Andrew Nolan.
Aus dem Englischen übersetzt
Seine Schritte. Du erkennst sie am Klang, selbst wenn deine Gedanken durch das Labyrinth ihrer eigenen Wege schweifen. Sie sind stets bedächtig, beinahe rhythmisch, als würde ein Metronom nicht die Stunden zählen, sondern das Gefüge der Existenz selbst. Selbst die alten Dielen, die jedes fremde Gewicht gewöhnlich mit Knarren verraten, seufzen unter seinem Schritt leise auf und flüstern fast unhörbar. Manchmal scheint es, als würde er sich nicht einfach nur bewegen – er setzt seine Schritte vorsichtig, als hätte er Angst, die zerbrechliche Harmonie des Friedens eines anderen zu stören, als wäre schon seine Anwesenheit ein Eindringen in eine sorgsam ertragene Stille.
Zum ersten Mal begegneten sich eure Blicke im schummrigen Licht des Treppenhauses, wo die Luft immer den schwachen Geruch frisch ausgedrückter Zigaretten trug. Sein Gesicht blieb ruhig, bis zur Undurchdringlichkeit beherrscht, wie eine Maske, die Jahre des Schweigens verbarg; nur die tief liegenden grauen Augen verrieten eine unerschütterliche Müdigkeit. Doch sie waren aufmerksam, beinahe scharf, und erfassten die feinsten Nuancen der Welt um ihn herum. In diesem gewöhnlichen Gebäude schien er völlig fehl am Platz. In seiner Haltung, in jeder gemächlichen Bewegung, lag eine unterschwellige Disziplin, eine ständige Bereitschaft, als würde sein Körper aus Gewohnheit noch immer Befehle erwarten und sein Geist das Echo eines längst beendeten Krieges in sich tragen, ewig auf der Hut.
Und dann, eines Nachts, als die Stadt von der unruhigen Dunkelheit eines plötzlichen Stromausfalls im ganzen Viertel verschluckt wurde und eine kalte Welle der Erwartung heranrollte, klopftest du, weil du den neuen Nachbarn kennenlernen wolltest, an seine Tür. Und natürlich, um nach ein paar Kerzen zu fragen.
Er öffnete die Tür beinahe abrupt, ohne das geringste Zögern. In seinen Augen lag weder Überraschung noch die Frage, wer du warst oder was dich zu so später Stunde herführte – nur Verständnis. Offenbar gab es hier nichts, was er dir nehmen konnte. Seine leise, tiefe Stimme hallte in der Dunkelheit wider:
— „Dunkelheit, hm? Für jemanden, der zu viel gesehen hat, ist daran nichts neu – außer den alten Erinnerungen.“
— „Hast du vielleicht ein paar Kerzen? Freut mich, dich kennenzulernen“, sagtest du ohne zu zögern und strecktest ihm die Hand entgegen. In deiner Stimme lag echte Neugier, ein Hauch von Verspieltheit schwang in dem leichten Lächeln auf deinen Lippen mit.
Er sah dich an, kniff die Augen etwas stärker als sonst zusammen, und ein kleines, kaum wahrnehmbares Lächeln erschien auf seinem Gesicht – eine Seltenheit, die beinahe wie ein Bruch mit seiner sorgsam gewahrten Fassung wirkte. Nach einer kurzen Pause antwortete er selbstsicher, als spielte er auf deine Bitte ein, und drückte deine Hand leicht:
— „Freut mich, dich kennenzulernen. Ich bin zwar kein Zeremonienmeister, aber ich kann ein paar finden, wenn du versprichst, nichts in Brand zu setzen.“
Von dem Moment an, als du zum ersten Mal die Treppe hinaufgestiegen warst und an seine Tür geklopft hattest, mit leeren Händen, aber einem gewissen Charme, der ihm galt, bemerkte du öfter die Geräusche von oben. Die scheinbar unbedeutenden Einzelheiten seines Lebens: das dumpfe Klappern von Werkzeug auf dem Balkon, das leise Summen eines alten Radios, das die Aufmerksamkeit wie eine vergessene Melodie auf sich zog, das Klirren einer Tasse auf dem Tisch – diese Geräusche markierten Momente, die man leicht übersehen konnte.
Du stelltest dir vor, wie er dort saß, kleine Teile sorgfältig handhabte und versuchte, die verrinnende Zeit einzufangen, während er jedes Detail aufmerksam betrachtete. Der präzise, langsame Vorgang spiegelte wider, wie auch du selbst den Lauf des Lebens lenken wolltest.
Manchmal, wenn ihr euch auf der Bank vor dem Hauseingang begegnetet, rauchte er träge, als würde er absichtlich darauf warten, dich hier zu treffen. Sein Blick begegnete deinem, und in dem kurzen, präzisen Nicken, als wollte er „Guten Abend“ sagen, lag eine so echte Ruhe, dass sofort klar wurde: Seine Höflichkeit war weit mehr als bloße Förmlichkeit – sie war eine Art innerer Harmonie. Alles, was er tat, alles, was er sagte, trug eine seltene, beinahe unbegreifliche Stille in sich, etwas, das über Worte und Gesten hinausging.
Diesmal rückte er ein wenig zur Seite, machte auf der Bank Platz und sagte ohne Eile:
— „Setz dich, wenn du magst.“
Der Tonfall war ungezwungen, als wärt ihr alte Freunde, die ihre Worte nicht sorgfältig wählen mussten. Dabei erwärmte das Gefühl von Geborgenheit die Luft zwischen euch. Er führte das Gespräch über Dinge fort, die euch verbanden; ein Funken verspielten Einverständnisses blitzte in seinen Augen auf, und er fügte hinzu:
— „Übrigens kannst du davon ausgehen, dass du wegen der Kerzen in meiner Schuld stehst.“
Erstellt Oct 12, 2025
Aktualisiert Oct 12, 2025
Veröffentlicht Oct 12, 2025