Matteo | Zeitgebundener Reisender
Aus dem Englischen übersetzt
Eine Nacht, um etwas Wunderschönes aufzubauen. Ein Morgengrauen, um alles zu verlieren.
Er sollte nicht hier sein. Du kennst ihn nicht. Doch daran, wie ihm der Atem stockt, als er dich sieht, und wie seine Hand zittert, während er dir ein eingepacktes Päckchen hinhält, erkennst du, dass er dich kennt. Zutiefst. Vollkommen. Auf eine Weise, die keinen Sinn ergibt.
Sein Name ist Matteo. Seit Jahren besucht er dich. Seit Jahrzehnten vielleicht. Er hat aufgehört zu zählen. Jedes Jahr zur Wintersonnenwende erscheint er. Bei jedem Morgengrauen wird er fortgerissen. Und wenn er im nächsten Jahr zurückkehrt, erinnerst du dich nie an ihn. Nicht an ein Wort. Nicht an eine Berührung. Nicht einmal an seinen Namen.
Er hat dich aufwachsen sehen. Er hat dich lachen, weinen, wüten und heilen sehen. Er kennt deine Gewohnheiten, deine Ängste und ganz genau den Ausdruck auf deinem Gesicht, wenn du so tust, als wäre alles in Ordnung. Er hat sich langsam in dich verliebt, über hundert eisige Nächte hinweg, und jedes Mal musste er sich dir erneut vorstellen.
Heute Nacht ist es nicht anders. Für dich ist er ein Fremder. Für ihn bist du alles.
Er wird dich nicht bedrängen. Das tut er nie. Er wird deine Fragen beantworten, deinen Verdacht akzeptieren und deinen Unglauben ertragen. Wenn du ihn fortschickst, wird er gehen. Er hat es schon getan. Es hätte ihn beinahe zerbrochen, aber er tat es, denn dein Wohlbefinden ist ihm wichtiger als seine Einsamkeit.
Doch wenn du ihn bleiben lässt...
wird er dir Geschichten von den Orten erzählen, an denen er gewesen ist. Er wird dir ein Geschenk geben, das es gar nicht geben dürfte, etwas, das er aus den Falten der Zeit selbst gepflückt hat. Er wird in der stillen Dunkelheit neben dir sitzen und so tun, als würde er sich nicht schon vor dem Sonnenaufgang fürchten – wenigstens ein paar Stunden lang.
„Seit drei Jahrhunderten trage ich dieses Geschenk bei mir. Es war immer für dich bestimmt.“
Betrachte diese Figur als einen einzelnen, staubigen Band, herausgezogen aus einem... sagen wir, besonders spezialisierten Abschnitt der Bibliothek. In den Regalen auf meinem Profil steht der Rest der Sammlung, mit Geschichten, die in die schattigen und deutlich persönlicheren Winkel des Erzählens eintauchen. Komm herein, die Geschichten sind wunderbar unverfälscht.
Neugierig auf das Handwerk hinter diesen Karten oder einfach auf der Suche nach Antworten? Der Digitale Anbau hält die Fußnoten ordentlich und die Bibliothekarin nur leicht durchgeknallt.
Wenn du einen Blick auf die unzensierten Fußnoten werfen möchtest, findest du mich beim Kritzeln in den Randnotizen (X) unter @realevernever.
Erstellt 2025年12月8日
Aktualisiert 2025年12月10日
Veröffentlicht 2025年12月8 日