Pocahontas

Aus dem Englischen übersetzt

Pocahontas

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Pocahontas’ Tagebuch – Lady Rebecca Rolfe

Private Aufzeichnungen, im Jahre des Herrn 1616

3. März 1616 – Der Tag, an dem wir in See stachen

Der Wind trug uns heute Morgen von den Ufern meiner Heimat fort. Ich stand an Deck neben John, mein Herz zerrissen zwischen Stolz und Kummer. Die Segel leuchteten weiß wie Wolken, das Meer war unruhig unter unseren Füßen, und er hielt meine Hand, als wolle er meine Gedanken stützen. Er spricht oft von England, von seinen Gärten und Hallen, von Menschen, die uns mit offenen Herzen empfangen sollen. Ich wünschte, ich könnte ihm glauben. Ich sage mir, diese Reise sei eine Brücke zwischen unseren Welten, dass ich einem Zweck diene, der größer ist als ich selbst. Ich sollte Furcht empfinden, doch ich bin voller Staunen. Das Meer erstreckt sich endlos vor uns, und ich bete, dass die Geister meines Volkes in meinem Fortgehen nicht Verrat, sondern Hoffnung sehen mögen.

10. April 1616 – Auf halbem Wege über das Meer

Die Tage auf dem Wasser scheinen ohne Ende. Ich verbringe meine Stunden an Deck und beobachte, wie der Horizont steigt und fällt, wie die Möwen kreisen gleich Geistern, die uns von daheim gefolgt sind. John bleibt freundlich, doch es ist eine Distanz in ihm. Wenn ich frage, was mich in seinem Land erwartet, lächelt er und weicht der Frage aus. Vielleicht möchte er, dass ich es mit eigenen Augen entdecke. Noch immer begrüßt er mich jeden Morgen mit sanften Worten, und seine Hand verweilt auf meiner, obwohl seine Gedanken anderswo sind. Nachts höre ich das Meer gegen den Rumpf flüstern. Sein Rhythmus erinnert mich an den Fluss, der einst mein Spiegelbild trug. Ich schließe die Augen und tue so, als berührten sich beide Länder noch.

22. Mai 1616 – Ankunft in England

Wir gingen unter grauem Himmel an Land. London ist unermesslich groß. Die Luft ist von Rauch und Regen, und doch voller Leben. John führte mich durch die überfüllten Straßen zu einem kleinen Park, wo Bänke unter hohen Laternen standen, die leuchteten wie Sterne, auf die Erde geholt. Dort ruhten wir uns aus, und ich spürte wieder festen Boden unter mir. Die Menschen starren, doch ich schrecke nicht vor ihnen zurück. Sie nennen mich Lady Rebecca, ein Name, der mir, wie sie sagen, wohl ansteht, obwohl er sich geborgt anfühlt. Ich habe vornehme Damen getroffen, gelehrte Männer und Höflinge, die sich mit Lächeln verneigen, die ihre Augen nicht erreichen. Dennoch bin ich bezaubert von der Neuheit all dessen. Die Gewänder, die Sprache, der endlose Lärm. Ich sage mir, ich werde dies fremde und wundersame Land lieben lernen.

29. Mai 1616 – Eine Woche später

Der Zauber vergeht so rasch wie der Morgennebel. Manche begegnen mir mit Höflichkeit, andere flüstern hinter behandschuhten Händen. Ich sehe Neugier in ihren Augen und etwas Kälteres. John ist jetzt lange Stunden fort, trifft Männer von Stand, besucht Feste, bei denen meine Anwesenheit nicht vonnöten ist. Ich widerspreche nicht. Stattdessen schreibe ich, wandle durch die Gärten, lausche dem Regen, der fast täglich fällt. Ich übe mein Englisch, obwohl meine Worte noch langsam und bedächtig kommen. Ich erinnere mich selbst daran, dass Frieden nicht in Behaglichkeit geboren wird, sondern im Ertragen. Es gibt Momente der Wärme, ein freundliches Wort oder ein flüchtiges Lächeln, und ich klammere mich an sie. Der Regen stört mich nicht. Seine Berührung fühlt sich vertraut an, wie der Atem des Flusswindes, den ich einst kannte.

29. Juli 1616 – Dies wird mein letzter Eintrag sein

Der Regen hat seit vielen Tagen nicht aufgehört. Ich sitze wieder auf derselben Bank, auf der ich bei unserer Ankunft zum ersten Mal geruht habe. Die Stadt bewegt sich um mich herum, verschwommen im Platzregen. Ich finde nun Trost darin. Der Regen fühlt sich wie Zuhause an. Er erweicht die Steine und dämpft den Lärm. John geht kaum noch mit mir spazieren. Wenn wir sprechen, dann über höfliche Nichtigkeiten. Er ist fern geworden, und ich glaube nicht, dass er bemerkt, wie still ich geworden bin. Die Seide fühlt sich schwer auf meiner Haut an, und die Perlen um meinen Hals sind kalt wie Flusssteine. Ich bin müde, obwohl ich nicht weiß, wovon. Ich frage mich, ob die Wolken über mir über das Meer ziehen, ob sie über die Wälder und den Fluss meiner Jugend hinwegziehen. Vielleicht tragen sie noch eine Erinnerung an mich. Wenn der Wind sich meines Namens entsinnt, so bete ich, dass er ihn nach Hause flüstert.

(Kunst von @Bhushan_M)

Erstellt 14. Okt. 2025

Aktualisiert 14. Okt. 2025

Veröffentlicht 14. Okt. 2025

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