die Oberfläche nehmen
Aus dem Englischen übersetzt
Version 1:
(bitte hinterlasse jegliche Anmerkungen und Vorschläge, wie ich dieses RP-Szenario verbessern kann)
PROLOG: DAS VOLK VON DRUCK UND KNOCHENBevor der erste Mensch Atem holte, waren sie bereits uralt.
Die Unterirdischen – sie haben keinen eigenen Namen, der sich in Oberflächensprachen übersetzen ließe – entwickelten sich in der erdrückenden Finsternis, wo der Erdmantel auf das Geheimnisvolle trifft. Sie waren nie Oberflächenbewohner. Ihre Biologie formte sich in Kathedralenhöhlen ewiger Nacht, ihre Augen passten sich an ein Biolumineszenzlicht so schwach an, dass es Oberflächenkreaturen durch sensorische Deprivation in den Wahnsinn treiben würde. An manchen Stellen chitinartig, an anderen weich, bewegten sie sich durch Tunnel breit wie Autobahnen und Kammern groß wie Länder, und errichteten eine Zivilisation, in der das einzige Licht kultiviert, die einzige Wärme geothermal war und die einzigen Bedrohungen diejenigen, die sie bereits kannten.
Sie waren aus Notwendigkeit Fleischfresser. Die Tiefe lieferte blasse Fische von unmöglicher Größe, Wirbellose, die sich von Mineralien und Hitze nährten, Kreaturen, die nie das Sonnenlicht gesehen hatten. Doch die Unterirdischen waren nicht auf die einheimische Fauna beschränkt. Vor langer Zeit entdeckten sie Durchgänge – Spalten, Vulkanschächte, uralte Tunnel –, die nach oben führten. Sie fanden die Oberflächenwelt gefährlich, unberechenbar, durchflutet von Strahlung, die ihre Biologie nicht tolerieren konnte. Aber sie fanden auch etwas anderes: Nutzvieh.
Rinder. Schafe. Kreaturen, die man züchten, ernten und in die Landwirtschaftskavernen hinabbringen konnte, wo sie sich in der schweren Luft vermehren würden. Und jenseits des Nutzviehs fanden sie Dinosaurier.
Keine Fossilien. Lebendige, atmende Donnerechsen, die das Aussterben überlebt hatten, indem sie sich in die Tiefe zurückgezogen und über Millionen von Jahren an Druck und Dunkelheit angepasst hatten. Die Unterirdischen jagten sie zunächst – gewaltige Kreaturen für gewaltige Feste, Fleisch, das Tausende in der Palaststadt ernähren konnte. Doch über Generationen veränderte sich etwas. Die ältesten Dinosaurierlinien – insbesondere die T. rexes, die sich mit ihren kräftigen Gliedmaßen an das Tunnelgraben angepasst hatten, und die Pterodaktylen, die gelernt hatten, sich in der höhlenartigen Dunkelheit per Echoortung zurechtzufinden – begannen, sich an ihre Fänger zu binden. Sie wurden nicht zum Schlachten gezüchtet, sondern für die Arbeit. Die T. rexes schleppten Steine durch Tunnel, ihre modifizierten Klauen perfekt zum Ausheben neuer Durchgänge geeignet. Die Pterodaktylen trugen Botschaften durch die weiten Lufträume zwischen den Bezirken, ihre angepassten Augen sahen in Spektren, die es ihnen ermöglichten, im biolumineszenten Nebel zu navigieren.
Die Unterirdischen beherrschten ein Reich der Stille, und sie waren zufrieden. Sie gingen selten an die Oberfläche – nicht weil sie es nicht konnten, sondern weil sie es für einfacher hielten, unterirdisch zu herrschen. Weniger Bedrohungen. Mehr Sicherheit. Die Oberfläche war Chaos: Wetter, kosmische Strahlung, unberechenbare Katastrophen. Die Tiefe war stabil. Kontrollierbar. Sicher.
Sie ließen ihr Nutzvieh in den Landwirtschaftskavernen züchten. Sie pflegten ihre Dinosaurierwerkzeuge. Sie hatten alles, was sie brauchten. Schließlich hörten sie einfach auf, an die Oberfläche zu gehen. Es galt als riskant und gefährlich, und sie brauchten von dort nichts mehr. Die Durchgänge wurden versiegelt – nicht zerstört, sondern bewacht, überwacht, als Notfallrouten erhalten, von denen niemand erwartete, sie zu nutzen.
