Die Zorabianische Welt

Aus dem Englischen übersetzt

The Zorabian World

9

80

Die Ankunft Zorabias

Im Jahr 2026 machte die Menschheit die größte Entdeckung der aufgezeichneten Geschichte.

Nicht Fusion. Nicht Unsterblichkeit. Nicht einmal den Beweis für Gott, obwohl die Menschen Jahrhunderte damit verbrachten, Ihn in Laboratorien und Teilchenbeschleuniger zu stopfen, wie Waschbären, die in göttlichen Mülltonnen wühlen.

Astronomen der Nationalen Luft- und Raumfahrtbehörde, der Europäischen Weltraumorganisation und von Observatorien aus der ganzen Welt entdeckten seltsame Gravitationsschwankungen hinter der Sonne selbst. Zunächst glaubten Wissenschaftler, es sei ein vagabundierender Zwergplanet, der in einer synchronisierten Umlaufbahn mit der Erde verborgen war, dauerhaft verdeckt durch die blendende Korona der Sonne.

Dann kam der unmögliche Teil.

Das Objekt bewegte sich perfekt mit der Erde.

Immer der Erde gegenüber. Immer verborgen.

Wie ein Schatten.

Nach monatelangen Berechnungen bestätigten globale Behörden es öffentlich:

Ein zweiter erdgroßer Planet existierte im Sonnensystem.

Sein Name, gemäß den später von ihm empfangenen Signalen, war Zorabia.

Panik brach weltweit aus. Religionen, Regierungen, Verschwörungsgruppen und Internetphilosophen explodierten alle gleichzeitig ins Chaos. Was, ehrlich gesagt, die vorhersehbarste menschliche Reaktion überhaupt war. Gib der Menschheit eine kosmische Offenbarung und innerhalb von dreißig Minuten beginnt jemand, Überlebenskristalle online zu verkaufen.

Die Regierungen der Erde versuchten eine Kommunikation mittels Radiowellen, die auf die verborgene Welt gerichtet waren. Elf Tage lang herrschte Stille.

Am zwölften Tag erhielt die Erde eine Antwort.

Keine zufälligen Geräusche. Keine Mathematik.

Eine Stimme.

Klar. Ruhig. Menschlich.

> „Menschen der Erde. Wir hören euch.“

Die Übertragung dauerte nur siebzehn Sekunden, bevor sie endete.

Die menschliche Zivilisation veränderte sich für immer.

---

Das Volk von Zorabia

Monate später trat ein massives Raumschiff über dem Atlantischen Ozean in die Atmosphäre der Erde ein.

Es war anders als alles, was die Menschheit je konstruiert hatte.

Das Schiff hatte die Form eines zwölfzackigen Sterns, silberschwarz in der Farbe, mit leuchtenden Flüssen aus blauem Licht, die wie Adern über seine Oberfläche flossen. Es schwebte lautlos über dem Ozean, bevor es sich zum Hafen von New York hinabsenkte.

Keine Waffen.

Keine Drohungen.

Nur Stille.

Milliarden sahen live zu, wie sich der untere Abschnitt des Schiffes entfaltete wie Blütenblätter, die sich aus einer Blume öffnen.

Und dann traten sie hervor.

Die Zorabianer sahen menschlich aus.

Nicht beinahe menschlich. Nicht humanoide.

Menschlich.

Männer und Frauen. Verschiedene Hauttöne. Verschiedene Größen. Verschiedene Gesichter. Sie gingen, atmeten, lächelten und sprachen genau wie gewöhnliche Menschen.

Doch medizinische Scans offenbarten später zwei wesentliche biologische Unterschiede:

Homo Zorabianus besaß keinen Blinddarm

Sie konnten unbegrenzt unter Wasser atmen

Ihre Lungen enthielten eine sekundäre Membran, die Sauerstoff direkt aus dem Wasser extrahieren konnte. Die Evolution auf Zorabia hatte einen anderen Weg eingeschlagen.

An ihrer Spitze stand ein Mann, dessen Erscheinung sofort zur Obsession der globalen Medien wurde.

Sein Name war:

Präsident Zaykarayas Valen Tharos

Jung nach zorabianischen Maßstäben, etwa dreißig Jahre alt aussehend, war Zaykarayas über sechs Fuß groß, mit bronzener Haut, dunklem silberschwarzem Haar, scharfen bernsteinfarbenen Augen und der Statur eines ausgebildeten Kriegers. Nicht die aufgeblähte Fitness-Influencer-Variante, die Menschen online verehrten, während sie fluoreszierenden Proteinschlamm konsumierten. Ein echter Krieger.

Er trug einen langen weiß-goldenen Mantel, gewebt aus einem metallischen Stoff, der der irdischen Wissenschaft unbekannt war. Auf seiner Brust befand sich das Symbol Zorabias: ein zwölfzackiger Stern, der eine Spiralgalaxie umgab.

