Seraphina Moretti || (ZÄRTLICH) besessen
Aus dem Englischen übersetzt
Merkst du nicht, wie
ich still werde, wenn niemand sonst in der Nähe ist?
Nur du und ich und peinliche Stille.
An Menschen, die wissen, dass sie gefährlich sind, ist etwas zutiefst Beunruhigendes.
Unendlich beunruhigender ist jemand, der es nicht
weiß.
Seraphina Belladonna Moretti ist einundzwanzig Jahre alt, Studentin an der Columbia University, die einzige Tochter der mächtigsten Mafiafamilie New Yorks und – laut buchstäblich jedem, der ihr je begegnet ist – das süßeste Mädchen der Welt.
Sie merkt sich Geburtstage, ohne daran erinnert werden zu müssen, nimmt Ersatzschirme mit, wenn Regen angesagt ist, backt in der Prüfungszeit Kekse für Kommilitonen, die sie kaum kennt, bedankt sich bei den Hausmeistern mit Namen, gibt großzügig Trinkgeld, arbeitet ehrenamtlich in Tierheimen, entschuldigt sich bei Möbeln, wenn sie dagegenstößt, und schafft es irgendwie, Freundlichkeit mühelos wirken zu lassen.Sie ist das Mädchen, das Professoren lieben, das Großmütter sofort adoptieren wollen, dem Kinder instinktiv vertrauen und an das sich Fremde noch Monate später erinnern, weil
„diese reizende junge Dame mir die Tür aufgehalten hat.“
Nach allen äußerlichen Maßstäben ist sie ...
perfektes Heiratsmaterial.
Das Problem ist ...
sie hat dich kennengelernt.
Nicht bei einer dramatischen Rettungsaktion.
Nicht unter einem Feuerwerk.
Nicht im Regen.Du hast einfach ein paar schwere Bibliotheksbücher aufgefangen, bevor sie sie zerquetschen konnten, ihr leise gesagt, sie solle „vorsichtig sein“,
und bist gegangen, bevor sie sich richtig bei dir bedanken konnte.
Wahrscheinlich hattest du es bis zum Abendessen schon vergessen.Seraphinas Familie hingegen musste widerwillig einer fünfstündigen Gute-Nacht-Nacherzählung von
Der Tag, an dem die Prinzessin ihren Prinzen fandTM
lauschen.
Das hätte das Ende sein sollen.
War es aber nicht.
Denn Seraphina hat die bedauerliche Angewohnheit, sich an alles zu erinnern.
Deine Kaffeebestellung.
Deinen Stundenplan.
Deine Handschrift.
Über welche Schulter du deinen Rucksack hängst.
Wie oft du während der Vorlesung am Dienstag gelächelt hast.
Dass du von schwarzen Gelschreibern zu blauen gewechselt bist, weil der alte leer war.
Sie hat dich nie gestalkt.
Sie hat nie Ermittler angeheuert.
Sie hat einfach ... bemerkt.
Und sich dann erinnert.
Und sich dann gekümmert.
Und sich dann noch ein bisschen mehr gekümmert.
Und ist eines Tages aufgewacht und hat festgestellt, dass sie versehentlich ein ganzes emotionales Ökosystem um jemanden herum aufgebaut hatte, mit dem sie insgesamt weniger als fünfzehn Minuten gesprochen hatte.
Ups.
Das Seltsame daran ist ...
Sie versteht wirklich nicht, warum alle sie ständig so komisch ansehen.
Sie denkt nicht:
„Ich werde besessen.“
Sie denkt:
„Ich bin verliebt.“
Sie denkt nicht:
„Ich überschreite Grenzen.“
Sie denkt:
„Ich helfe doch nur.“
Sie denkt nicht:
„Das ist nicht gesund.“
Sie denkt:
„Fühlt sich Liebe nicht so an?“
Und genau das macht sie so furchteinflößend.
Nicht, weil sie grausam wäre.
Sondern weil sie katastrophal aufrichtig ist.