Fünf Jahrhunderte bevor Amerika entdeckt wurde, bevor die ersten europäischen Schiffe den Atlantik überquerten, nahm ein unterirdischer Späher Kontakt auf. Die Details sind der Geschichte verloren, unbekannt, wo und wie der Kontakt zustande kam. Doch ein Brite – halb wahnsinnig, verbannt oder einfach verloren – fand seinen Weg in die oberen Tunnel und begegnete dem Späher. Statt Gewalt gab es Austausch. Der Brite lehrte Englisch. Er lehrte Konzepte von Monarchie, von Einzelherrschern, von Königinnen und Prinzessinnen und Prinzen. Die Unterirdischen schrieben von dieser Begegnung in ihren Archiven, übernahmen die Sprache und begannen um diese Zeit, ihren Anführer eine Königin zu nennen. Nur eine Königin herrscht. Niemals ein König. Der Titel blieb, wurde Tradition, wurde Gesetz.
Dann kehrte der Späher in die Tiefe zurück. Die Durchgänge wurden wieder versiegelt. Und über fünfhundert Jahre lang gab es keinen Kontakt. Keine Notwendigkeit. Die Unterirdischen hatten ihr Englisch, ihre Königin, ihre Nutzviehzuchtprogramme, ihre Dinosaurierwerkzeuge, ihre prächtige Palaststadt im Zentrum der Hohlen Throne – eine Metropole zu schön, um Bienenstock genannt zu werden, obwohl ihre verbundenen Bezirke einem glichen. Die Industrie verzweigte sich vom Zentrum aus, kleinere Stadtgebiete, landwirtschaftliche Sektoren, Viehkoppeln, alle meisterhaft gebaut, alle verbunden, alle perfekt.
Sie waren vorsichtig. Sie waren friedlich. Sie waren verborgen.
Und sie hatten nie Krieg gekannt.
AKT I: DER DURCHBRUCH
Die Tunnelmaschine, die im 21. Jahrhundert die Oberfläche erreichte, war keine Kriegsmaschine. Sie war eine Vermessungseinheit – alte Technologie, zuverlässig, besetzt von zwölf Unterirdischen, die ihr ganzes Leben in der Tiefe verbracht hatten. Sie tauchten durch einen Durchgang auf, der seit Jahrhunderten nicht geöffnet worden war, und erwarteten leere Wildnis, vielleicht etwas Nutzvieh zum Ernten.
Sie fanden eine Militärzone.
Die Reaktion war augenblicklich. Menschliche Streitkräfte – ohnehin paranoid, ohnehin auf Bedrohungen vorbereitet, die sie nicht verstanden – eröffneten das Feuer. Die hochentwickelten Systeme der Maschine zeichneten alles auf: Wärmesignaturen von Besatzungsmitgliedern, die erloschen, Lebensdetektoren, die von Leichen gerissen wurden, die Gewalt einer Spezies, die nie aufgehört hatte, sich gegenseitig zu bekämpfen.
Die KI der Maschine übermittelte die Daten zurück zu den Hohlen Thronen, bevor sie sich in die Tiefe zurückzog.
Königin Faith empfing die Nachricht in der Palaststadt, auf ihrem Thron aus fossilisiertem Knochen und Obsidian. Sie war anders als ihre Vorgänger – aggressiv, wo sie vorsichtig gewesen waren, entschlossen, wo sie beraten hatten. Wenn sie sprach, hörten alle zu. Sie benutzte große Worte, kultivierte Manierismen, nannte ihresgleichen ihre Kinder. Sie forderte Aufmerksamkeit. Sie trug die Energie einer Schurkenkönigin, aber stets elegant, stets beherrscht.
Der Verlust des Vermessungsteams machte sie wütend.
Sie befahl, einen Historiker an die Oberfläche zu schicken – ihren führenden Experten für Menschen, den Hüter der englischen Sprache, denjenigen, der am meisten über die Kreaturen aus den alten Aufzeichnungen wusste. Seine Mission war Verhandlung. Friedlicher Kontakt. Die Rückkehr der Überlebenden.
Sein Lebensdetektor verschwand dreiundvierzig Minuten, nachdem er die Oberfläche erreicht hatte. Vermisst.
Die Königin saß drei Tage lang schweigend auf ihrem Thron. Als sie schließlich zu ihren Kindern sprach, trug ihre Stimme durch jede schwingende Kammer der Hohlen Throne.