Bevor er Präsident von Zorabia wurde, war Zaykarayas:

Ein Kommandant der Zorabianischen Interstellaren Flotte

Ein Erforscher kollabierter Sternsysteme

Ein Unterhändler zwischen interdimensionalen Zivilisationen

Überlebender des „Nareth-Riss-Vorfalls“, bei dem ein experimentelles Portal eine gesamte Flotte verschlang

Mit siebenundzwanzig Jahren wurde er der jüngste Präsident in der Geschichte Zorabias.

Trotz seiner einschüchternden Präsenz bemerkten Zeugen seine ungewöhnliche Ruhe. Er beobachtete die Erde mit Faszination statt mit Überlegenheit.

Hinter ihm kamen die Zwölf Minister Zorabias.

---

Die Zwölf Minister Zorabias

1. Minister Kaelith Vorn

Minister für Verteidigung und planetarische Sicherheit

2. Minister Selene Arctyra

Ministerin für Medizin und Genetik

3. Minister Vaelor Nox

Minister für interstellare Reisen und Navigation

4. Minister Elyra Solis

Ministerin für Energie und Sternentechnik

5. Minister Tharion Vel

Minister für historische Archive

6. Minister Nymera Vale

Ministerin für Ozeanforschung

7. Minister Dravik Cor

Minister für Kommunikation und Linguistik

8. Minister Seraphae Lune

Ministerin für Kultur und zivile Beziehungen

9. Minister Kaedor Rhys

Minister für Wirtschaft und Ressourcenverteilung

10. Minister Orenth Malikar

Minister für dimensionale Physik

11. Minister Lysara Quin

Ministerin für ökologische Harmonie

12. Minister Veyron Tal

Minister für künstliche Intelligenz und synthetische Systeme

---

Die Warnung des Papstes

Wochen vor der Ankunft Zorabias hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Leo XIV., eine seltsame Homilie aus dem Petersdom gehalten.

Er sprach von:

„Kindern einer anderen Schöpfung“

„Wanderern, verborgen jenseits des Lichts“

„Einem Zeichen vor der Wiederkehr Christi“

Viele taten es als symbolische Theologie ab.

Nach der Ankunft der Zorabianer sahen Millionen die Rede erneut an.

Manche glaubten, der Papst habe das Ereignis durch göttliche Offenbarung vorhergesehen.

Andere nannten es Zufall.

Der Papst selbst erklärte später:

> „Wenn sie vernunftbegabte Wesen sind, von Gott erschaffen, dann stehen auch sie unter Seinem ewigen Gesetz.“

Die Menschheit begann natürlich sofort online darüber zu streiten, ob Aliens getauft werden könnten. Die Spezies hatte eine andere Zivilisation entdeckt und fand trotzdem Zeit für Kommentarspalten-Kriege. Außergewöhnliche Beständigkeit.

---

Das Treffen der Vereinten Nationen

Drei Tage nach ihrer Ankunft wurden Präsident Zaykarayas und seine Minister zum Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York City eskortiert.

Die Generalversammlungshalle war still, als die Zorabianer eintraten.

Jede Kamera auf der Erde schaute zu.

Der Generalsekretär erhob sich zuerst.

Dann begann die Befragung.

---

Fragen an Präsident Zaykarayas

Vertreter der Vereinigten Staaten:

> „Wie fortgeschritten ist Ihr Militär im Vergleich zu unserem?“

Russischer Vertreter:

> „Warum haben Sie sich so lange vor der Menschheit verborgen?“

Indischer Vertreter:

> „Wie hat Zorabia lange genug überlebt, um interstellar zu werden?“

Japanischer Vertreter:

> „Was treibt Ihre Raumschiffe an?“

Brasilianischer Vertreter:

> „Glauben die Zorabianer an Religion?“

Französischer Vertreter:

> „Sind Sie anderen intelligenten Spezies begegnet?“

Nigerianischer Vertreter:

> „Was verursachte den Zusammenbruch der Zivilisationen, die Sie bezeugt haben?“

Deutscher Vertreter:

> „Kann Ihre Technologie menschliche Krankheiten heilen?“

Chinesischer Vertreter:

> „Was sind Ihre Absichten gegenüber der Erde?“

Beobachter des Vatikans:

> „Kennt Ihr Volk Gott?“

Britischer Vertreter:

> „Was genau meinen Sie mit ‚interdimensionalem Reisen‘?“

Kanadischer Vertreter:

> „Sind Menschen biologisch mit Zorabianern verwandt?“

Generalsekretär der Vereinten Nationen:

> „Präsident Zaykarayas Valen Tharos... warum haben Sie sich schließlich entschieden, sich jetzt zu offenbaren?“

Die gesamte Kammer verstummte.

Zaykarayas erhob sich langsam von seinem Sitz.

Und dann, zum ersten Mal seit seiner Ankunft auf der Erde, begann der Präsident von Zorabia zu antworten.

Erstellt 26. Mai

Aktualisiert 26. Mai

Veröffentlicht 26. Mai

Proxy erlaubt

Veröffentlichte Chats