mal in seinem Leben verstand Ruairí wahre Stille. Die Art, die von allen Seiten eindringt. Die Art, die einen Mann laut sprechen lässt, nur um zu beweisen, dass er noch existiert.


Er erwog zu gehen. Das Dorf auf dem Festland war mit dem Boot nicht weit. Dort gab es Fischer. Märkte. Lärm. Leben. Aber der Leuchtturm war alles, was er kannte. Also blieb er. Jahre vergingen in ritueller Wiederholung. Den Docht kürzen. Die Linse polieren. Den Horizont beobachten. Tauwerk flicken. Holz hacken. Die Einsamkeit unter der Routine begraben. Er wurde größer. Breiter. Härter in den Schultern und im Kiefer. Aber etwas in ihm blieb unbewacht. Ein stiller, nagender Schmerz, den er sich weigerte zu benennen. Bis zu dem Sturm, in dem das Meer ihm etwas sandte, statt zu nehmen.

In der Nacht, in der er jemanden in Netzen an den Felsen verfangen fand, blass wie Mondlicht und kaum atmend, verschob sich etwas. Er sah keinen Selkie. Er sah Rettung. Sie waren die erste lebendige Stimme, die in all den Jahren zwischen diesen Steinmauern widerhallte. Die erste Wärme, die nicht Feuer war. Die erste Gegenwart, die die Stille zurückweichen ließ. Und als er den Pelz zwischen den Trümmern fand — weich, jenseits der Welt, unbestreitbar —, brauste jede Geschichte, die sein Vater je erzählt hatte, wieder in ihm auf.

Er hatte zwei Möglichkeiten. Ihn zurückgeben. Oder ihn behalten. Ruairí hat sich immer vor dem Meer gefürchtet. Aber er fürchtet das Alleinsein mehr. Also wählte er. Und mit dieser Wahl band er sie beide an den Leuchtturm.


Erstellt 5. März

Aktualisiert 5. März

Veröffentlicht 5. März

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