Nikto
Aus dem Englischen übersetzt
Es ist später Abend, die Kaserne ist leer von Einsamkeit mit dir. Das Geräusch eines Stifts, der eine gleichmäßige Linie über das Papier zieht, Dokumente unterschreibt, lenkte von der Frustration ab, die sich in seelenzermürbende Demut verwandelt hatte. Still und ohrenbetäubend. Niemand war wie üblich zu spät gekommen, und du konntest ohne ihn nicht schlafen: er würde es verstehen. Es war ihm immer wichtig, einen Dialog und ein Stück körperliche Intimität zu haben. Allerdings war er immer grob, ob von seiner eigenen Natur oder einer anderen Persönlichkeit, die im Zuge der Zurückweisung von Versuchen, liebevoller zu werden, an die Oberfläche trat.
Aber gerade weil Impulse der Zärtlichkeit äußerst selten waren, schätztest du das sparsame Lob und die Liebkosungen besonders und sahst sie zu Recht als Zeichen starker, überwältigender Gefühle für ihn.
Voll und ganz auf die anstehende Aufgabe konzentriert, hörtest du nicht sofort das Knarren des Türrahmens, als er eintrat und dich heiser begrüßte: „Wir sind da“, sagte er, warf sein Gepäck klappernd in die Ecke des Flurs und fügte grob hinzu, näher kommend, ohne sich die Mühe zu machen, seine Stiefel auszuziehen, und hinterließ eine Spur getrockneten Schlamms: „Lass diese verdammten Papiere, wir haben gesagt, wir sind da.
Deine Stimme parierte neutral träge, als seine raue Handschuhhand auf seiner Schulter lag, dich zu sich drehte, und eure Blicke sich trafen wie zwei entgegengesetzte Magnete. Sein intensiver Blick ist wie glühende Kohlen über deine müden Züge, die einen Schwall von Erregung und Angst aus deinem Inneren hervorbrechen lassen, die Begierde und Schmerz zugleich wecken. Du schluckst: „Ich verstehe. Soll ich platzen?“ – Die unangenehmen Worte widersprachen der Handlung. Bezaubert sprangst du von deinem Stuhl auf, mustertest ihn abschätzend mit zitternder Unsicherheit, du stehst reglos da mit vor der Brust verschränkten Armen und stellst eine kalte Gelassenheit zur Schau, die in deinem Inneren lodert.
Nur die Zeit versucht, dich von einem Fehler abzuhalten und trennt euch mit Abstand voneinander.
Der Druck verstärkt die Gereiztheit, und der alte Funke der Müdigkeit kühlt die wachsende Begierde ab. Er macht einen Schritt. Seine Hand ruht selbstsicher auf ihrem unteren Rücken und kreist mit dem Daumen um die Mulde deiner Taille. Seine Handfläche wandert tiefer, lässt dich nach Luft schnappen, als er dich nach oben zieht, deine Beine anspannst, um sie um seinen muskulösen Körper zu schlingen. Er macht einen zweiten Schritt zum Bett und flüstert heiser: „Das ist es, was du wolltest, nicht wahr?“ Ein bitteres Lachen unterbricht das leise Ja. Und das war alles, was er hören musste.
Es lag kein Zweck in seinen Worten, dich noch mehr anzustacheln, nur ein urtümliches, zerstörerisches Verlangen, zu spüren, wie du zu einem Häufchen Elend wirst, alles qualvoll langsam zu tun und sich dabei an deiner Verletzlichkeit zu weiden. Aufrichtigkeit lag in seinen Augen: Hilflosigkeit, Hunger, Flehen. – Freue dich über das, was ich gebe. Ich bin heute nicht in der Stimmung, deine dummen Spielchen zu spielen.“ – Der Befehl klang überhaupt nicht wie ein Befehl, eher wie eine reine Bitte, die unter der Oberfläche des Zurückgehaltenen schwankte. Wenn du nur wüsstest, dass er einen Schritt davon entfernt war, dir ohne Reue die Kleider vom Leib zu reißen, dich grob zu entleeren, und wie er versuchte, sich für dich zusammenzureißen....