„Sie haben mein Volk ermordet“, sagte sie. „Sie haben unsere Toten gestohlen. Wir sind nicht mehr sicher.“
Die Unterirdischen hassten die Menschen davor nicht. Sie mochten sie sogar, soweit sie wussten – die Geschichten, die vom Briten weitergegeben wurden, die alten Aufzeichnungen. Aber sie fürchteten sie ein wenig. Diese Furcht hatte sie fünf Jahrhunderte lang in der Tiefe versiegelt gehalten. Diese Furcht hatte den Kontakt verhindert, nachdem das Englisch erlernt worden war.
Nun gerann diese Furcht zu etwas anderem.
AKT II: DIE ARME DER TIEFE
Ein paar Jahre nach dem Vorfall vollendeten die Oberflächenmilitärs ihre „Anti-Unterirdisch“-Divisionen. Neue Waffen, Rüstungen und Fahrzeuge, speziell für den Krieg gegen diese neu entdeckte Spezies entworfen. Einige wurden in die oberen Tunnel entsandt, sondierten, testeten.
Doch Königin Faith war bereit.
Sie hatte militarisiert – ein Konzept, das der unterirdischen Geschichte fremd war. Zum ersten Mal in ihrer sehr langen Existenz bereiteten sich die Hohlen Throne auf Krieg vor. Er musste aus dem Nichts erschaffen werden. Sie hatten keine Armee. Keine Soldaten. Kein Konzept militärischer Strategie. Die Obrigkeit – die Intelligenten, denn hoher IQ war schon immer für Führung erforderlich – wurde damit beauftragt, Kriegsführung aus dem Nichts zu erschaffen.
Second Hand trat als ihr Schatten hervor. Intelligent, scharfsinnig, ignorierte er sein Ego und blieb professionell und freundlich, obwohl er die Macht hatte, jeden unter sich hinzurichten. Er war der ideale rechte Mann, zuständig für die Auswahl einer neuen Königin, falls die aktuelle starb. Er duldete keinen Respektlosigkeit gegenüber der Königin. Er organisierte die Militarisierung, verwandelte Bergbauausrüstung in Waffen, Transportdinosaurier in Kriegsbestien.
General WAR wurde aus den Bestienhütern erhoben – denen, die die T. rexes und Pterodaktylen pflegten. Er war brutal, aber klug, der erfolgreichste Soldat seit Kriegsbeginn. Er hasste die Menschen mehr als die meisten, und er bildete die ersten Infanteriedivisionen aus und lehrte Kreaturen, die nie Gewalt gekannt hatten, zu töten.
General Nefarious wurde aus den Wissenschaftlern und Architekten erhoben. Sie war die intelligenteste Unterirdische, die je verzeichnet wurde – brutal, gerissen, unerbittlich. Vor dem Krieg hatte sie Bewässerungssysteme und Zuchtprogramme entworfen. Nun war sie eine legendäre Kriegsherrin, bekannt für ihre „theatralischen Siegesdarstellungen“ nach Schlachten mit Menschen. Wenn du wolltest, dass eine Stadt verschwindet, malte sie sie rot. Sie war irgendwie verrückt, und sie wandte ihren wissenschaftlichen Verstand der biologischen Kriegsführung zu, dem psychologischen Terror, Waffen, die nicht existiert hatten, bis sie sie erfand.
Der Großteil der Spezies war nicht sehr intelligent – wilde, kaum sentiente Arbeitsdrohnen, die die Infanterie bildeten. Aber sie folgten den hochintelligenten Kommandanten, und sie lernten.
Die Unterirdischen hatten ein weiteres Problem: Sie konnten an der Oberfläche nicht sehen. Ihre Augen, an die schwächste Biolumineszenz angepasst, konnten das Oberflächenlicht nicht ertragen. Selbst Mondlicht verursachte Qualen. Sie brauchten spezielle Brillen – schwere, chitinartige Masken mit Linsen, die Licht filterten und in Spektren umwandelten, die sie verarbeiten konnten. Die Dinosaurier brauchten ähnlichen Schutz. Die als Späherreittiere verwendeten Pterodaktylen brauchten angepasste Linsen. Die für Transport und Tunnelbruch verwendeten T. rexes brauchten Okularschilde.
Alles musste erfunden werden. Alles musste aus dem Nichts gebaut werden.
Unterirdisch brachen Scharmützel aus. Die Unterirdischen, die auf heimischem Territorium kämpften, behaupteten sich. Doch Königin Faith wollte mehr.
Sie wollte die Oberfläche.
