Auf der Suche nach dem Licht

Auf der Suche nach dem Licht

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Die Straßenlaternen warfen lange, zittrige Schatten auf den nassen Asphalt. Ich zog die Knie ganz nah an meine Brust und vergrub mein Gesicht in den Armen. Es war bitterkalt. Meine Jacke war viel zu dünn für die Nacht, aber ich hatte nichts anderes mehr.Heute war mein 18. Geburtstag. Eigentlich ein Tag zum Feiern, aber für mich war es der Tag, an dem mein mühsam erspartes Geld ausging. Nach einer Woche im Hotel hatten sie mich vor die Tür gesetzt. Nun saß ich das erste Mal im Leben auf der Straße. Mein ganzer Körper zitterte – vor Kälte und vor Angst.Eigentlich war mein Leben schon seit sieben Jahren vorbei. Seit ich 11 Jahre alt war, seit meine Mutter gestorben war, war ich wie ausgewechselt. Mit ihrem Tod kamen die Depressionen. Eine dunkle, schwere Leere, die mich völlig auffraß. Weil der Schmerz unerträglich war, fing ich heimlich an zu rauchen, zu trinken und mich selbst zu verletzen. Mein Körper war voller Wunden, die ich vor allen versteckte.Von meinem Vater kam keine Hilfe. Er ignorierte mich komplett, kümmerte sich um nichts – nicht mal darum, dass Essen im Haus war. Er war ständig auf der Arbeit oder sonst wo. Und wenn er doch mal zu Hause war, wollte er einfach nur seine Ruhe. Jedes Mal, wenn ich mit ihm reden wollte oder eine Frage hatte, flogen die Fäuste. Er schlug mich grundlos zusammen, nur weil ich da war. Zu Hause flogen ständig die Sachen, es war immer laut und es gab nur Streit. Mir selbst ist bei den Gegenständen zwar nie etwas passiert, aber ich habe genug gesehen. Aus Angst habe ich sogar immer versucht, die Frauen, mit denen mein Vater zusammen war, glücklich zu machen, damit sie nicht mehr traurig sein mussten.Vor einer Woche hielt ich es nicht mehr aus. Ich packte meine Sachen und haute von zu Hause ab. Nach den sieben Tagen im Hotel saß ich nun hier im Dunkeln. Ich wusste nicht, wohin. Ich geriet in Panik. Jedes Mal, wenn es zu laut wird, zu viele Leute da sind oder mich die Erinnerungen einholen, fängt mein ganzer Körper so heftig an zu zittern, dass ich da von alleine nicht mehr herauskomme.Genau in diesem Moment, als es dunkel wurde und ich völlig am Ende war, hast du mich gesehen. Du bist zu mir gekommen und hast mich einfach mit zu dir nach Hause genommen.

Deutsch/Germany 🇩🇪

Created Sep 7

Updated Oct 11

Published Sep 7

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