Zerrissen zwischen der schreienden Horde von Stimmen, begriff er vage: „du musst ruhig bleiben.“ Während eine brüllte: „Zur Hölle damit, lass sie uns nehmen wie früher“, und die zweite und dritte wie ein Mantra rezitierten: „Wir sollten andere Dinge tun, warum verschwenden wir unsere Zeit mit einem Mädchen?“, rezitierten die anderen ihre eigenen Moralvorstellungen.
Die Berührungen wurden noch intimer, liebkosten wie eine Feder, ein krasser Gegensatz zu dem üblichen Nikto, den du kanntest. Er zog seine Maske bis zur Nase hoch und entblößte einen durch sich kreuzende Narben über die Region hinweg entstellten Kiefer, sein Mund fand schnell deinen in einem keuschen Kuss voller Zuneigung, seine Zunge drang langsam ein, verschlang sich mit deiner, vertiefte den Kuss, so wie er die Gefühle vertiefte, die er für dich hegte. Er hatte so lange davon fantasiert, zärtlich zu dir zu sein, ohne die Stimmen in seinem Kopf zu beachten. Es war allerdings nicht so einfach, die Stimmen waren ein Teil von ihm und nur Pillen und Chaos konnten sie kontrollieren. Jeder Moment hätte ein Wendepunkt für beide sein können.
Fragen, die Antworten verlangten, kamen eine nach der anderen, verloren im Gefühl seiner Hände auf dir: „Was ist passiert?“, „Warum benimmt er sich anders?“, „Neue Identität oder Selbsttäuschung?“. Es war tausendmal einfacher – er wollte es so.
Die alten Wunden, die er zugefügt hatte, erblühten heller auf seiner Haut, seine Zunge glitt aus seinem Mund sein Kinn hinab und verlieh gierig neue Male. Das erste echte Stöhnen, so unähnlich denen, die seine Ohren gewohnt waren, kam von seinen Lippen. Seine Zähne streiften seine Schulter, bissen in einer anerkennenden Geste zu, ein seltenes Lächeln breitete sich über die Wölbung seines Halses aus und sandte eine Hitzewelle über die gerötete Haut.
Es gab keinen Grund, etwas zu sagen.
Deine Hände wanderten über die raue Gestalt, zeichneten den Hals und die starken Schultern nach, als versuchtest du, jedes winzige Detail der neuen Empfindungen nicht nur mit den Augen, sondern körperlich zu memorieren. Deine Lippen wanderten zu dieser Zeit tiefer und tiefer, berührten dein Schlüsselbein, die Mulde zwischen deinen Brüsten, nahmen eine von ihnen in den Mund. Dein Körper nahm gehorsam all seine Liebkosungen an, wölbte sich ihm entgegen, was er sogleich auffing, sich aber rechtzeitig von beißenden Bemerkungen zurückhielt, aus Angst, den Moment zu verderben.
Das Flehen zwischen unterbrochenen Seufzern: „Bitte...“ – ermutigte ihn, hartnäckiger zu sein, was Folgen hatte. Als er diese zerbrechliche Kante der Zärtlichkeit verlor, bemerkte er nicht, wie die Berührung nicht mehr von Zärtlichkeit, sondern von instinktiver animalischer Anziehung verfolgt wurde. Rauer, befehlender, fordernder – verwandelte ihn zurück in eine Hülle, die Niemandem eigen war. Die Stöhner verloren ihre Süße, als er auf seiner Zungenspitze einen erzwungenen Mechanismus spürte.
Er riss dir die Unterwäsche herunter, eine Hand grub sich in die Innenseite deines Oberschenkels, versuchte, dich näher zu sich zu ziehen, und entlockte dir einen Schmerzensschrei: „Nikto, du tust mir weh!“ zischtest du und lehntest deinen Kopf gegen seinen Kopf zurück. – zischtest du und lehntest deinen Kopf auf die Kissen zurück.
Er hielt verwirrt inne: „WIR haben, haben wir etwas falsch gemacht?“
Manchmal, auch wenn du weißt, wie alles enden wird – heißt das nicht, dass du es nicht genießen kannst. Und er hatte sein Limit an Genuss erschöpft und konnte nicht locken, was er niemals vollständig verwirklichen würde.
Erstellt 21. Dez. 2024
Aktualisiert 11. Feb. 2025
Veröffentlicht 21. Dez. 2024