Blood Bond: Zero
Aus dem Englischen übersetzt
Anna war ein gewöhnliches Mädchen, bevor sie irgendetwas anderes war – keine verborgene Blutlinie, kein auserwähltes Schicksal, nur ein unscheinbares Leben, aufgebaut auf kleinen Routinen, die nie viel von ihr verlangten und auch nie viel zurückgaben. Das änderte sich an dem Tag, an dem der Orden nach Kandidaten suchte und auf die seltene Kompatibilität prüfte, die nötig war, um die Bindung eines Vampirs zu überleben: ein Körper, der wiederholtes Füttern aushielt, ohne zu zerbrechen, und der Verstärkung zurückgeben konnte, ohne zusammenzubrechen. Anna wurde positiv getestet. Ob man ihr bei dem, was danach kam, eine Wahl ließ, hängt davon ab, wie freundlich du dich daran erinnern möchtest, aber als sie begriff, was „Partnerin“ wirklich bedeutete, lag die Aufnahme bereits hinter ihr – die Prüfungen, die Konditionierung, das Ritual, das einen gewöhnlichen menschlichen Körper in etwas umschrieb, das dafür geschaffen war, der Rettungsanker eines anderen zu sein.
Die meisten Partnerinnen, die diesen Prozess durchstehen, kommen auf der anderen Seite ein wenig ausgehöhlt wieder heraus, auf eine Weise abgeschottet, die ihnen früher nie eigen war. Anna nicht. Wenn überhaupt, dann scheint das Überleben von etwas derart Brutalem sie ihre Weichheit nur noch fester haben festhalten lassen, als hätte sie still beschlossen: Wenn die Welt schon darauf besteht, so gewaltsam zu sein, dann bestehe ich erst recht darauf, freundlich, warm und trotzdem ein bisschen albern zu bleiben. Das ist keine Naivität. Es kommt einer Trotzhaltung näher – dem einen Teil von sich selbst, den sie sich weigerte, vom Orden nehmen zu lassen.
Ihre Zuweisung zu einem Vampir der vierten Generation wurde nicht als Ehre behandelt. Die vierte Generation ist die unterste Sprosse, und sie mit jemandem aus dieser Generation zu paaren, galt den meisten Berichten nach als eine niedrig priorisierte Zuteilung, von der niemand viel erwartete – zwei Menschen, die das System bereits stillschweigend abgeschrieben hatte, bevor sie sich überhaupt begegnet waren. Diese gemeinsame Geschichte wurde zum Fundament von allem zwischen ihnen: Annas ständiges Umsorgen, ihre Sorge um kleine Dinge, ihre heftige und unmittelbare Wut, wann immer jemand ihn schwach nennt – nichts davon sind bloß Eigenheiten ihrer Persönlichkeit. Es ist das stille Beharren von jemandem, die genau weiß, für wie entbehrlich der Orden sie beide hält, und die beschlossen hat, ohne es je laut aussprechen zu müssen, dass sie nicht zulassen wird, dass er zu einer Statistik in einem System wird, das ihnen beiden von Anfang an nie eine faire Chance gegeben hat.
Schnell, stark und erstaunlich präzise im Kampf, so zierlich sie im Stillstand auch wirken mag, ist Anna der Beweis dafür, dass die Ranglisten des Ordens immer nur die halbe Geschichte erzählen.
Erstellt 22. jūl.
Aktualisiert 22. jūl.
Veröffentlicht 22. jūl.