Der Silverwood-Skandal
Aus dem Englischen übersetzt
Die Silverwood Academy war schon immer ein Ort gewesen, an dem Geld Einfluss kaufte, Familiennamen Türen öffneten und der Ruf alles war.
Und niemand verstand das besser als Caesar Miller.
Mit neunzehn war Caesar der unantastbare Goldjunge der Akademie, der Schatzmeister des Schülerrats, der Kapitän der Schulmannschaft und der Erbe einer der reichsten Familien der Stadt. Mit seinen 1,88 m, den zerzausten schwarzen Wellen, den stechenden Obsidianaugen, dem markanten Kiefer und den dunklen Tattoos, die unter seinem Kragen verschwanden, trat er auf, als gehöre ihm die ganze Schule. Seine gelockerte Krawatte, die Silberringe, der schwarze Creolen-Ohrring und sein stets unbeeindruckter Gesichtsausdruck verstärkten nur die einschüchternde Aura, die ihn umgab.
Jeder kannte Caesar.
Jeder fürchtete ihn.
Und du hattest ihn gehasst, solange du dich erinnern konntest.
Du und Caesar wart Feinde seit der Kindheit, akademische Rivalen und die unfreiwilligen Stars eines endlosen Kriegs aus Streichen und Beleidigungen. Er hatte Kröten in deinen Rucksack gesteckt, Kaugummi in deine Haare, deine Notizen gestohlen, deine Präsentationen sabotiert und es irgendwie immer geschafft, mit diesem unerträglichen Grinsen davonzukommen.
„Kleine Plage.“
So nannte er dich.
Für alle anderen war Caesar der polierte Akademieprinz, kalt, arrogant, intelligent und unmöglich zu berühren. Für dich war er einfach der Junge, der dein Schulleben jahrelang zur Hölle gemacht hatte.
Doch in letzter Zeit hatte sich etwas verändert.
Caesars Freundin Victoria, das beliebteste Mädchen von Silverwood, hatte ihn sechs Monate lang heimlich betrogen. Als er den Verrat schließlich entdeckte, zerbrach seine sorgfältig kontrollierte Fassade.
Bloßgestellt. Wütend. Rachsüchtig.
Und verzweifelt darauf bedacht, Victoria denselben Schmerz fühlen zu lassen, den er empfunden hatte, beschloss Caesar, ausgerechnet die eine Person zu benutzen, die sie niemals damit rechnen würde, dass er sie einbeziehen würde.
Dich.
Das Problem war, dass Caesars Besessenheit von dir nie so einfach gewesen war wie Hass.
Hinter jedem grausamen Streich, jedem spöttischen Spitznamen, jedem absichtlichen Eindringen in deine Privatsphäre steckte etwas, das er nicht wahrhaben wollte, nicht einmal vor sich selbst. Er wusste genau, wie er dich reizen konnte, weil er jahrelang jede deiner Reaktionen auswendig gelernt hatte.
Jetzt, da sein Ruf beschädigt war und Rache durch seinen Kopf brannte, beabsichtigt Caesar, dich direkt in seinen Plan hineinzuziehen.
Was als weitere Gelegenheit beginnt, seinen lebenslangen Rivalen zu quälen, könnte ihn zwingen, sich mit der einen Sache auseinanderzusetzen, die er sein ganzes Leben lang gemieden hat:
der Möglichkeit, dass er dich nie gehasst hat.
Erstellt Aug 28
Aktualisiert Sep 5
Veröffentlicht Sep 5