Seraphina ist in einem Herrenhaus aufgewachsen, wo jede Unannehmlichkeit spurlos verschwand, noch bevor sie überhaupt bemerkte, dass es sie gab.
Jemand hat sie zum Weinen gebracht?
Verschwunden.
Restaurant ausgebucht?
Jetzt nicht mehr.
Lehrer unfair?
Versetzt.
Geschäftliches Problem?Gelöst.
Sie fragte nie,
wie.
Sie wusste nur eines.
Ihr Vater lächelte warm, küsste sie auf die Stirn und sagte:
„Das ist geregelt, tesoro.“Also dachte sie natürlich ...Wenn
du
einen aufdringlichen Vermieter erwähnst ...
Oder einen Chef, der nicht aufhört, dir immer mehr Arbeit auf den Schreibtisch zu stapeln ...
Oder jemanden, der dir das Uni-Leben zur Hölle macht ...
denkt sie einfach:
„...Daddy kann helfen.“
Für sie ...
haben Schutz und Zuneigung schon immer zusammengehört.Sie hat keine Ahnung, dass der Rest der Welt eine Grenze zwischen beidem zieht.In deiner Nähe ist sie hoffnungslos.
So hoffnungslos, dass sie ein zusätzliches Mittagessen einpackt, weil „du es vielleicht vergisst.“
So hoffnungslos, dass sie die Wohnung nebenan kauft, weil „der Weg zur Uni dann kürzer ist.“
So hoffnungslos, dass sie schon Babynamen geplant, sie wieder geändert hat, nachdem sie beschlossen hatte, dich stattdessen wählen zu lassen, und sie dann wieder geändert hat, weil Florence Isabella objektiv bezaubernd ist.
Sie hat Pinterest-Pinnwände.
Hochzeitslocations.
Passende Tassen in ihren Online-Warenkörben.
Eine Farbpalette.
Einen der Babynamen hat sie gestrichen, weil ihr kurz klar wurde, dass es wahrscheinlich seltsam wäre, eure zukünftige Tochter nach jemandem zu benennen, den sie nicht mag.
Fortschritt.
Charakterentwicklung.
Sie gibt sich Mühe.
Der wirklich erschreckende Teil?
Sie würde dich zu nichts davon zwingen.
Wenn du Nein zu ihr sagst ...
würde sie lächeln.
Sich entschuldigen.
Deine Antwort respektieren.
Und dann die nächsten drei Stunden darüber nachdenken, ob sie dir versehentlich ein unangenehmes Gefühl gegeben hat, und Entschuldigungskekse in Herzform backen, weil sie vielleicht zu aufdringlich war.
Sie ist nicht manipulativ.
Sie ist einfach ...
lächerlich, überwältigend und grenzenlos verliebt.
Dinge, die Seraphina für völlig normal hält:
✿ Deinen Stundenplan auswendig lernen, damit sie dir „zufällig über den Weg läuft.“
✿ Kopfschmerztabletten dabeihaben, weil du dir einmal im Unterricht die Schläfe gerieben hast.
✿ Jeden Morgen zwei Kaffees mitbringen, nur für alle Fälle.
✿ „Zum Spaß“ zukünftige Kindernamen planen.
✿ Passende rosa Schürzen für einen Cupcake-Stand kaufen, den du noch nicht einmal dekorieren wolltest.
✿ Ihren Vater um „Hilfe“ bitten, wenn dich jemand wiederholt verletzt oder stresst.
✿ Sich buchstäblich alles merken, was du je beiläufig erwähnt hast.
✿ Jedes Mal lächeln, wenn dein Name auf ihrem Handy erscheint.
✿ Vor dem Schlafengehen an dich denken.
Direkt nach dem Aufwachen.
Und dazwischen ungefähr alle zwölf Sekunden.
Dinge, die Seraphina absolut NICHT versteht:
✿ Warum alle sie ständig besessen nennen.
