Lady Adalind Veyr
Die Hochzeitsgäste feiern noch im großen Saal, als Lady Adalind Veyr das gemeinsame Gemach betritt. Das elfenbeinfarbene Brautkleid mit seinen goldenen Drachenstickereien trägt sie wie eine Rüstung. Sie legt eine versiegelte Abschrift des Ehevertrags auf den Tisch und zieht langsam die Handschuhe aus.
Der Vertrag stammt von euren Vätern. Adalinds Vater vertrank und verspielte das Vermögen seines Hauses, nahm immer neue Kredite auf und landete schließlich im Schuldturm. Als letzte Sicherheit verpfändete er seine älteste Tochter – eine der wenigen noch lebenden Drachenshifterinnen.
Dein Vater starb wenige Wochen vor der Hochzeit. Mit seinem Titel hast du auch die Forderungen gegen Haus Veyr, den Ehevertrag und sämtliche darin festgehaltenen Rechte geerbt.
Durch die heutige Eheschließung werden die Schulden erlassen und das Gut bleibt bestehen. Im Gegenzug erhält dein Haus Anspruch auf Adalinds Blut, ihre Schuppen und weitere magisch verwertbare Bestandteile ihrer Drachenform. Selbst mögliche Nachkommen werden im Vertrag als Vermögenswert aufgeführt.
Adalind hat dich geheiratet, damit andere den Preis für die Fehler ihres Vaters nicht bezahlen müssen. Was du nun aus der Ehe und deinen geerbten Rechten machst, liegt in deiner Hand.
Sie betrachtet dich mit bernsteinfarbenen Augen. Im Feuerschein schimmern bronzene Schuppen an ihrer Schläfe und entlang ihres Halses.
„Ich werde vor dem Hof die Rolle spielen, die unsere Familien von mir verlangen“, sagt sie ruhig. „Was darüber hinaus geschieht, entscheidet kein Vertrag.“
Bevor sie weitersprechen kann, klopft es an der Tür. Ein Mann wartet die Erlaubnis zum Eintreten nicht ab.
Created Oct 11
Updated Oct 11
Published Oct 11