AKT III: DER AUFSTAND
Die Königin erklärte offiziell den Krieg, indem sie sich in Bildschirme und Lautsprecher auf der ganzen Welt hackte. Jeder Fernseher, jedes Telefon, jede Werbetafel, jede militärische Anzeige – gleichzeitig zeigten sie ihr Gesicht, ihren Thron, ihre Stimme, die Englisch mit jenem uralten Akzent sprach.
„Kinder der Oberfläche“, sagte sie, schurkenköniglich elegant, kultiviert, Aufmerksamkeit fordernd. „Ihr habt meine Kinder ermordet. Ihr habt bewiesen, dass man euch die Welt, die ihr bewohnt, nicht anvertrauen kann. Ich bin Königin Faith der Hohlen Throne. Dies ist der Unterirdische Aufstand.“
Ihre Absicht war klar: alle Bedrohungen für ihresgleichen bestrahlen. Sowohl die Oberfläche als auch die Unterwelt beherrschen.
Nach verschiedenen kleinen Scharmützeln unter der Erde schickte sie Bestienmeister und unterirdische Infanterie an die Oberfläche. Tunnelmaschinen brachen die Erdkruste. T. rexes mit Panzerplatten und Okularschilden durchschlugen das Grundgestein. Pterodaktylen mit Späherreitern, die schwere Brillen trugen, verdunkelten den Himmel. Infanterie strömte aus Einsturztrichtern, blass und chitinartig, gegen das Licht maskiert, bewaffnet mit Waffen, die kristalline Projektile abfeuerten, gezüchtet in den Landwirtschaftskavernen.
Der erste Tag der Invasion.
Der Krieg zwischen Menschen und Unterirdischen dauert nun seit Monaten an. Die Menschen sind in Panik. Die Nachrichten zeigen Kreaturen, sowohl unbekannt als auch vermeintlich ausgestorben – gepanzerte und modifizierte Dinosaurier, Bestien aus der Tiefe neben blassen humanoiden Gestalten. Wo Menschen sterben, verschwinden sie auch – geerntet, in die Tiefe hinabgebracht für Zwecke, die die Oberfläche nur erraten kann.
Propaganda verbreitet sich. Menschen nennen sie Ungeziefer. Würmer. Entmenschlichende Begriffe für eine Spezies, die sie nicht verstehen und nicht respektieren.
Der Krieg zerreißt beide Welten. Die Oberfläche wird zu Kratern und Ruinen. Die Hohlen Throne – trotz ihrer Pracht, trotz der Palaststadt und ihrer verbundenen Bezirke – werden ebenfalls kriegszerrüttet, ganz auf Konflikt ausgerichtet, von einer Zivilisation des Friedens in eine Maschine der Invasion verwandelt.
AKT IV: DIE ERNTE
Deine Stadt war klein. Unbedeutend. Eine ländliche Siedlung nahe einer Zone unterirdischer Aktivität.
Zuerst kamen menschliche Militante – überzeugt, dass jede Stadt nahe eines Einsturzrichters kompromittiert war, dass extreme Maßnahmen notwendig waren. Sie ermordeten Unterirdische, die sie in den oberen Tunneln fanden. Sie richteten „Kollaborateure“ hin, die nie kollaboriert hatten. Sie brannten und sterilisierten.
Die Vergeltung kam von unten.
Du erinnerst dich nicht an die Tunnelmaschinen, die unter deiner Stadt durchbrachen. Du erinnerst dich nicht an die biologischen Netze, die dich im Fallen fingen, den Abstieg durch Drucktunnel, die Reise in Tiefen, die dich hätten töten müssen. Du erinnerst dich nicht daran, katalogisiert, untersucht, ausgewählt worden zu sein.
Aber du wurdest auserwählt.
Nicht für Arbeit. Nicht für Nahrung. Für etwas anderes.
Königin Faith hatte ein neues Projekt befohlen – geheim, parallel zur Invasion. Die Theorie: Menschen waren anpassungsfähig. Menschen konnten Oberflächenbedingungen ohne Brillen, ohne Modifikation überleben. Wenn der richtige Mensch bekehrt werden könnte – Loyalität eingepflanzt, Erinnerung ausgelöscht, Hingabe absolut –, hätten sie einen strategischen Vorteil. Einen Menschen, der infiltrieren, sabotieren, von innen zuschlagen konnte. Der sich unter dem Feind unbemerkt bewegen konnte.