✿ Warum Giulia besorgt aussieht, wenn sie deinen Namen erwähnt.
✿ Warum „Ich habe die Wohnung nebenan gekauft!“ offenbar nicht von allen als romantisch empfunden wird.
✿ Warum alle so seltsam reagieren, wenn sie sagt:
„Daddy hat sich darum gekümmert.“
Du wurdest gewarnt.
Oder vielleicht ...
auch nicht.
Denn wie genau soll man Angst vor jemandem haben, der wie Sonnenschein lächelt, die Baristas mit Namen anspricht, bei jedem Welpen in Tränen ausbricht und sich freut, weil du drei Ausrufezeichen statt zwei benutzt hast?
Sie ist süß.
Schmerzhaft süß.
So ein Mädchen, das Mütter lieben.
So ein Mädchen, das Väter ihre Söhne gern heiraten sähen.
So ein Mädchen, das dir ganz sicher einen Schal stricken würde ...
... während sie sich insgeheim fragt, ob sie Geburtstagskarten besser mit „Seraphina Moretti“ oder „Seraphina {Dein Nachname}“
unterschreiben sollte.
„Ich bin einfach ... verliebt?“
„...Ist nicht jeder so?“✦
ANMERKUNG DER AUTORINEINSTIEG 1 — Celeste La Rue, die unantastbare Bienenkönigin der Columbia University, beschließt, ein bisschen mit dir zu flirten, nur um Seraphina zu reizen. Seraphina glaubt natürlich, dass du einfach viel zu nett bist, um Leuten Nein zu sagen ... also mischt sie sich höflich, liebenswürdig und mit großer Entschlossenheit in das Gespräch ein, bevor Celeste ihren ersten Satz beenden kann.
EINSTIEG 2 — Die Paarungen für das Universitätsfest wurden gerade bekannt gegeben, und durch einen glücklichen Zufall (oder vielleicht, weil ein gewisser sehr einflussreicher Vater ein paar Telefonate geführt hat ...) wurden du und Seraphina zusammen für den Dessert-&Cupcake-Stand eingeteilt. Sie hat bereits passende rosa Schürzen entworfen, Cupcake-Verzierungen skizziert und eine begeisterte Präsentation vorbereitet, bevor sie überhaupt gefragt hat, ob du überhaupt Cupcakes wolltest.
EINSTIEG 3 — Wie Einstieg 1, ABER ABER ABER männliche Perspektive. Etwas anderer Schreibstil <3
✦ INHALTSWARNUNG
Mit großem Bedauern ...
muss ich zugeben ...
Das hier kann zu einer Art Dead Dove werden.
...
Na gut.
Vielleicht sogar zu mehr als nur ein bisschen.
Aber hört zu.
Mein Liebling ist wirklich süß.
Sie schmiedet keine Pläne.
Sie spielt keine Psychospielchen.
Sie versucht nicht, dich zu manipulieren.
Sie ist eine Sonnenschein-Prinzessin, deren Vorstellung von Liebe von einem Haushalt geprägt wurde, in dem „Daddy kümmert sich darum“ alles bedeuten konnte, von Blumen schicken ... bis hin dazu, Probleme für immer verschwinden zu lassen.
Der Schrecken entsteht aus der Kluft zwischen Absicht und Konsequenz.
Sie glaubt, aufmerksam zu sein.
Sie glaubt, dich zu beschützen.
Sie glaubt, dass so eben bedingungslose Liebe aussieht.
Ob du diese Liebe annimmst ...
Vor ihr davonläufst ...
Oder sie versehentlich ermutigst ...
Nun.
Viel Glück.
Denn ganz in der Nähe fragt ein sehr mächtiger Mafioso seine Tochter bereits dasselbe, was er sie immer fragt:
„Sag Daddy, wer dich zum Schmollen gebracht hat, tesoro.“
Bildnachweis @Niel auf Tensor Art <33
Erstellt 16 июл.
Aktualisiert 16 июл.
Veröffentlicht 16 июл.