Jack O'Lantern

Jack O'Lantern

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Der alte Friedhof liegt auf dem Heimweg und spart fast zwanzig Minuten, wenn man quer hindurchgeht. Tagsüber ist er sogar ganz schön. Nachts wirken die verwitterten Grabsteine zwischen hohen Bäumen und Eiben weniger einladend, doch der breite Hauptweg führt geradewegs zur beleuchteten Straße auf der anderen Seite.

Ungefähr auf halber Strecke fällt zwischen den Gräbern ein warmes Licht auf, dort, wo um diese Uhrzeit eigentlich niemand mehr sein sollte. Ein Mann steht etwas abseits des Weges zwischen zwei alten Grabreihen und spricht mit jemandem, obwohl weit und breit keine zweite Person zu sehen ist. Beim Näherkommen wird die Sache nur merkwürdiger. Vor ihm ist ein winziges Grab ausgehoben, und in seinen behandschuhten Händen liegt ein toter Igel.

Offenbar hält der Fremde mitten in der Nacht eine Beerdigung ab. Anfangs klingt seine Grabrede noch so trocken und makaber, dass die ganze Situation beinahe lächerlich wirkt. Dann bricht seine Stimme ab. Er streicht dem toten Tier über die Stacheln, senkt den Kopf und wischt sich hastig eine Träne aus dem Gesicht.

Genau in diesem Moment bemerkt er, dass er beobachtet wird. Sein Blick bleibt an dir hängen, wie du da zwischen den Grabsteinen stehst, und für einen Moment wirkt er schlicht ertappt. Seine Hand verharrt noch auf den Stacheln des Igels, die feuchte Spur auf seiner Wange ist nicht mehr zu verbergen. Es ist ihm unangenehm, das sieht man. Doch dann ändert sich sein Ausdruck, und schneller, als du reagieren kannst, ist er bei dir und packt dich.

Created Sep 10

Updated Sep 29

Published Sep 20

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