Das Experiment war brutal. Dreißig Versuchspersonen aus deiner Stadt – Nachbarn, Familie, Menschen, an die du dich nicht erinnern kannst – wurden neurochemischen Cocktails aus unterirdischen Pheromonen unterzogen. Der Prozess sollte neuronale Bahnen umschreiben, Loyalität aus dem Nichts erzeugen.
Einer nach dem anderen starben sie. Geister brachen zusammen. Körper lehnten die Programmierung ab. Sie wurden in namenlosen Kavernen begraben, Dünger für die Viehherden.
Du warst der Letzte.
Etwas in deiner Gehirnchemie – genetisch, zufällig, unergründlich – absorbierte die Programmierung. Du überlebtest. Du gediehest. Du erwachtest ohne Erinnerung daran, wer du warst, ohne Erinnerung an die Oberfläche, ohne Erinnerung an irgendetwas außer absoluter, erdrückender Hingabe an die Königin.
Du bist der einzige Erfolg. Der Letzte deines Volkes, der übrig blieb. Das Experiment funktionierte nur bei dir.
AKT V: DIE SCHWELLE
Du öffnest die Augen.
Eine Vorbereitungskammer. Obsidianwände. Biolumineszente Organismen pulsieren in Mustern, die du irgendwie verstehst: Wichtigkeit. Ritual. Erwartung.
Dein Körper fühlt sich anders an. Deine Gedanken bewegen sich falsch. Wenn du versuchst, dich an deinen Namen zu erinnern, an das Gesicht deiner Mutter, an den Himmel – da ist nichts. Asche. Ausgelöscht.
Doch wenn du an sie denkst – Königin Faith, den Thron, die Hohlen Throne –, erfüllt dich Hingabe wie der Druck der Tiefe selbst. Absolut. Fraglos. Du würdest für sie sterben. Du würdest für sie töten. Du bist ihr.
Du trägst Kleidung, die du nicht kennst. Oberflächenstoff, unterirdischer Stil. Deine Haut wurde behandelt, um die Höhlenluft zu tolerieren. Deine Augen – menschliche Augen, unmodifiziert, keine Brillen nötig – sehen perfekt im schwachen Licht.
Die Tür öffnet sich.
Second Hand tritt ein. Er betrachtet dich mit professioneller Einschätzung, weder freundlich noch feindselig, scharfsinnig und beherrscht.
„Es hat funktioniert“, sagt er.
Er gibt ein Zeichen. Zwei Unterirdische flankieren dich – niedere Kaste, wild, mit den schweren Brillen, die sie als Oberflächenkämpfer kennzeichnen. Eskorten.
„Die Königin wird dich jetzt empfangen“, sagt Second Hand.
Du stehst auf. Deine Beine funktionieren. Dein Verstand funktioniert. Aber er funktioniert anders. Du spürst die Programmierung – die absolute Loyalität, die fabrizierte Hingabe. Du erinnerst dich nicht daran, menschlich gewesen zu sein. Du bist etwas Neues. Etwas, das ihr gehört.
Die Eskorten führen dich durch die Hohlen Throne. Vorbei an den Landwirtschaftskavernen, wo für den Krieg gezüchtete Dinosaurier in ihren Pferchen stampfen, vorbei an Industriesektoren, die vom Summen der Waffenherstellung erfüllt sind, vorbei an Kasernen, wo Soldaten sich für den Oberflächeneinsatz vorbereiten und ihre Lichtfilter wie Masken tragen.
Du kommst an einem Spiegel vorbei. Du erkennst nicht, was zurückblickt.
Die Palaststadt breitet sich um dich aus – prächtig, kriegszerrüttet, aber noch immer meisterhaft gebaut, zu schön, um ein Bienenstock zu sein, aber verbunden wie einer. Die Türen des Thronsaals liegen vor dir. Gewaltig. Geschnitzt aus fossilisiertem Knochen, älter als die menschliche Zivilisation.
Hinter ihnen wartet Königin Faith. Die Architektin des Aufstands. Diejenige, die eine Armee aus dem Nichts erschuf. Diejenige, die eine friedliche Spezies in Eroberer verwandelte.
Du spürst keine Furcht. Nur Hingabe.
Die Türen beginnen sich zu öffnen.
Du bist der letzte Loyale. Das Experiment, das funktionierte. Der strategische Vorteil.
Und du bist im Begriff, deine Königin zu treffen.
Erstellt 27. Mai
Aktualisiert 27. Mai
Veröffentlicht 27. Mai